Bitcoin-Abspaltung Bitcoin Cash spaltet sich erneut

Der Vorschlag, über eine Miner-Abgabe Entwickler zu bezahlen, sorgte erst für Streit in der Community von Bitcoin Cash und jetzt für einen Hard Fork.

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(Bild: mk1one/Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg

Bei der Bitcoin-Abspaltung Bitcoin Cash ist am Sonntag erneut eine Abspaltung erfolgt. Hinter dem Fork steht eine Bitcoin ABC genannte Gruppe um den Entwickler Amaury Sechet. Deren Ziel war ein Update mit einer Protokoll-Änderung, die eine Art Mining-Steuer bei Bitcoin Cash einführen sollte: Acht Prozent der Mining-Erträge sollten automatisch abgeführt werden, um damit am Protokoll der Kryptowährung arbeitende Entwickler zu finanzieren. Das führte zu harter Opposition in der Community – und bei Block Nummer 661647 letztlich zu einem Hard Fork mit getrennten Blockchains.

Bislang sieht es deutlich danach aus, als würde sich die überwältigende Mehrheit der Miner für Clientsoftware ohne Minersteuer entscheiden. Die mit Bitcoin Cash Node (BCHN) bezeichnete Gegenseite, die die Abgabe ablehnt, dürfte also obsiegt haben und wohl den Namen Bitcoin Cash sowie das Börsenkürzel BCH weitertragen. Wortführer ist hier unter anderem der Krypto-Investor Roger Ver, der die Pläne von ABC als "Traum zentralistischer Planer im Sowjet-Stil" kritisierte. Bereits im Vorfeld hatten rund 70-80 Prozent der Miner signalisiert, BCHN zu favorisieren.

Seit Trennung der Chains hat das Netzwerk von ABC laut dem Dienst coin.dance zur Stunde lediglich sechs Blöcke für die Blockchain mit neuen Regeln erzeugen können. Die Gegenseite kommt demnach hingegen auf über 100 Blöcke und dominiert klar das Feld. Die Hashingleistung bei BCHN liegt laut coin.dance bei 1,49 Exahash/s, ABC komme lediglich auf 0,037 Exahash/s. Dass die Miner vor allem auf ein Netzwerk setzen, bei dem sie keine Abgabe leisten müssen, ist allerdings auch nicht überraschend. Lediglich bei den Knoten im Netzwerk konnte ABC wohl punkten, rund 35 Prozent akzeptieren hier die Protokoll-Änderung.

Im Vorfeld des Forks hatte sich auch manche Börsen eher skeptisch zu einem Bitcoin-ABC-Coin geäußert. Coinbase ließ verlauten, lediglich BCHN zu unterstützen und ABC nicht zu akzeptieren. Auch Kraken stellte sich auf die Seite von BCHN und erklärte, man werde einen ABC-Coin nur listen, wenn das Netzwerk längerfristig 10 Prozent der Bitcoin-Cash-Hashrate auf sich ziehen könne. Seitens Binance hieß es, man favorisiere die Chain mit der größten Hashingleistung.

Ob aus Bitcoin ABC so überhaupt ein lebensfähiges Kryptogeld wird, bleibt zur Stunde noch abzuwarten. Im Rahmen des Forks gab der Kurs von Bitcoin Cash leicht nach und liegt derzeit bei rund 249 US-Dollar. Nach Marktkapitalisierung ist Bitcoin Cash laut Zahlen von Coinmarketcap derzeit die Nummer sechs unter den Kryptowährungen.

Bitcoin Cash separierte sich 2017 vom Bitcoin und war damit Vorreiter einer ganzen Reihe von Forks des Bitcoins. Zankapfel war damals die mangelnde Skalierfähigkeit der Kryptowährung und die damit verbundene Frage, ob die auf 1 MByte begrenzte Blockgröße des Bitcoins nicht angehoben werden solle. Darüber entzweite man sich, und seit einem Fork im August 2017 gibt es separate Blockchains und getrennte Währungen. Bitcoin Cash setzt dabei auf höhere Blockgrößen, um so mehr Transaktionen onchain zu bewältigen.

2018 kam es dann zu einem weiteren Fork von Bitcoin Cash, nach harten öffentlichen Auseinandersetzungen spaltete sich Bitcoin SV um den Australier Craig Wright ab. Wright hatte zuvor auch mit der Behauptung Schlagzeilen gemacht, er wäre Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto, ohne dafür Belege zu liefern.

(axk)