BleedingTooth: Forscher warnt vor Lücken im Linux-Bluetooth-Stack BlueZ

BlueZ erhält wichtige Lücken-Fixes von Intel, die in den Linux-Kernel-Code einfließen. Unter Umständen ist Remote Code Execution ohne Nutzerinteraktion möglich.

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(Bild: Shutterstock.com / dotstock)

Von
  • Olivia von Westernhagen

Wie viele andere Unternehmen veröffentlicht auch Intel einmal monatlich Sicherheitsupdates zum "Patchday". Für Oktober 2020 beschränkten sich diese Veröffentlichungen auf ein Advisory zu BlueZ, dem offiziellen Protokollstapel zur Implementierung von Bluetooth-Funktionen unter Linux. Intel hat zwei der darin beschriebenen Sicherheitslücken (CVE-2020-24490, CVE-2020-12352) als "Moderate" eingestuft. Einer dritten wies das Unternehmen die Einstufung "High" (CVE-2020-12351, CVSS-Score 8.3) zu.

Intels Beschreibung im BlueZ Advisory zufolge fußen alle drei Lücken auf Mängeln in der Input-Validierung in BlueZ. Unauthentifizierte Angreifer könnten diese Mängel via Bluetooth-Verbindung ausnutzen, um ihre Zugriffsrechte auszuweiten.

Sicherheitsforscher von Google, die die Lücken entdeckt haben, demonstrierten nun in einem Video, wie ein Angriff via "BleedingTooth", ihrem Sammelbegriff für die Lücken, funktioniert und welche praktischen Folgen die von Intel beschriebene Rechteausweitung haben kann. Bei GitHub veröffentlichten sie außerdem Proof-of-Concept-Code. Ein detaillierter Blogpost soll demnächst folgen.

Laut Lückenbeschreibung bei GitHub betrifft "BleedingTooth" alle Linux-Kernel-Versionen ab einschließlich 4.8 (bis exklusive 5.10). Voraussetzung für einen Angriff sei, dass der Angreifer die Bluetooth-MAC-Adresse (Bluetooth Device Address, BD_ADDR) seines Opfers kenne. Solche Adressen lassen sich mit speziellen Bluetooth-Sniffern ermitteln.

Der Angreifer könne dann "aus kurzer Distanz", also wohl aus Bluetooth-Reichweite, ein speziell präpariertes L2CAP-Datenpaket verschicken. Auf diesem Wege lasse sich ein Denial-of-Service-Zustand provozieren und unter Umständen auch beliebiger Code mit Rechten des Kernels ausführen, ohne dass eine Interaktion nötig sei ("Zero-Click"). Letzteres demonstrierten die Forscher im Video.

Mittels "BleedingTooth" öffnet der Forscher eine Taschenrechner-Instanz auf einem "fremden", entfernten Ubuntu-Desktop.

Das BlueZ-Projekt hat Aktualisierungen entwickelt, die es allerdings nicht mehr in die kürzlich erschiene Kernel-Version 5.9 geschafft haben. Laut Intel sollen sie in Version 5.10 einfließen, die möglicherweise noch im Dezember dieses Jahres kommt. Es stehen aber auch Kernel-Fixes bereit, die vorhandene Versionen nachträglich absichern.

Da das Ausnutzen von BleedingTooth aktiviertes Bluetooth sowie ausreichende Nähe eines Angreifers erfordert, empfiehlt sich als temporärer Workaround, auf Bluetooth (zumindest im öffentlichen Raum) zu verzichten. Die Wahrscheinlichkeit, dass BleedingTooth "massenhaft" ausgenutzt wird, scheint aufwandsbedingt trotz vorliegendem PoC-Code eher gering; gezielte Angriffe auf Einzelpersonen wären ein plausibleres Szenario.

Linux-Nutzer sollten Ausschau nach Advisories ihrer jeweiligen Distribution halten – vorrangig wohl zu CVE-2020-12351 als "gefährlichster" BleedingTooth-Lücke.

Update 15.10.20, 12:11: Korrektur einer CVE-Nummer, danke für den Hinweis. (ovw)