LE Audio: Bluetooth bekommt bessere Audioqualität

Der Funkstandard Bluetooth soll endlich die neue Audio-Architektur "LE Audio" bekommen, die unter anderem das Teilen von Musik und Sprache vereinfacht.

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Technik-Messe CES - Bluetooth

Mit Bluetooth kann man Sprache, Daten und Musik kabellos übertragen oder Autos aus mehreren Metern Entfernung aufschließen. Auf der CES in Las Vegas waren nun interessante Verbesserungen zu sehen.

(Bild: dpa, Christoph Dernbach/dpa)

Von
  • Nico Jurran

Als die Bluetooth Special Interest Group (SIG) auf der CES 2020 verkündete, seinem in die Jahre gekommenen Funkstandard eine neue Audio-Architektur namens "LE Audio" an die Seite zu stellen, schien es nur eine Frage weniger Monate bis zur Fertigstellung der nötigen Spezifikationen. Damals ahnte eben niemand etwas von Corona und den damit einhergehenden Reisebeschränkungen und Produktionsunterbrechungen aufgrund gestörter Lieferketten und Chipmangel.

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Nun befinden sich aber endlich auch die noch fehlenden der rund 20 LE-Audio-Spezifikationen in der finalen Phase der Entwicklung, die überwiegend administrativer Natur ist. Die SIG ist daher sehr zuversichtlich, dass sie im Juni oder Juli fertig sein werden. Kurz vor dem Ziel entschied sich die Organisation aber noch zu einem Namenswechsel: Der neue Broadcast-Modus wird statt "Bluetooth Audio Sharing" nun "Auracast" heißen.

Die neue Bezeichnung soll laut SIG die Vielseitigkeit der neuen Broadcast-Technik widerspiegeln. Immerhin ermögliche diese etwa ebenso, im privaten Umfeld die eigene Musik mit mehreren Freunden über deren Kopfhörer zu teilen, als auch, sich im Museum, Theater, Kino oder Fitnesscenter mit einem Knopfdruck am eigenen Kopfhörer in einen bereitgestellten Audio-Stream einzuklinken. Das Auracast-Symbol soll nach Willen der Bluetooth-Hüter (neben dem bekannten Bluetooth-Symbol) nicht nur auf Produktverpackungen auftauchen, sondern auch in Veranstaltungsstätten, die die Broadcasting-Technik einsetzen. Zudem plant die SIG für die Nutzer ein Verzeichnis solcher Einrichtungen.

Alt (links) und neu: Die Broadcast-Funktion von Bluetooth LE Audio wurde vor dem offiziellen Start noch schnell von "Bluetooth Audio Sharing" in "Auracast" umbenannt.

(Bild: Bluetooth SIG)

Die SIG bestätigte auch Angaben, wonach sich über einen Broadcast bis zu 31 separate Audiostreams senden lassen. Die tatsächliche Zahl hängt unter anderem von den Codec-Einstellungen ab. LE Audio bringt ein neues Kompressionsverfahren namens LC3 (Low Complexity Communications Codec), das Samplingraten von 8, 16, 24, 32, 44,1, 48 kHz, Datenraten von 16 bis 320 kBit/s und Rahmengrößen von 7,5 und 10 Millisekunden unterstützt. Für den Nutzer springt gegenüber dem aktuellen Codec SBC entweder eine bessere Audioqualität heraus oder – passend zum "Low Energy"-Ansatz (LE) – eine geringere Datenrate bei gleichbleibender oder leicht besserer Qualität, was Energie spart. LE Audio kann die getrennt voneinander übertragenen Audiokanäle in Gruppen zusammenfassen, sodass bei "True Wireless"-Ohrhörern das Handy die Daten für den rechten und den linken Kanal künftig getrennt an den jeweiligen In-Ear sendet.

Auch hinsichtlich der Latenz schneidet LE Audio laut SIG sehr gut ab. Sie soll sich auf Protokollebene gegenüber SBC von 100 auf 10 Millisekunden verringert haben. Passend dazu führte Dialog Semicoductor bei der Präsentation von LE Audio vor, wie sich 5.1-Kanal-Ton LC3-kodiert via Bluetooth LE Audio von einem TV zu einer Surround-Anlage transferieren lässt, ohne bei der Wiedergabe von Videos die Lippensynchronität zu verlieren.

Aussagen zur Verfügbarkeit erster Geräte mit Bluetooth LE Audio gibt es noch nicht, allerdings dürften die ersten passenden Chips bereits fertig sein. Die Chancen stehen also gut, dass zum Jahresende Produkte zumindest angekündigt werden. Die neue Architektur hat auf jeden Fall das Potenzial, das Thema Bluetooth Audio neu zu beleben.

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(Bild: 

c't 14/22

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