Blockchain für Schiffslogistik von IBM und Maersk sperrt zu

Stell Dir vor da ist eine Blockchain, aber keiner braucht sie. Die Blockchain-Plattform Tradelens sollte Reederei effizienter machen. Jetzt ist Schluss.

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Mehrere Container auf Waggons, dahinter ein bewaldeter Berg

Ein Maersk-Container auf einem kanadischen Güterzug auf dem Werg zum Hafen Prince Rupert in Britisch-Kolumbien

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

IBM und die Reederei Maersk stellen ihren Blockchain-Dienst Tradelens ein. Er sollte als neutrale Plattform Logistik und insbesondere Reederei effizienter machen. "Unglücklicherweise wurde der Bedarf nach weltweiter Zusammenarbeit in der Branche nicht erreicht", gesteht Rotem Hershko ein. Die Plattform samt Blockchain für die Schiffslogistik sei zwar arbeitsfähig, aber kommerziell nicht überlebensfähig. Hershko leitet bei A.P. Møller – Mærsk den Bereich Business Platforms.

2017 hatten die Reederei und IBM das neue Blockchain-Werkzeug angekündigt. 2018 gründeten sie ein gemeinsames Joint Venture dafür: Tradelens. Die Entwicklung übernahmen IBM und die Maersk-Tochter GTD Solution.

Jeder an einer Lieferkette Beteiligte sollte mit deren Blockchains den Fortschritt einer Lieferung sehen können, darunter auch, wo sich ein Container befindet und wie der Status der Dokumente dazu ist. Die Hoffnung dabei: Logistiker müssen weniger Schreibarbeit leisten, und Zollbehörden und Kunden wissen jederzeit, wo die Ware ist. Laut Maersk kann es bei einem einzigen Container auf dem Weg von Ostafrika nach Europa vorkommen, dass nicht weniger als 30 Menschen an den nötigen Büroarbeiten beteiligt sind.

Warum man dazu keine herkömmliche Datenbank verwenden kann und gerade Blockchains braucht, wurde nicht ganz deutlich. Laut Angaben auf Linkedin hat Tradelens über 1.000 Teilnehmer, darunter fünf der größten Reedereien, zu denen auch Maersk zählt, über 230 Häfen, über 45 intermodale Frachtunternehmen aus den USA und Zollbehörden aus 16 Staaten. Doch das reicht offenbar nicht, um Tradelens rentabel zu machen.

Per sofort nimmt Tradelens sein Angebot vom Markt. Die Plattform soll Ende März 2023 offline gehen. Wie Teilnehmer danach noch auf die mit der Blockchain revisionssicher gespeicherten Daten zugreifen können, ist offen. Die einschlägige Webseite bietet noch keine Informationen zur Betriebseinstellung. Die Reederei Maersk sucht nun nach anderen Wegen, Logistik zu digitalisieren und bei Lieferketten zu innovieren.

(ds)