Bitkom: Deutsche sehen mehrheitlich Chancen in Künstlicher Intelligenz

Die Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz hat zugenommen, sagt eine Bitkom-Studie. 75 Prozent wünschen sich eine Führungsrolle Deutschlands im KI-Bereich.

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(Bild: metamorworks/Shutterstock.com)

Von
  • Oliver Bünte

Die Menschen in Deutschland sehen mehrheitlich den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) als Chance. Nach einer repräsentativen Umfrage des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) sehen dies 68 Prozent der Befragten so, rund 54 Prozent denken, das KI in den nächsten fünf Jahren spürbare Veränderungen für die Gesellschaft bringen werde. Rund 29 Prozent schätzen Künstliche Intelligenz als gefährlich ein. In einer ähnlichen Studie von 2017 hatten lediglich 48 Prozent KI als Chance gesehen, 2018 waren es bereits 62 Prozent.

"Wer besser informiert ist, sieht auch die Chancen von Künstlicher Intelligenz", sagt der Präsident des Bitkom, Achim Berg, mit Blick auf die Umfrageergebnisse der Studie. Demnach sagen 45 Prozent der Befragten, dass sie wissen würden, was unter KI zu verstehen ist und KI auch erklären könnten. 28 Prozent meinen in etwa zu wissen, was KI bedeutet, 7 Prozent würden sich sogar als Experten bezeichnen. Demgegenüber stehen 16 Prozent, die nicht genau wissen, was Künstliche Intelligenz ist.

Mit dem stärkeren Wissen um KI steigt der Bitkom-Studie nach auch die Akzeptanz in verschiedenen Lebensbereichen. So befürworten 75 Prozent der Befragten mehrheitlich einen stärkeren Einsatz von KI in der Pflege, um die Gesundheit pflegebedürftiger älterer Menschen besser überwachen zu können. Auch in Ämtern und Behörden (73 Prozent), in der Medizin (67 Prozent) und im Sicherheitsbereich (66 Prozent) und beim Sport (61 Prozent) wünsche man sich einen stärkeren Einsatz von KI. Das gelte auch für das Transportwesen (58 Prozent), im Bereich Bildung (55 Prozent), in Personalabteilungen / im Kundenservice (54 Prozent) und im Straßenverkehr (52 Prozent), beispielsweise in autonomen Fahrzeugen.

In bestimmten Bereichen fällt die Akzeptanz jedoch geringer aus. Dies gelte beispielsweise für politische Entscheidungen (50 Prozent), beim Militär (48 Prozent) oder der Betreuung von Kleinkindern (38 Prozent). Berg sieht den Wunsch nach mehr KI besonders in den Lebensbereichen, in denen die Menschen einen höheren persönlichen Nutzen und deutliches Verbesserungspotenzial sehen.

Auch wenn die Akzeptanz von KI der Bitkom-Umfrage nach zugenommen hat, bleibt jedoch auch Skepsis. Besonders im Arbeitsalltag wollen die Menschen keine KI. 73 Prozent der Befragten befürchten, dass KI sie dann kontrollieren könnte, 65 Prozent denken, dass KI Arbeitsplätze vernichtet. Auf der anderen Seite sehen jedoch 45 Prozent KI bei der Arbeit als Hilfe, etwa indem durch den KI-Einsatz Fehler vermieden und langweilige Arbeiten von einer KI übernommen werden könnten.

Autonomen Fahrzeugen, die mit Künstlicher Intelligenz selbstständig Entscheidungen treffen können, stehen die Befragten eher skeptisch gegenüber. So halten nur 36 Prozent es für möglich, dass Robo-Autos schwere Unfälle und Verkehrstote vermeiden. Eine Mehrheit von 57 Prozent geht sogar davon aus, dass stattdessen die Anzahl schwerer Unfälle mit Toten steigen wird. Berg sieht als Grund für diese Sichtweise, dass immer wieder über Unfälle mit selbstfahrenden Autos in der Testphase berichtet wird, was sich in den Köpfen festgesetzt hätte.

Einen großen Nutzen von KI sehen die Befragten im medizinischen Bereich: 60 Prozent der Umfrageteilnehmer sind der Ansicht, dass Künstliche Intelligenz die medizinische Forschung in den nächsten zehn Jahren vorantreibt. 46 Prozent denken, dass Künstliche Intelligenz dabei helfen kann, Krankheiten durch Verhaltenshinweise zu vermeiden. Auch bei der Entwicklung individueller Therapien (42 Prozent) und der Unterstützung von Ärzten bei Routineaufgaben (40 Prozent), wie der Analyse von Röntgenbildern, könnte KI nützlich sein. Dass sich die Lebenserwartung in den nächsten zehn Jahren durch den Einsatz von KI verbessert, denken jedoch nur 20 Prozent. Genauso wenig geht eine Mehrheit davon aus, dass eine KI einen Arzt ersetzen (8 Prozent) und eine KI bessere Diagnosen stellen kann (13 Prozent).

Künstliche Intelligenz hat den Ergebnissen nach für die Bürger eine "herausragende Bedeutung" für "Wirtschaft und Wohlstand". 66 Prozent sehen in ihr eine Stärkung für die deutsche Wirtschaft. Entsprechend fordern 75 Prozent der Befragten, dass Deutschland im Bereich KI eine weltweite Führungsrolle einnehmen soll. Gleichzeitig müsse KI aber sicher sein. 85 Prozent wollen deshalb eine besonders gründliche Prüfung von KI-Systemen und ein Zulassungsverfahren. 44 Prozent sind der Ansicht, dass bestimmte KI-Anwendungen verboten werden müssten.

Für die KI-Studie hat Bitkom Research für die Bitkom insgesamt 1004 Personen ab 16 Jahren in Deutschland in einer repräsentativen Umfrage telefonisch befragt.

(olb)