Bitkom kritisiert EU-Vorschlag zu einheitlichen USB-C-Ladebuchsen

Die verpflichtende Einführung von einheitlichen USB-C-Buchsen würde gegen die Technologieoffenheit verstoßen und Innovationen einschränken, moniert der Bitkom.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 196 Beiträge

(Bild: Jevanto Productions/Shutterstock.com)

Von
  • Oliver Bünte

Der Vorschlag der EU-Kommission, einheitliche USB-C-Ladebuchsen für Mobiltelefone, Tablets, Notebooks und weiteren Elektronikprodukte verpflichtend einzuführen, stößt beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) auf Ablehnung. Um Elektroschrott zu verhindern, gebe es bessere "Hebel und Maßnahmen". Einheitliche Ladebuchsen seien nicht geeignet, sondern könnten sogar das Gegenteil bewirken und das Elektroschrottaufkommen zunächst erhöhen.

"Bitkom begrüßt ausdrücklich, dass sich die EU-Kommission darum bemüht, die Menge an Müll und Elektroschrott schnell und stark zu senken", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Doch den von der EU-Kommission am Donnerstag zur Harmonisierung der Richtlinie über Funkanlagen vorgeschlagenen Entwurf, dass Hersteller verpflichtend USB-C-Buchsen für ihre Geräte einführen müssen, hält er für nicht zielführend. Viele Hersteller würden ihre neuen Geräte schon ohne Netzteile ausliefern, sodass die Verbraucherinnen und Verbraucher bereits vorhandene Netzteile und Ladekabel weiter benutzten könnten. Ein neues Netzteil und Ladekabel würde dann gar nicht nötig sein. Nur wenn die nicht vorhanden sind, müssten sie nachgekauft werden – eine Politik, wie sie beispielsweise Apple bei neueren iPhones verfolgt, die ohne Ladeadapter ausgeliefert werden.

Wenn die Verbraucherinnen und Verbraucher durch die Einführung einer neuen Ladebuchse dazu gezwungen werden, ihre alten Ladegeräte und -kabel nicht mehr nutzen könnten, würden diese weggeworfen und damit die Menge des Elektroschrotts noch erhöht. Davon sei auch Zubehör wie etwa Kopfhörer oder Dockingstations betroffen, argumentiert Rohleder. Ohnehin sei die Industrie sowieso schon deutlich weiter als die Politik: Viele Hersteller würden auf den drahtlosen Ladestandard Qi setzen, der herstellerübergreifend genutzt werde, sodass Qi-Lader für mehrere Geräte und längerfristig genutzt werden können.

Auch sieht Rohleder die verpflichtende Einführung der USB-C-Buchse als Ladeanschluss als einen Verstoß gegen die Technologieoffenheit. Dies würde schlimmstenfalls verhindern, dass verbesserte Techniken eingeführt werden und somit Innovationen, die der Umwelt zugutekommen, ausbremsen.

Aus der Sicht des Bitkom sollte sich die Politik nicht nur auf die Ladeadapter fokussieren. Die Umweltbilanz von Geräten hänge vielmehr davon ab, wie lange sie genutzt werden könnten und wie energieeffizient sie seien. "Hier sind die Hersteller in der Pflicht" die Geräte entsprechend zu verbessern, den Energieverbrauch zu senken und ihre Haltbarkeit zu erhöhen. Einen praktischen Tipp für die Verbraucherinnen und Verbraucher hat Rohleder auch parat: Er empfiehlt, die Stromspareinstellungen der Geräte entsprechend einzustellen und die Geräte durch Hüllen und Displayfolien zu schützen, um eine möglichst lange Lebensdauer zu erreichen. Dann landen die Geräte erst später im Elektroschrott.

(olb)