Blue Origin bringt erste Mexikanerin ins Weltall

Die in Mexiko geborene Katya Echazarreta flog im Rahmen einer privaten Blue Origin-Mission ins All. Frauen sind in dem Bereich noch immer unterrepräsentiert.

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Start einer New Shepard von oben gesehen

(Bild: Blue Origin)

Von
  • Andreas Knobloch

Die mexikanische Regierung beglückwünschte Katya Echazarreta dazu, als erste gebürtige Mexikanerin ins All geflogen zu sein. "Wir bewundern Dich und wünschen Dir viel Erfolg. Du bist der Stolz Mexikos", schrieb Außenminister Marcelo Ebrard in den sozialen Medien. Regierungssprecher Jesús Ramírez Cuevas schloss sich an: "Die mexikanische Regierung gratuliert unserer Landsfrau (Katya Echazarreta) herzlich dazu, dass sie die erste in Mexiko geborene Astronautin ist, die ins All fliegt."

Echazarreta, die vor 26 Jahren in Guadalajara, Mexiko geboren wurde und im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten zog, war am Samstag im Rahmen einer privaten Mission des vom Milliardär Jeff Bezos gegründeten Unternehmens Blue Origin in den Weltraum geflogen. Die junge Frau, die sowohl die mexikanische als auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, war gleichzeitig die jüngste US-Amerikanerin, die je ins All geflogen ist.

Echazarreta hat an der University of California in Los Angeles (UCLA) Elektrotechnik studiert und macht derzeit einen Master in demselben Bereich an der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland. Außerdem hat sie an fünf NASA-Missionen mitgewirkt, bei denen sie Stipendiatin war. Sie arbeitete an Projekten wie dem Perseverance Rover und dem Europa Clipper. Bevor sie ihr Studium aufnahm, musste Echazarreta Gelegenheitsjobs annehmen, um ihre Familie zu unterstützen. Sie hatte bis zu vier Jobs, um die Schule zu besuchen, sagt sie: "Ich habe bei McDonald's angefangen und jetzt bin ich hier."

Obwohl sie Mexiko bereits als Kind verließ, widmete die Astronautin die Weltraumreise ihrem Geburtsland. "Ich möchte diesen Flug ins All meinem Land und der gesamten Latino-Gemeinschaft widmen. Ich wünsche mir, dass ihr diese Mission seht, an euch glaubt und wisst, dass ihr die Nächsten sein könnt", sagte sie in einem von Blue Origin am Samstag veröffentlichten Video.

"Ich wusste immer, dass ich in den Weltraum fliegen könnte, ich konnte mich dort sehen, ich brauchte nur die Gelegenheit. Als ich aufwuchs, beschloss ich, alles zu tun, um dieses Ziel zu erreichen", so die junge Mexikanerin in einer von Space for Humanity (S4H) veröffentlichten Botschaft. Die in Denver, Colorado, ansässige NGO hatte mit ihrem Citizen Astronaut Programm, bei dem sich Bürger und Bürgerinnen um die Möglichkeit bewerben können, in den Weltraum zu fliegen, Echazarretas Flug erst möglich gemacht. Die Studentin war aus mehr als 7.000 Bewerbern aus 100 Ländern ausgewählt worden.

Die Mission an Bord der New Shepard (NS-21) von Blue Origin bestand aus einer Kapsel, die sich von der Erde aus auf eine Reise mit einer Gesamtdauer von 10 Minuten und fünf Sekunden begab. An der Mission nahm auch Victor Correa Hespanha teil, ein 28-jähriger Ingenieur, der erst der zweite Brasilianer im Weltall ist.

Vor Echazarreta war Rodolfo Neri Vela aus dem südmexikanischen Bundesstaat Guerrero als erster Mexikaner ins All geflogen. Er nahm Ende 1985 an der 23. Space-Shuttle-Mission (STS-61-B) an Bord der Raumfähre Atlantis teil. Im Jahr 1991 war Ellen Ochoa, die in Kalifornien geboren wurde, aber mexikanische Großeltern hat, die erste Astronautin hispanischer Herkunft. Von den mehr als 600 Menschen, die bisher im Weltraum waren, waren allerdings nur 80 Frauen.

Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos hat erstmals im Juli vergangenen Jahres erfolgreich einen bemannten Weltraumflug durchgeführt. Vorausgegangen waren fast zwei Dutzend Testflüge. Nach der geglückten Premiere, bei der Bezos selbst an Bord war, sind auch William Shatner, der den Captain James T. Kirk des Raumschiffs Enterprise verkörperte, und US-Comedian Pete Davidson ins All geflogen.

Die von Blue Origin durchgeführten Flüge erreichen eine Höhe von 100 km – knapp über die international akzeptierte Grenze zum Weltraum. Aus großen Fenstern der selbst entwickelten Raumkapseln können die Passagiere und Passagierinnen die Kugelgestalt der Erde betrachten. Sie müssen auf dem Flug nicht von einer professionellen Crew begleitet werden, alles funktioniert automatisch beziehungsweise wird ferngesteuert.

Blue Origin will die Flüge ins All ab diesem Jahr immer regelmäßiger und öfter durchführen. Hatte das Unternehmen 2021 insgesamt 14 Menschen ins All gebracht, sollen es in diesem Jahr schon doppelt so viele werden. Wieviel die zahlenden Kunden und Kundinnen für ihren Flug auf den Tisch legen müssen, gibt Blue Origin nicht bekannt.

Unterstützt von der NASA arbeitet das Unternehmen zudem an einer privaten Raumstation. Auch Amazon beteiligt sich an dem Projekt. Blue Origin hatte die Pläne für die Entwicklung der Raumstation erst im Herbst vorgestellt; die Firma von Jeff Bezos träumt von einem "Business Park im Weltraum".

(akn)