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Bildqualität im Check: Yi M1 mit 42,5 mm F1.8

Made in China: Mit der Yi M1 taucht ein neuer Spieler im Markt der spiegellosen Systemkameras auf. Wir haben sie zusammen mit ihrer Porträtfestbrennweite 42,5 mm F1.8 im Labor antreten lassen.

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Die Yi M1 mit dem 42,5mm f/1.8

(Bild: Yi)

Unglaublich leicht liegt das Porträtobjektiv zur China-Spiegellosen Yi M1 in der Hand. Es bietet eine Brennweite von 42,5 mm und bildet damit einen Bildwinkel von 29 Grad ab. Bei einer Vollformatkamera bräuchten Fotografen dafür eine 85-Millimeter-Brennweite. Die Lichtstärke des kleinen Objektivs gibt Yi mit f/1.8 an. In der Micro-Four-Thirds-Familie, zu der die Yi-Kamera gehört, befindet es sich damit in guter Gesellschaft. Panasonic bietet diese Brennweite als günstige Variante mit Offenblende f/1.7 für knapp 350 Euro an. Mit Leica-Branding und Lichtstärke f/1.2 kostet sie dann schon gut 1300 Euro. Olympus hat in 45er mit Lichtstärke f/1.8 für knapp 250 Euro im Programm.

Das Yi-Objektiv, das von Tamron gefertigt wird, gibt es aktuell hierzulande noch nicht einzeln zu kaufen. In unserem Fall lag es dem Kamera-Kit zusammen mit dem Zoom-Objektiv 12-40mm 1:3.5-5.6 bei, das Fotografen für knapp 650 Euro erwerben können und das wir in der kommenden Ausgabe 2/2017 der c't Fotografie ausführlich vorstellen.

Die Yi M1 bietet ihren Fotografen Gesta´ltungsvorlagen an, mit denen sie bessere Porträts komponieren sollen.

Mit dem 42,5mm f/1.8 lassen sich alle Porträtschablonnen nutzen und im Display einblenden.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Yi-Festbrennweite nicht vom Zoom. Allerdings kommt sie nur mit einem Drehring aus. Doch Achtung: Was nach Fokusring aussieht, ist es nicht. Tatsächlich sitzt dieser Schmuckring starr am Gehäuse. Mit ihm können Fotografen nicht manuell scharfstellen. Nutzen sie das 42,5er müssen sie entweder ganz auf den Autofokus setzen oder mithilfe von zwei Pfeiltasten auf dem Touchscreen den passenden Schärfepunkt ertippen – bequem geht anders. Dieses Weglassen des Fokusrings kann man als konsequent bezeichnen, immerhin richtet sich die Kamera an die "Generation Smartphone", die sich ja angeblich nicht lange mit akkurater Bildgestaltung beschäftigen will. Andererseits betont Yi auch immer wieder seine Profi-Ansprüche – und die schätzen sicher die Möglichkeit, schnell und einfach den Schärfepunkt ihrer Bilder selbst zu justieren, gerade bei Porträts.

Ein bewegliches Teil bringt Tamron dann aber doch auf dem Tubus unter. Ein Schiebeschalter verändert die Naheinstellgrenze von 0,5 m (Normal) auf 0,25 m (Makro). Mit der Festbrennweite können Fotografen zudem alle Motivschablonen der Kamera nutzen – beim Zoomkit schränk Yi die Auswahl ein, obwohl es am langen Ende eine ähnliche Brennweite bietet. Diese Schablonen mit Modellpositionen sollen helfen, bessere Porträtaufnahmen zu komponieren.

Ecken bei Offenblende im Vergleich: Dem Yi-Objektiv haben wir noch das günstige Panasonic Lumix G 42,5 mm f/1.7 (MItte) sowie das teure Panasonic Nocticron 42,5mm f/1.2 (rechts) gegenüber gestellt.

Im Labor entpuppt sich die Festbrennweite als Spätzünder. Bei Offenblende f/1.8 liefert sie einen eher weicheren Look, was man nicht nur über den gesamten Bildbereich in den Testfotos sieht, sondern auch in den Messwerten ablesen kann. So löst sie zentral hier nur etwa 1500 Linienpaare pro Bildhöhe auf – theoretisch möglich wären 1944 Lp/Bh. Die Ecken bleiben mit knapp 1200 Lp/Bh noch klarer zurück. Abblenden bringt Fotografen Stück für Stück ans Maximum heran, was die Optik dann schließlich bei f/5.6 auch erreicht. Zentral: volle Sensorauflösung. Ecken: 1600 Lp/Bh. Danach geht es wieder leicht bergab.

Yi M1 mit 42,5mm f/1.8: Blendenreihe (10 Bilder)

c't Testszene bei Offenblende im Überblick

Bei den Bildfehlern bleibt das 42er ebenfalls unauffällig. Beim weichen Offenblendenlook fallen Farbsäume kaum ins Auge. Abgeblendet wird der Bildeindruck deutlich härter, was zentral auch den ein oder anderen lilafarbenen Farbeinschlag sichtbar werden lässt.

Yi M1 mit 42,5mm f/1.8: Schärfentiefenreihe (10 Bilder)

Schärfentiefenentwicklung an der c't Testszene

Festbrennweite vs. Zoom: Eine klare Eckenschwäche zeigt das Zoom-Kitobjektiv (rechts) am langen Ende.

Das 42,5 mm F1.8 aus dem Hause Tamron ist optimal abgestimmt auf die kleine Yi M1 und sicher ein Zugewinn, zumal das Kit-Objektiv am langen Ende dagegen etwas schwächelt. Die Bildergebnisse stimmen jedenfalls, sodass man getrost zum Doppelkit greifen kann. Im Vergleich zur starken Konkurrenz von Panasonic und Olympus fällt die Yi-Festbrennweite allerdings beim Handling ab. Der Fake-Fokusring zwingt Fotografen dazu manuell über den Touchscreen zu arbeiten und sich den Schärfepunkt zu ertippen. Das ist nicht innovativ, das ist umständlich. (ssi)