Bluttat in Buffalo: Kritik an sozialen Netzen – Hass "verbreitet sich wie Virus"

Im US-Bundesstaat hat ein junger Mann zehn Menschen – mehrheitlich Schwarze – erschossen. Die sozialen Netzwerke waren im Nachgang wieder nicht schnell genug.

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(Bild: zef art/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Nachdem bei einem mutmaßlich rassistischen Angriff im US-Bundesstaat New York 10 Menschen erschossen und drei verletzt wurden, stehen einmal mehr auch die großen Internetkonzerne und sozialen Netzwerke in der Kritik. Nachdem ein Pamphlet des mutmaßlichen Attentäters im Netz aufgetaucht war, in dem der sich unter anderem als Faschist, Rassist und Antisemit bezeichnete, warnte New Yorks Gouverneurin gegenüber CNN davor, dass sich dort zitierte Ideologien im Netz wie ein Virus verbreiten würden. Von den Chefs der großen sozialen Netzwerke verlangte sie eine glaubhafte Zusicherung, dass alles dafür getan werde, dass sich die Inhalte nicht verbreiten. Parallel dazu gelang es den Plattformen offenbar nicht, eine Videoaufzeichnung der Bluttat von ihren Portalen auszusperren.

Um 14:30 Uhr Ortszeit am Samstag waren auf dem Parkplatz eines Supermarkts in der Stadt Buffalo ganz im Westen von New York Schüsse gefallen. In der Gegend leben vergleichsweise viele Afroamerikaner und Afroamerikanerinnen und die Mehrzahl der insgesamt 13 Opfer waren Schwarze. Die US-Bundespolizei FBI untersucht den Anschlag als Hassverbrechen und als Fall von rassistisch motiviertem, gewaltbereitem Extremismus. Der mutmaßliche Täter konnte noch vor Ort festgenommen werden und war noch am Samstagabend wegen mehrfachen Mordes angeklagt worden. Vor Gericht plädierte er auf nicht schuldig.

Wie ähnliche Verbrechen in der Vergangenheit war auch diese Bluttat live ins Internet gestreamt worden – Berichten zufolge in der Aufmachung eines Ego-Shooters. Eine Übertragung auf Twitch wurde laut New York Times zwei Minuten nach Beginn von der Plattform unterbunden. Die war also schnell, aber die Reaktion erfolgte trotzdem zu spät, um eine Weiterverbreitung an anderer Stelle zu verhindern. Allein auf Facebook und Twitter sei die Aufnahme Hunderte Male geteilt worden, eine Kopie auf der Plattform Streamable wurde demnach drei Millionen mal angesehen. Anders als auf YouTube gibt es etwa auf Twitch so gut wie keine Hindernisse vor einem Livestream. In dem Pamphlet heißt es, dass die Liveübertragung der Gewalttat motivierend sei, "weil ich weiß, dass einige Leute mich anfeuern werden".

Die Bluttat setzt eine Reihe von Verbrechen fort, bei denen explizit Bezug auf bestimmte Bereiche des Internets genommen wurde. So hatte es 2019 mehrere Massaker gegeben, die in dem anonymen Forum 8chan angekündigt wurden. Das hatte der mutmaßliche Attentäter laut seines Pamphlets auch vor. Einer Analyse des Khalifa Ihler Institutes zufolge besteht der Großteil der "ideologischen Teile" des 180 Seiten langen Dokuments aus Kopien von ähnlichen Dokumenten, allen voran von dem zu dem Terroranschlag im neuseeländischen Christchurch. Radikalisiert wurde der Attentäter laut eigener Aussage ab dem Frühjahr 2020, als er aus Langeweile während eines Corona-Lockdowns die berüchtigten Imageboards durchforstete. Vor solchen Geschichten habe es viele Warnungen gegeben und es bestehe die Gefahr, dass wir von so etwas in Bezug auf Online-Radikalisierung "nicht zum letzten Mal gehört haben", warnt das Institut.

(mho)