Beteigeuze wird schon wieder dunkler: Neuer Erklärungsversuch

Anders als von Astronomen erwartet wird Beteigeuze offenbar schon wieder dunkler. Bislang kann das aber nur ein einziges Teleskop beobachten.

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Bildmontage von Beteigeuze und seiner Umgebung am Nachthimmel

(Bild: ESO/Digitized Sky Survey 2/Davide De Martin.)

Von
  • Martin Holland

Der markante Stern Beteigeuze wird nur wenige Wochen nachdem er seine normale Helligkeit wieder erreicht hat schon wieder dunkler. Das haben Wissenschaftler mithilfe des Weltraumteleskops Stereo (Solar and Terrestrial Relations Observatory) ermittelt, das den Stern aktuell noch abbilden kann. Von der Erde aus ist er gegenwärtig zu nahe an der Sonne, um analysiert zu werden. Die erneute Verdunkelung kommt viel zu früh und dürfte zum Rätselraten über das Verhalten des riesigen Sterns beitragen. Nachdem Wissenschaftler für dessen jüngste rätselhafte Verdunkelung eine Erklärung vorgelegt hatten, kommt eine andere Forschergruppe nun zu einem anderen Ergebnis.

Beteigeuze ist die "Schulter" im Sternbild Orion und gehört eigentlich zu den hellsten Sternen am Nachthimmel. Zum Jahreswechsel war er aber viel dunkler geworden, die Schwankung ging auch deutlich über das hinaus, was bei ihm normal ist. Zwischenzeitlich kam er nur auf 40 Prozent seiner normalen Helligkeit und hatte damit unter anderem Spekulationen genährt, dass sein Ende in einer gigantischen Explosion bevorstehen könnte. Immerhin ist unstrittig, dass er am Ende seines Lebens angekommen ist und in astronomisch naher Zukunft in einer immensen Supernova enden wird. Die wäre am Nachthimmel so hell wie ein Halbmond. Ende Februar begann er aber wieder heller zu werden, im späten Frühling war er wieder so hell wie früher.

Messungen der Helligkeit von Beteigeuze mit erdgestützten Teleskopen (grün und blau) und Stereo (rot)

(Bild: Dupree, et al.)

Wie Astronomen um Andrea Dupree vom Harvard–Smithsonian Center for Astrophysics nun mitteilen, haben sie den riesigen Stern zuletzt mit dem NASA-Weltraumteleskop Stereo beobachtet und eine erneute Verdunkelung festgestellt. Das Weltraumteleskop ist eigentlich nicht für diese Analyse ausgelegt, sei aber dafür angepasst worden. Da die Helligkeit des Sterns normalerweise in Zyklen von 420 Tagen ab- und zunimmt, komme diese erneute Verdunkelung mehr als ein ganzes Jahr zu früh. Sobald der markante Stern ab Ende August auch wieder von erdgestützen Teleskopen analysiert werden kann, werde diese erneute Verdunkelung sicher ausführlich untersucht, erwarten sie.

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Im Juni hatten Wissenschaftler um Thavisha Dharmawardena vom Max-Planck-Institut für Astronomie ungewöhnlich große Sternenflecken für die Verdunkelung zum Jahresbeginn verantwortlich gemacht. Offenbar ist dabei aber noch nicht das letzte Wort gesprochen, denn nun haben Forscher anhand von Daten des Weltraumteleskops Hubble und eines robotischen Teleskops des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) eine alte Erklärung erneut in den Ring geworfen. Demnach war doch eine gigantische Staubwolke verantwortlich für die Verdunkelung. Mit Hubble habe man gesehen, wie das Material den Stern verlassen habe. Daraus dürfte sich eine gigantische Staubwolke gebildet haben, die zwischen die Erde und Beteigeuze geraten war. Die Beobachtungen vor allem des Stella-Teleskops vom AIP auf Teneriffa widersprechen demnach der Theorie von den Sternenflecken.

Illustration des postulierten Ausbruchs und wie er von der Erde ausgesehen hätte.

(Bild: NASA, ESA, and E. Wheatley (STScI))

Beteigeuze und Orion (7 Bilder)

Das Sternbild Orion. Den Kopf bildet der Stern Meissa. Er gehört zu Sternhaufen Cr69.
Der rotleuchtende Stern links der Mitte ist die Beteigeuze. Rechts davon Bellatrix.
Die drei Sterne in der Mitte bilden Alnitak, Alnilam und Mintaka und gehören zum offenen Sternenhaufen Cr70.
Darunter befindet sich im sogenannten "Schwertgehänge" unter anderem der Emissionsnebel M42. In dem Bereich befindet sich auch der weltberühmte Pferdekopfnebel B 33.
Den Abschluss bilden unten die Sterne Saiph (links) und Rigel.

(mho)