Big Code: EngFlow beseitigt Engpässe in Build-Prozessen

Angesichts wachsender Codebasen in Unternehmen will EngFlow das Softwareerstellen durch clusterübergreifend verteilte Builds und Tests nachhaltig beschleunigen.

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(Bild: Dabarti CGI/Shutterstock.com)

Von
  • Matthias Parbel

Als Software-as-a-Service aus der Cloud tritt EngFlow an, Software-Builds massiv zu beschleunigen – bis zum Faktor 10. Der neue Dienst sei jedoch nicht nur ein weiteres Build-Tool, wie EngFlow-CEO Helen Altshuler und CTO Ulf Adams im Gespräch mit heise Developer betonen, sondern das SaaS-Angebot verspreche schnellere und sicherere Build-Prozesse, selbst bei rasant weiterwachsenden Codebasen in Unternehmen.

Vergleichbar mit den Herausforderungen, die Unternehmen in der Vergangenheit rund um Big Data meistern mussten, sehen sich Softwareentwicklungsabteilungen heute mit immer größer werdenden Codebeständen konfrontiert. Wie eine von Dimensional Research im vergangenen Jahr durchgeführte Studie gezeigt hat, stellt Big Code Unternehmen gleich in mehrfacher Hinsicht vor neue Herausforderungen: Bei gut der Hälfte der befragten Studienteilnehmer hat sich die Codebasis binnen zehn Jahren verhundertfacht. Gleichzeitig nahm die Komplexität zu, durch eine immer größere Zahl von Programmiersprachen, Tools und Prozessen, die für die Softwarebereitstellung zum Einsatz kommen – und zu guter Letzt soll auch die Geschwindigkeit beim Deployment weiter steigen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Nach Einschätzung von Altshuler habe Big Code ähnlich gravierende Auswirkungen auf die Produktivität der Entwicklungsteams und die Qualität der ausgelieferten Software, wie sie sich in den Anfängen von Big Data gezeigt hätten. EngFlow will diese Herausforderung durch einen clusterübergreifenden Ansatz meistern, der die Arbeitslast für Builds sowie Tests auf eine möglichst große Zahl von Rechnern verteilt. Dazu baut der Anbieter auf die bei Google mit deren internem Buildsystem gemachten Erfahrungen auf. Die Entwicklung des Systems, das unter dem Namen Bazel als Open Source verfügbar ist, hatte EngFlow-CTO Adams mehr als ein Jahrzehnt lang geleitet. Heute trägt er als einer der wichtigen Contributors zur Weiterentwicklung von Bazel bei.

Bei Google stellt das System seither einen reibungslosen Arbeitsablauf und schnelle Build Pipelines sicher. Erklärtes Ziel dabei sei es gewesen, einen überprüften und nachvollziehbaren Weg des Codes bis zum Deployment zu gewährleisten, erklärt Adams. Nur so habe Google binnen weniger Tage Fixes für ernsthafte Bedrohungen wie die Heartbleed-Lücke in der Kryptobibliothek OpenSSL bereitstellen können. Auch angesichts der wachsenden Gefahr durch Supply-Chain-Attacken nimmt die Bedeutung einer abgesicherten Build Pipeline für Unternehmen im Allgemeinen zu. EngFlow macht sich daher auch die erweiterten Möglichkeiten von Bazel zunutze, über eine entsprechende API umfassende Observability-Funktionen auszuschöpfen, um sich und Kunden gegen Angriffe wie den auf SolarWinds zu rüsten.

Seit rund anderthalb Jahren nutzen erste Anwenderunternehmen wie Snap, Envoy Mobile, der Browser Brave und verschiedene E-Commerce-Anbieter die EngFlow-Dienste. Im Oktober konnte sich EngFlow nun im Rahmen einer Finanzierungsrunde frisches Kapital in Höhe von 3,7 Millionen US-Dollar sichern, die für den weiteren Ausbau des Geschäfts genutzt werden sollen. Insbesondere auch in Deutschland will der Dienstleister künftig wachsen und zielt dabei auf Unternehmen aus dem Automotive-Umfeld, die sich dem autonomen Fahren verschrieben haben. Potenzielle neue Kunden seien darüber hinaus alle Unternehmen, die bereits Bazel im Einsatz haben. Ausgesprochene Fans des Open-Source-Build-Tools seien laut Adams etwa die Entwicklungsteams bei SpaceX.

EngFlow ist als Enterprise-Edition für Linux, macOS und Windows verfügbar – Preise nennt das Unternehmen auf Anfrage. Wer den Dienst aber zunächst kennenlernen und ausprobieren möchte, dem steht eine kostenlose Version mit eingeschränktem Funktionsumfang zur Verfügung, mit Support durch die Community und nur unter Linux.

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