BlueWalker 3: Astronomen besorgt wegen besonders hellem Riesensatelliten

Der Kommunikationssatellit BlueWalker 3 gehört jetzt zu den hellsten Objekten am Nachthimmel. Die IAU ist besorgt und fürchtet Folgen für die Radioastronomie.

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Die Spur von BlueWalker 3 über dem Kitt Peak National Observatory in Arizona

(Bild: KPNO/NOIRLab/IAU/SKAO/NSF/AURA/R. Sparks)

Die Internationale Astronomische Union (IAU) ist angesichts der Helligkeit des vor wenigen Wochen gestarteten Kommunikationssatelliten BlueWalker 3 besorgt und fordert ein Innehalten. Jüngsten Messungen zufolge sei der Satellit inzwischen eines der hellsten Objekte am Firmament, nur wenige Sterne würden ihn überstrahlen. Außerdem sei die Benutzung terrestrischer Radiofrequenzen durch den Satelliten eine besondere Herausforderung für die Radioastronomie, heißt es in einem Statement vom Montag. Man habe die US-Kommunikationsaufsicht FCC gebeten, dringend die potenziellen Folgen solcher und ähnlicher Objekte für die Astronomie, die Sternenbeobachtung und die Umwelt zu bedenken. Mit dem Hersteller von BlueWalker 3 gebe es derweil Gespräche.

BlueWalker 3 ist ein Testsatellit von AST SpaceMobile, mit dem der Aufbau des "ersten und einzigen weltraumbasierten Breitbandnetzes für herkömmliche Smartphones" vorbereitet werden soll. Künftig sollen mindestens 100 solcher Riesensatelliten um die Erde kreisen und unterversorgte Gebiete mit Breitbandinternet versorgen. Die Satelliten seien darauf ausgelegt, sich direkt mit herkömmlichen Smartphones zu verbinden, um eine Breitbandverbindung zum Internet herzustellen. Dafür hat seine jetzt aufgefaltete Antenne eine Fläche von 64 m². Es ist die größte eines kommerziellen Kommunikationssatelliten im niedrigen Erdorbit überhaupt.

Wie die IAU jetzt bestätigt, kommt BlueWalker 3 zu bestimmten Uhrzeiten auf eine scheinbare Helligkeit von bis zu +1, damit sind nur noch etwa 15 Sterne und fünf Planeten (sowie der Mond) heller am Firmament. Hinzu komme aber, dass der Satellit als eine Art "Mobilfunkturm im All" starke Radiowellen auf Frequenzen sende, die bislang terrestrischer Kommunikation vorbehalten waren. Das könnte schwerwiegende Folgen für die Radioastronomie haben, die schon jetzt an besonders abgelegenen Standorten durchgeführt wird, wo strenge Regeln für Strahlungsquellen gelten. Deshalb habe man Sorgen ob der Zukunft dieser Forschung. Um die Folgen besser zu verstehen, bittet die IAU um Beobachtungsdaten zu dem Satelliten.

Fotos von BlueWalker 3 am Nachthimmel (6 Bilder)

(Bild: KPNO/NOIRLab/IAU/SKAO/NSF/AURA/R. Sparks)
Update

Gegenüber heise online hat AST SpaceMobile inzwischen erklärt, dass man daran arbeite, mit dem Zugang zum Internet eines der großen Probleme überhaupt zu lösen. Zu den Sorgen der IAU heißt es, dass unter anderem an weniger reflektierenden Materialien geforscht werde. Außerdem fühle man sich verpflichtet, Strahlung in der National Radio Quiet Zone (NRQZ) der USA und ähnlicher Gebiete zu minimieren. Schließlich verweist das Unternehmen noch darauf, dass andere Systeme für Satelliteninternet auf teilweise mehrere Zehntausend Satelliten setzen, während man selbst nur 168 oder weniger ins All bringen wolle.

(mho)