Bitrauschen: AMD-Gewinne, Apple-Klage, Workstation-Spekulationen

Die Börse feiert AMD für gute Zahlen und straft Intel für einen schwachen Ausblick. Apple klagt gegen Ex-Mitarbeiter. Intel bringt Grafikchips.

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  • Christof Windeck

Lisa Su fährt die Ernte ein: Die AMD-Chefin präsentierte stolz die guten Zahlen des ersten Quartals 2022. Obwohl der Verkauf von PCs beziehungsweise vor allem Notebooks zwischen Januar und März deutlich zurückging – Ukrainekrieg, Inflation, Teilemangel, Shanghai-Lockdown –, wuchs der Umsatz von AMD im Jahresvergleich um 78 Prozent und der Gewinn um 42 Prozent. Su erwartet zudem, dass der Umsatz im zweiten Quartal um 10 Prozent weiter zulegt. Dann will AMD auch die Zahlen anders strukturieren: Nach dem Zukauf der FPGA- und Netzwerkchipfirmen Xilinx und Pensando bilden diese zusammen mit den Epyc-Prozessoren das Servergeschäft. Bisher bilanzierte AMD die Epycs gemeinsam mit Embedded-Prozessoren und Spielkonsolenchips. Vermutlich wird AMD bald mehr als die Hälfte des Umsatzes mit profitableren Serverprodukten erzielen als mit PC-Technik.

Chip-Auftragsfertiger TSMC setzt den Apple M1 Ultra aus zwei M1-Max-Dies zusammen. Die Technik heißt "Integrated Fan-out Local Interconnect" (InFO_LI) und verwendet einen kleinen Siliziumchip mit vielen Leitungen, der unter den beiden größeren CPU-Dies liegt.

(Bild: TSMC)

Die freudigen AMD-Nachrichten kamen an der Börse gut an. Der Börsenwert von AMD liegt mit 152 Milliarden US-Dollar nur um 17 Prozent niedriger als der von Intel, im Februar war er sogar höher. Auch wenn man AMD den Erfolg von Herzen gönnt, wirkt diese Bewertung doch etwas zu euphorisch – Intel erzielte mit 18,4 Milliarden US-Dollar immerhin mehr als den dreifachen Umsatz wie AMD (5,9 Milliarden).

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Doch Intel-Chef Pat Gelsinger musste im Jahresvergleich 7 Prozent weniger Umsatz melden und setzte noch einen schwachen Ausblick obenauf. Zudem dürften sich manche Anleger fragen, ob Intels hochfliegende Investitionspläne in neue Chipfabriken wirklich Früchte tragen werden.

In völlig anderen Umsatzsphären schwebt wie üblich Apple, wo fast 98 Milliarden US-Dollar in der Kasse klingelten. Besonders das Mac-Geschäft lief stark, im Kontrast zum PC-Markt legte es um mehr als 14 Prozent zu. Die Leistung der effizienten M1-Prozessoren haben wir uns in dieser c’t genauer angeschaut, vor allem die der stärksten Versionen M1 Max und M1 Ultra .

Manche M1-Entwickler gingen Apple aber von der Fahne. Bereits 2019 hatten ehemals hochrangige Chipentwickler von Apple das Start-up Nuvia gegründet, das ARM-Kerne entwickelt und später von Qualcomm gekauft wurde. Im vergangenen Jahr haben andere Apple-Leute dann Rivos gegründet, wie im Bit-Rauschen aus c’t 20/2021 berichtet. Ziel von Rivos ist die Entwicklung starker RISC-V-Prozessoren für Server. Doch nun hat Apple Rivos verklagt, angeblich wurden geheime Daten kopiert und gezielt versucht, Spezialisten abzuwerben.

Apple selbst ist allerdings auch nicht zimperlich. 2008 wollte IBM den Wechsel von Mark Papermaster zu Apple gerichtlich unterbinden lassen, was misslang. Über den Sieg konnte sich Apple weniger als zwei Jahre lang freuen, 2010 wechselte Papermaster zu Cisco und 2011 zu AMD, wo es ihm offenbar viel besser gefällt – jedenfalls arbeitet er seither dort als CTO.

Nicht jedes Detail der M1-Technik entwickelt Apple selbst. Einerseits lagert man Entwicklungsarbeit an spezialisierte Dienstleister aus, andererseits kauft man fertige Bausteine zu. Douglas Yu, ein Experte des Auftragsfertigers TSMC, hat nun klargestellt, dass der Hardware-Teil der "Ultra Fusion"-Verbindung, die zwei M1-Max-Chips zu einem M1 Ultra verschmilzt, der TSMC-Technik InFO_LI entspricht (Integrated Fan-Out Local Interconnect). Dabei dient ähnlich wie bei Intels EMIB ein relativ kleines Stück Siliziumwafer mit vielen Leitungen als Brücke zwischen zwei Chips. Doch zu Ultra Fusion gehören außer der eigentlichen Leitungsverbindung auch noch superschnelle Transceiver-Schaltungen sowie ein Protokoll für den Datentransfer.

Sowohl AMD als auch Intel bringen besonders starke "HX"-Mobilprozessoren mit vielen Kernen für Gaming-Notebooks auf den Markt. Intels Grafikkarten ARC A380, A580 und A750 verzögern sich wieder einmal, angeblich starten sie nun im Sommer. Dann soll auch wieder ein starker Workstation-Xeon kommen, vielleicht auch eine höher getaktete Core-X-Version für High-End-Desktop-(HEDT-)PCs. Man munkelt von "Fishhawk Falls" mit 24 starken "Golden Cove"-Kernen, wie sie auch in Alder-Lake-Prozessoren stecken. Dieser Xeon W oder Core X ist wohl ein enger Verwandter der vierten Xeon-SP-Generation Sapphire Rapids und wäre mit mindestens vier DDR5-Speicherkanälen und PCIe 5.0 endlich wieder ein spannender Gegner für AMDs Threadripper-Kracher.

Zum Bit-Rauschen gibt es regelmäßig auch einen Podcast.

c't Ausgabe 15/2022

(Bild: 

c't 15/22

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(ciw)