IT-Branche fordert Recht auf digitalen Unterricht

Die Bundesländer tun zu wenig, um Lernplattformen für digitalen Unterricht aufzubauen, damit Schüler auch in Pandemie-Zeiten Bildung erhalten, sagt der Bitkom.

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(Bild: fizkes/Shutterstock.com)

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  • Oliver Bünte

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) fordert ein Recht auf digitale Bildung in Deutschland. Wie Bitkom-Präsident Achim Berg am Dienstag mitteilte, seien viele Menschen mit der derzeitigen Bildungspolitik in Pandemie-Zeiten unzufrieden. Deshalb soll es einen "Rechtsanspruch auf digitalen Unterricht für Schüler aller Schulformen" geben.

"Wohl noch nie haben Deutschlands Bildungspolitiker eine ähnlich große Enttäuschung und Entfremdung ausgelöst – bei Schülern, Eltern und Lehrern, aber auch in Wirtschaft und Gesellschaft. Zu wenig ambitioniert und zu altbacken sind ihre Vorschläge, zu erratisch sind ihre Entscheidungen, zu chaotisch ist ihre Kommunikation", sagte Berg im Hinblick auf die Schulschließungen in der Corona-Pandemie.

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Zwar habe jeder dafür Verständnis gehabt, dass zu Beginn der Corona-Krise "auf Sicht" gefahren werden musste, es fehle aber nun nach fast einem Jahr der Corona-Krise immer noch an "einer Vision, Strategie und zukunftsgerichtetes, entschlossenes Handeln". Deshalb setze sich der Bitkom für einen Rechtsanspruch auf digitalen Unterricht ein. Schüler sollen dadurch künftig auch nach dem Ende der Pandemie die Möglichkeit haben, am Schulunterricht teilzunehmen, etwa wenn sie aus Krankheitsgründen oder aufgrund anderer Einschränkungen nicht am Präsenzunterricht in der Schule teilnehmen können.

Berg beklagt, dass Schulen derzeit nicht in der Lage seien, funktionierenden digitalen Unterricht abzuhalten. Statt zu handeln und Lernplattformen aufzubauen, würden die Bundesländer weiterhin alles tun, um wieder zum Präsenzunterricht zurückzukehren. Das hält Berg aufgrund der Vielzahl an Infektionen mit dem Coronavirus für unverantwortlich und die Art des Unterrichts für veraltet.

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Jeder Schüler muss in der jetzigen Situation digital unterrichtet werden können, sagt Berg. Funktionsfähige Lernplattformen bereitzustellen, sei schließlich "kein Hexenwerk". Es liege nun an den Bundesländern entsprechende Server-Kapazitäten und IT-Unterstützung für die Schulen bereitzustellen. Schulen, Schüler und Lehrer sollten dafür unbürokratisch schnellen Zugriff auf die Plattformen erhalten. Beispiele in einigen Schulen hätten bereits gezeigt, dass digitaler Unterricht funktioniert.

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) hatte im Dezember 2020 in einer repräsentativen Umfrage ermittelt, dass sich die digitalen Lehrangebote in den deutschen Schulen seit Beginn der Pandemie nur wenig verbessert oder gar nicht verbessert hätten. Das beklagten 68,2 Prozent der Bundesbürger mit schulpflichtigen Kindern, nur 7,7 hätten eine starke Bewegung bei digitalem Lernen in Schulen gesehen. Der DVDW sieht dies insgesamt aber als schlechtes Zeugnis für die Bildungspolitik in Deutschland an. Der Datenschutz habe viele Schulen und Lehrer verunsichert und das Engagement ausgebremst.

Mit Beginn des harten Lockdowns im Dezember waren einige Lernplattformen der Bundesländer wie der Lernraum Berlin, das bayerische Portal Mebis oder die sächsische Variante LernSax teilweise gestört oder komplett ausgefallen.

Auch jetzt zeigen die Plattformen Performance-Probleme. Am Mittwoch forderte beispielsweise der bayerische Kultusminister Michael Piazolo die Schulen in einem Brief dazu auf, die Lernplattform Mebis weniger zu benutzen, um Spitzenlasten und einen Zusammenbruch des Systems zu vermeiden. Nun sollen sich die Schulen nur noch gestaffelt nach Zeit-Slots einloggen.

Kritiker sehen auch grundsätzlich negative Auswirkungen des digitalen Unterrichts. Finanziell schwächer gestellte Schüler könnten aufgrund fehlender Mittel wie Computer oder Tablet sowie Internetzugang nicht so einfach und gleichberechtigt am digitalen Lernen teilnehmen wie besser gestellte Schüler. Auch sei das Lernen zu Hause in manchen Familien aufgrund eingeschränkter Räumlichkeiten nicht möglich, was etwaige soziale Konflikte innerhalb der Familie noch verstärke.

(olb)