Bitkom: Eltern wünschen sich mehr Digitalität in Schulen – auch nach Corona

Das Digitale macht den Eltern keine Angst. Das zeigt eine neue repräsentative Umfrage des Bitkom. Der Einsatz digitaler Mittel soll an Schulen Standard werden.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 11 Beiträge

(Bild: Sharomka/shutterstock.com)

Von
  • Kristina Beer

Der Branchenverband Bitkom hat Eltern zu ihren Erfahrungen mit der Digitalisierung der Schulen während der Coronavirus-Pandemie befragt. Herausgekommen ist, dass Eltern sich mehr Digitalität in den Schulen und auch eine bessere Ausstattung und Ausbildung der Lehrkräfte wünschen. Knackpunkte waren für Eltern weniger fehlende eigene Geräte, als abstürzende Lernplattformen und schlechte Internetverbindungen. An letzteren seien die Eltern aber auch nicht ganz unschuldig, kommentierte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Wie der Bitkom in seiner repräsentativen Elternbefragung feststellte, fokussieren die Befragten auf die Chancen der Digitalisierung und zeigen sich nicht als große Zweifler. Nur Zehn Prozent sehen mehr Risiken als Chancen. Auch die Geschwindigkeit der momentanen Digitalisierung ängstigt den Großteil der Eltern nicht. Nur einer Minderheit von rund 8 Prozent geht alles zu schnell. Der derzeitige Digitalisierungsstand der Schulen wird nach Schulnoten mit ausreichend bis befriedigend angegeben.

Recht eindeutig positionieren sich Eltern entsprechend zu weiteren Investitionen und Angeboten. So sollen digitale Technologien an Schulen Standard werden (96 Prozent) und digitaler Unterricht etwa für vorerkrankte Kinder auch nach der Pandemie möglich sein. Zudem müsse die digitale Kompetenz im Unterricht einen höheren Stellenwert genießen (92 Prozent) und auch die Medienbildung Teil des Unterrichts werden.

Artikelserie "Schule digital II"

Rund 79 Prozent fordern das Pflichtfach Informatik ab der 5. Klasse und 95 Prozent wünschen sich regelmäßige Fortbildungen für digitalen Unterricht.

Die Ausstattung im Elternhaus ist laut der Befragung weniger prekär als häufig vermutet, aber auch nicht rosig. Obwohl 94 Prozent der Kinder ein Gerät nutzen können, um am Online-Unterricht teilzunehmen, splittet sich dieser Wert noch in verschiedene Nutzungsszenarien auf, die sich in ihrer Qualität stärker unterscheiden. Während 63 Prozent der Kinder ein eigenes Gerät für sich haben, nutzen 20 Prozent eines zusammen mit ihren Eltern oder auch 7 Prozent der Kinder ein Gerät mit mehreren Geschwistern. Nur 2 Prozent nutzen ein Gerät, das von der Schule gestellt wurde, weitere 2 Prozent nutzen ein Gerät der Schule mit mehreren Kindern. Um gerade die Kinder und Familien zu entlasten, die an nur einem Gerät gestaffelt arbeiten müssen, müsste hier mehr auf die Ausstattung geachtet werden.

In der Mehrzahl werden Notebooks (65 Prozent) genutzt. Tablets und Smartphones werden laut Rohleder aber gemessen an der Verbreitung in der Gesamtbevölkerung deutlich häufiger – zu 41 und 45 Prozent – eingesetzt. Was gerade gefordert sei, hänge aber auch von den Unterrichtsinhalten ab.

Wenn die Schülerinnen und Schüler am digitalen Unterricht teilnehmen, bleiben die größten Probleme, dass Lernplattformen nicht erreichbar seien (71 Prozent) oder das Wlan Probleme (42 Prozent) mache. Rund 28 Prozent der Eltern bestätigten außerdem, dass ihnen die nötige Bandbreite fehle. Hier merkte Rohleder allerdings an, dass die Breitbandversorgung in Deutschland diesen Wert nicht erkläre. Vielmehr müssten die Eltern auch entsprechende Bandbreiten buchen, damit die Teilnahme am digitalen Unterricht ruckelfrei möglich sei.

Die Kommunikation mit Lehrkräften findet für die Eltern weiterhin über viele Kanäle statt. Dabei sind der klassische Mail-Versand mit rund 71 Prozent und ein Telefonanruf mit 51 Prozent noch recht häufig vertreten. Messenger würden zwar auch genutzt, hier hat allerdings das umstrittene Whatsapp die Nase vorn – denn 25 Prozent der Eltern werden von den Lehrkräften über diesen Messenger kontaktiert. Alternative Messenger schlagen nur mit vier Prozent zu Buche. Über schulinterne Online-Plattformen tauschen sich 38 Prozent der Befragten mit Lehrkräften aus.

Auch Schülerinnen und Schüler werden auf vielfältige Weise von den Schulen kontaktiert oder im Homeschooling begleitet. 91 Prozent der Eltern konnten bestätigen, dass Online-Unterricht während coronabedingter Schulschließungen angeboten wird, 64 Prozent, dass der Mail-Versand zum Austausch von Aufgaben genutzt wird, 38 Prozent müssen Aufgaben in den Schulen abholen. Die Betreuung via Telefon sei während Schulschließungen noch zu 48 Prozent vorhanden, digitale Prüfungen finden in eher geringem Maße statt (15 Prozent).

Zugleich gaben 78 Prozent der Eltern an, dass ihre Kinder täglich digitale Endgeräte für das Lernen nutzen. Nur 16 Prozent sagten, dass dies einmal in der Woche geschehe. Auch die durchschnittliche Nutzung pro Tag fällt mit 4,4 Stunden nicht gering aus. Wie Rohleder unterstrich, korrespondiere dieser Wert ungefähr mit den fünf bis sechs Unterrichtsstunden pro Tag in den Schulen. Das Arbeitspensum weiche also nicht stark ab: "Wenn die Qualität des digitalen Lernangebots stimmt, lassen sich Wissenslücken aufgrund von Schulschließungen weitgehend vermeiden", schloss er. Lediglich bei den Grundschulkindern zeigen sich etwas geringere Werte für die tägliche Nutzung (69 Prozent Primarstufe gegenüber 82 Prozent Sekundarstufe I). Und auch die Nutzungszeit pro Tag fällt in der Regel geringer aus, passt damit aber auch zu den altersangepassten Anforderungen, die auch aus dem Präsenzunterricht bekannt sind.

Wie schon in der Bitkom-Befragung aus dem Herbst 2020, die für die Digitalisierung der Schulen schlechte Noten ermittelte, sind Eltern immer noch keine Föderalismus-Fans. 69 Prozent wollen mehr Entscheidungskompetenz des Bundes, 78 Prozent empfinden den Föderalismus als Bremsklotz. Damit ist der Wert sogar noch einmal um zwei Prozentpunkte gestiegen. Rohleder übersetzt dies unter anderem in die Forderung, dass auch "der föderale Flickenteppich an Lernplattformen und -angeboten nun zügig in einer Nationalen Bildungsplattform gebündelt" werden sollte.

Für die repräsentative Befragung wurden knapp 1.000 Eltern mit mindestens einem Kind im Alter von sechs bis 18 Jahren im eigenen Haushalt befragt.

Artikelserie "Schule digital"

(kbe)