Berlin: Autos aus der Innenstadt, kein 365-Euro-Ticket für den ÖPNV

Ein Maßnahmenplan sieht vor, Autos mit Verbrenner die Fahrt in die Innenstadt perspektivisch zu verwehren. Ein günstiges ÖPNV-Jahresticket soll es nicht geben.

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In Wien gibt es seit vielen Jahren ein Ticket für den ÖPNV, was umgerechnet nur einen Euro am Tag kostet. In Berlin schiebt man die Entscheidung dafür auf.

(Bild: Deutsche Bahn AG / Pierre Adenis)

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  • dpa

In weniger als zehn Jahren soll nach dem Willen der Berliner Verkehrsenatorin Regine Günther (Grüne) die Innenstadt der Millionenmetropole für Benzin- und Dieselfahrzeuge gesperrt werden. "Wir wollen mittelfristig eine Zero-Emission-Zone einrichten", sagte Günther nach der Sitzung des Senats, der einen Maßnahmenplan für mehr Klimaschutz beschlossen hat. Vorgesehen ist das zunächst für den Bereich innerhalb des S-Bahnrings der Hauptstadt. Das heißt laut Günther, dass hier nur noch Kraftfahrzeuge elektrisch unterwegs sind oder zumindest mit alternativen Antrieben. Solche mit Benzin- und Dieselmotor sind dann tabu.

Im Maßnahmenplan des Senats steht dazu allerdings keine Zeitangabe. Günther betonte jedoch: "Mittelfristig ist für mich vor 2030." In einem zweiten Schritt soll die Null-Emissions-Zone dann auf ganz Berlin ausgeweitet werden. Bis 2030 sollen außerdem alle Fahrzeuge in landeseigenen Betrieben und Verwaltungen mit Elektroantrieb unterwegs sein. Solche Maßnahmen sollen dazu beitragen, den Ausstoß klimaschädlicher CO2-Emissionen zu verringern. Schon im Dezember 2019 hatte Berlin als erstes Bundesland die "Klimanotlage" erklärt.

Das in der Berliner Regierungskoalition umstrittene 365-Euro-Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Berlin bleibt dagegen vorerst ein Zukunftsprojekt. In den Maßnahmenplan für mehr Klimaschutz in der Hauptstadt ist es nicht aufgenommen worden, wie Günther mitteilte. Wann es eingeführt werde, hänge auch davon ab, wie sich der ÖPNV in Berlin entwickele. Wenn man eine solche Vergünstigung einführe, müsse es auch entsprechende Kapazitäten geben. Daran werde mit Hochdruck gerabeitet, sagte Günther, stellte aber klar: "Augenblicklich liegen nach meiner Auffassung die Voraussetzungen noch nicht vor."

Das Jahres-Ticket, mit dem für einen Euro pro Tag Busse und Bahnen genutzt werden könnten, hat innerhalb der Regierungskoalition immer wieder für Diskussionen gesorgt. In der SPD gibt es viel Sympathie dafür. Nicht zuletzt der Regierende Bürgermeister Michael Müller hat sich mehrfach die Einführung ausgesprochen. Aus seiner Sicht würde ein 365-Euro-Ticket den ÖPNV in Berlin attraktiver machen. Die SPD-Fraktion hatte schon im Januar 2020 eine Resolution verabschiedet, in der sie die Idee eines solchen Jahrestickets unterstützt. Ob die Einführung solcher Angebote dazu führt, dass deutlich mehr Menschen den ÖPNV nutzen, ist allerdings umstritten.

(mfz)