Bitcoin-Betrugsopfer: "Bei 'Elon Musk' waren alle Warnlampen aus"

Warum wir alle reinfallen können

Inhaltsverzeichnis

Tatsächlich kann jeder Opfer solcher Betrugsmaschen werden, bekräftigte die Wiener Wirtschaftspsychologin Dr. Marion Kern im Interview mit heise online: "In so einer Situation können Emotionen die Rationalität überlagern. Die Täter schaffen es, dem Opfer ein subjektives Sicherheitsgefühl zu vermitteln." Im Falle M.s gelang das mit der Vorspiegelung, Elon Musk und Tesla seien am Werk. Ein anderes Mal ist es vielleicht ein vermeintlicher Neffe oder ein Heiratsschwindler, der Zuneigung vorgaukelt.

Wirtschaftspsychologin Dr. Marion Kern: "Emotionen überlagern die Rationalität"

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

"Man tut viel, das man sonst nicht tun würde, weil man dem Absender vertraut", erklärte Kern im Interview, "Dann legt sogar das Opfer selbst den gedanklichen Fokus auf das attraktive Ergebnis anstatt auf das Unangenehme." Das Attraktive ist hier das in Aussicht gestellte Geschenk. Das Unangenehme wäre der Verdacht, eine vermeintliche Vertrauensperson könnte ein Betrüger sein.

Das ist so unerfreulich, dass viele Opfer ihr Vorgehen auch nach Schadenseintritt zu rechtfertigen suchen. Nicht selten schicken sie dem Betrüger sogar noch mehr Geld, nur um sich selbst nicht eingestehen zu müssen, hereingefallen zu sein.

Lesen Sie auch

M. hat, Gott sei Dank, gleich nach der ersten Überweisung Lunte gerochen und es nicht noch einmal probiert. Außerdem informierte er sowohl Webhoster als auch Domainregistrator der betrügerischen Webseite. "Am nächsten Tag war die Domain teslagain.com offline", schilderte M., der die Täter damit immerhin gebremst hat.

Apropos Bremsen: Betrüger erwecken gerne den Eindruck von Zeitdruck oder eines begrenzten Angebots. Auch das hat System, weiß Psychologin Kern: "Das Gefühl, schnell handeln zu müssen, um die tolle Gelegenheit nicht zu verpassen, wird erzeugt, um das Opfern daran zu hindern, über die Sache nachzudenken. Denn wenn man in Ruhe darüber nachdenkt, merkt man ja, dass es ein Betrug ist."

Auch hier passt M.s Bericht ins Schema: "Einige Minuten nach der Transaktion habe ich kapiert, dass die Bitcoins für immer weg sind." Der Zeitdruck war weg und er konnte die Sachlage in Ruhe analysieren. Leider war es dann wirklich zu spät.

Eine Anzeige bei der Polizei zieht M. inzwischen doch in Erwägung. Hoffnung auf eine Rückerstattung macht er sich zwar keine, auch wenn die von ihm gezahlten Bitcoins mehr als einen Monat später unangetastet sind. Aber vielleicht wird der Täter ja bei einer anderen Gelegenheit erwischt, und dann könnte man ihm auch diese Tat nachweisen. Und in jedem Fall kommt die Anzeige in die Kriminalitätsstatistik, die in Summe verdeutlicht, wo die Polizei Schwerpunkte setzen sollte.

Crypto for Health (7 Bilder)

Warren Buffet

Missbraucht wurden vorwiegend verifizierte Twitter-Konten Prominenter.
(Bild: Screenshot)


Screenshots von "Crypto for Health", der massiven Betrugswelle, die am 15. Juli 2020 Twitter überrollt hat. Jener Tweet, der Dr. M. im Juni in die Falle gelockt hat, ist nicht erhalten.

(ds)