Bitkom-Umfrage: Mehr Technik gegen Verkehrssünder

Zu schnelles Fahren, unachtsames Abbiegen und gefährliche Amokfahrten – ein Großteil der Befragten befürwortet Eingriffe in den Autoverkehr für mehr Sicherheit.

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(Bild: Wolfilser/Shutterstock.com)

Von
  • Kristina Beer

Laut einer repräsentativen Umfrage des Branchenverbands Bitkom spricht sich ein Großteil der Befragten für den Einsatz von Technik in Autos aus, die alle Verkehrsteilnehmer besser schützt. Insbesondere Verkehrssünder, die Geschwindigkeitsbegrenzungen, Verkehrszeichen und -regeln missachten, sollten durch die Fahrzeuge selbst gebremst werden.

Von den 1003 befragten Personen ab 16 Jahren würden es 96 Prozent begrüßen, wenn das Fahrzeug nach einem starken Aufprall automatisch stehenbleibt, um etwa Fahrerflucht zu verhindern. Fast genauso viele (95 Prozent) wollen, dass ein digitaler Assistent die Geschwindigkeit reduziert, wenn beim Abbiegen ein herannahender Fußgänger oder Radfahrer erscheint.

Mehr als drei Viertel der Befragten (78 Prozent) plädieren dafür, dass eine automatische Verkehrszeichenerkennung im Fahrzeug die zulässige Höchstgeschwindigkeit prüft und verhindert, dass diese überschritten wird. Und eine deutliche Mehrheit unterstützt den Vorschlag, dass Fahrzeuge gar nicht erst losfahren sollten, wenn eine Gefahr droht.

So sagen 78 Prozent der Befragten, Autos sollten vor der Fahrt den Atemalkohol des Fahrers oder der Fahrerin messen und nicht starten, wenn er den zulässigen Grenzwert überschreitet. Und mehr als jeder Zweite (55 Prozent) möchte, dass sich das Auto nur starten lässt, nachdem sich Fahrerin oder Fahrer als fahrberechtigt identifiziert hat, etwa mit einem digitalen Finger-Scan. Auch könnten sich 73 Prozent der Befragten vorstellen, dass es per GPS kontrollierte Einfahrverbote geben könnte, um etwa Fußgängerzonen vor Terroranschlägen und Amokfahrten zu schützen.

Bitkom-Präsident Achim Berg erkennt in den Umfrageergebnissen eine Veränderung in der Wahrnehmung des Straßenverkehrs: "Digitale Technologien vom Bremsassistenten bis zur Spurhalteautomatik machen das Autofahren heute sicherer denn je. Bislang ging es dabei vor allem um den Schutz der Fahrzeuginsassen. Jetzt bekommt die Diskussion um Verkehrssicherheit einen neuen Dreh: Die Menschen in Deutschland wollen künftig auch die Gefährdung, die von Autos für andere Verkehrsteilnehmer ausgeht, massiv reduzieren." Laut Berg ginge es aber nicht darum, Autofahrerinnen und Autofahrern den Spaß am Fahren zu verderben.

Die Umfrage wurde im Januar 2021 telefonisch durchgeführt. Die Fragestellung lautete: "Digitale Technologien könnten in kritischen Situationen in das Verhalten eines Fahrzeugs eingreifen und so Unfälle oder auch Amokfahrten oder Terroranschläge verhindern. Unabhängig davon ob dies heute bereits möglich ist – wie stehen Sie generell zur Umsetzung folgender Szenarien?"

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Die Verkehrsminister:innen der Länder und der Bundesverkehrsminister hatten im Herbst 2020 in einem Eckpunktepapier zur Kenntnis genommen, dass die seit den 1970er-Jahren in Deutschland "langfristig sehr positive Entwicklung der Getötetenzahlen" in den vergangenen Jahren immer mehr durch "Stagnation" auffiel. Um der Verkehrssicherheit einen größeren Stellenwert zu geben, sollte laut dem Papier etwa der Verkehrsraum neu geordnet werden – dort, wo es zielführend sei, um Unfälle zu vermeiden. Auch wurde festgehalten, dass Kinder und Jugendliche im Verkehr besonders geschützt werden sollten.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) nannte das Eckpunktepapier einen wichtigen Schritt, um die "Vision Zero" umzusetzen. Die Ankündigungen müssten allerdings mit konkreten Maßnahmen hinterlegt werden.

(kbe)