Biosicherheit: Forscher fordern mehr Schutz gegen außerirdische Kontaminierung

Je mehr Sonden zu anderen Himmelskörpern geschickt werden und wieder zurückkommen, desto größer die Gefahr einer Invasion, warnt eine Forschergruppe.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 46 Beiträge

Reinraum der ESA in Italien

(Bild: ESA)

Von
  • Martin Holland

Angesichts von immer mehr wissenschaftlichen und bald kommerziellen Missionen in den Weltraum und zu anderen Himmelskörpern müssen Maßnahmen zur Biosicherheit angepasst und interdisziplinär ausgestaltet werden. Das fordern der Invasionsökologie Anthony Ricciardi von der McGill University und weitere Experten.

Die praktizierten Aktivitäten für die planetare Biosicherheit sollten durch Einbeziehung von Erkenntnissen aus der Astrobiologie und der Invasionsbiologie verbessert werden. Denn Ziel müsse sein, nicht nur die biologische Kontaminierung außerirdischer Himmelskörper zu verhindern. Auch unsere Erde müsse besser geschützt werden. Invationsrisiken seien immer durch die am wenigsten gut überwachten menschlichen Aktivitäten am größten und insgesamt schwer vorherzusagen. Für eine Früherkennung von Gefahren sei es entscheidend, "Invasoren" schnell von irdischen Organismen unterscheiden zu können.

Weltraumagenturen wie die NASA und die ESA wüssten bereits seit langem um die Gefahren biologischer Kontamination anderer Himmelskörper und unternehmen jede Menge, um das zu verhindern, erklären die Experten. Angesichts der zu erwartenden stark steigenden Zahl von Missionen, müssten die aber angepasst werden, schreiben die Experten für biologische Invasionen.

Andere Planeten und Monde sollten wie abgelegene Inseln und isolierte Regionen der Erde behandelt werden, deren Ökosysteme sich als sehr sensibel herausgestellt hätten, wenn es um invasive Spezies geht. Das Risiko, dass ein außerirdischer Organismus sich als blinder Passagier auf einer Sonde festsetzt, sei zwar "ziemlich klein", gestehen sie ein. Aber ihr Forschungsfeld wisse, dass die Gefahr durch die Frequenz von Kontakten steige. Deshalb müsse vorgesorgt werden.

Der Mikroorganismus Tersicoccus phoenicis wurde nur in Reinräumen von Raumfahrtagenturen gefunden.

(Bild: NASA/JPL-Caltech)

Ricciardi schlagen in ihrem Artikel im Fachmagazin BioScience unter anderem vor, Protokolle zur Frühentdeckung, Gefahrenabschätzung, schnellen Reaktion und Eindämmung aus der irdischen Invasionsbiologie auf die planetare Biosicherheit anzuwenden. Es ist schon länger bekannt, dass auch die Reinräume von NASA und ESA nicht frei von besonders resistenten Mikroorganismen sind. Die könnten bereits versehentlich etwa auf den Mars gelangt sein. Informationen zu ihnen sollten in Datenbanken zusammengetragen werden. Wenn man Sonden mit Proben von anderen Himmelskörpern genau untersuche, könnte man mit diesen Daten und dank neuer Technologie zur schnellen DNS-Sequenzierung außerirdische "Invasoren" von zurückgebrachten Organismen unterscheiden, die ursprünglich von der Erde stammen.

Lesen Sie auch

(mho)