Biden zum Klimawandel: "Unsere Kinder werden in echten Schwierigkeiten stecken"

Der US-Präsident warnt nach "Ida" vor den Folgen des Klimawandels. Der Hurrikan hatte sich schneller als erwartet fortbewegt.

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Auf der Main Street in Pittston in Pennsylvania.

(Bild: dpa / Aimee Dilger)

Von
  • Andreas Wilkens
  • mit Material der dpa

Nach verheerenden Überschwemmungen im Nordosten der USA hat Präsident Joe Biden während eines Besuchs im Katastrophengebiet mit deutlichen Worten vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Die rasant fortschreitenden Veränderungen des Klimas entsprächen der "Alarmstufe rot", sagte Biden. "Das Land und die Welt sind in Gefahr. Das ist keine Übertreibung. Das ist eine Tatsache", sagte Biden am Dienstag im New Yorker Stadtteil Queens.

Im südlichen Bundesstaat Louisiana waren auch neun Tage nach Hurrikan "Ida" noch rund 400.000 Haushalte ohne Strom. Im westlichen Kalifornien bekämpften 15.000 Feuerwehrleute Wald- und Buschbrände. "Der Klimawandel ist eine existenzielle Bedrohung für unsere Leben, für unsere Wirtschaft – und die Bedrohung ist hier", sagte Biden. Von alleine werde sich die Lage nicht verbessern, denn die Veränderungen des Klimas schritten "mit unglaublicher Geschwindigkeit voran".

Biden sprach von einem "Wendepunkt, an dem wir entweder handeln, oder wir werden in echten Schwierigkeiten stecken. Unsere Kinder werden in echten Schwierigkeiten stecken." Nun müsse verhindert werden, dass es noch schlimmer werde, forderte er.

Biden kündigte an, deswegen auch an der UN-Weltklimakonferenz im November im schottischen Glasgow teilnehmen zu wollen. Es blieb allerdings zunächst offen, ob er persönlich anreisen oder sich online dazu schalten lassen will. Biden hat den Kampf gegen den Klimawandel zu einem der wichtigsten Ziele seiner Regierung erklärt. Sein Vorgänger Donald Trump hatte vor vier Jahren die USA aus dem Klimaabkommen von Paris zurückgezogen.

Unwetter infolge des Hurrikans "Ida" hatten in der vergangenen Woche im Nordosten der USA zu schweren Regenfällen mit katastrophalen Überschwemmungen geführt. Viele Menschen starben. Am schwersten betroffen waren die Bundesstaaten New Jersey und New York. Davor hatte "Ida" bereits in den südlichen Bundesstaaten Louisiana und Mississippi Verwüstung angerichtet, mehrere Menschen kamen ums Leben.

Meteorologen hatten den Sturm und den Starkregen zwar kommen sehen, waren dann aber über das Tempo überrascht, mit dem sich das Unwetter fortbewegte. Seine Energie konnte der Hurrikan durch ungewöhnlich warmes Wasser im Golf von Mexiko beziehen. "Das ist genau die Art von Phänomenen, an die wir uns gewöhnen müssen, wenn sich der Planet erwärmt", zitiert die Washington Post Kerry Emanuel, der am Massachusetts Institute of Technology die Physik von Hurrikanen und ihre Verbindung zum Klima untersucht. Von verheerenden Folgen für Menschen und Umwelt war auch im jüngsten Bericht des Klimarats die Rede.

Mit Blick auf die Brände im Westen der USA betonte Biden: "Jeder Teil des Landes wird von extremen Wetterbedingungen heimgesucht." Er wolle sich in den kommenden Tagen in Kalifornien ein Bild von der Lage machen. In dem Bundesstaat waren laut Lagebericht vom Dienstag rund 15.500 Feuerwehrleute im Einsatz, um 14 größere Wald- und Buschbrände sowie kleinere Brandherde zu bekämpfen. Seit Beginn des Jahres hat es dort demnach bereits auf einer Fläche von gut 8000 Quadratkilometern gebrannt. Das entspricht etwa neun Mal der Fläche Berlins.

(anw)