Boeing plant unbemannte Flugtaxis für Städte, bezahlbar für alle

Boeings Vision urbaner Mobilität setzt auf elektrische, autonome Flugtaxis, die vertikal starten. Ausdrücklich leistbar für Normalbürger, soll es 2030 losgehen.

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Wisk-Flugzeug

Wisk Aero entwickelt senkrecht startende Flugtaxis. Die Firma wurde 2019 als Joint Venture zwischen Boeing und Kitty Hawk, einem Unternehmen Larry Pages, gegründet.

(Bild: Wisk Aero)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Der US-Flugzeughersteller Boeing und seine Partner träumen von ganz vielen elektrischen Flugtaxis, die selbstfliegend und ohne Piloten an Bord Normalbürger tagtäglich in Städten von A nach B befördern. Umweltfreundlich, leistbar und rund um die Uhr, versteht sich. Schon zum Ende der Dekade, 2030, soll das Wirklichkeit werden – sofern die mannigfaltigen Hürden gemeistert werden, die Boeing & Co in ihrem neuen Betriebskonzept aufzeigen.

Enthalten sind technische, rechtliche und gesellschaftliche Empfehlungen. Gleich zu Beginn betonen die Autoren, dass es ihnen daran gelegen ist, Mobilität quer durch die Gesellschaftsschichten zu ermöglichen. Das Flugtaxi der Zukunft soll nicht bloß Spaß für Reiche, sondern ein Alltagsvehikel sein. Die aktuelle Situation der Luftfahrt, in der mehr als vier Milliarden Flugpassagiere jährlich gezählt werden, aber die Mehrheit der Weltbevölkerung noch nie geflogen ist, soll sich ändern.

Das Betriebskonzept für Urban Air Mobility (UAM) hat neben Boeing selbst viele Väter, darunter US-Behörden, US-Branchenverbände, Fluggesellschaften, Standardisierungsgremien, Luftfahrzeugtester wie die NASA, US-Politiker und verschiedene Unternehmen. Das Konzept ist in erster Linie für die USA gedacht, soll aber Grundlage für weltweite Vorkehrungen werden.

Vielfältig sind die zu schaffenden Voraussetzungen, die von IT-Sicherheit über zu entwickelnde Technik, zu ändernde Rechtsnormen und zu schaffende Infrastruktur bis hin zu neuen Geschäftsmodellen, die auf hohe Passagierfrequenz setzen, reichen. Die unbemannten Flugtaxis sollen vertikal abheben, vorgegebenen Routen folgen und vertikal landen können, fernüberwacht von einer Aufsichtszentrale. Allerdings soll jedes Luftfahrzeug etwaige unerwartete Hindernisse und Gefahren erkennen und ihnen autonom ausweichen sowie bei Bedarf außerplanmäßig sicher landen können.

Zur noch fehlenden Infrastruktur gehören nicht nur zahlreiche gemanagte Flugtaxistartplätze, die die Fluggeräte warten, aufladen und reinigen, sondern auch der Ausbau der Stromnetze, damit die Akkus der Flugtaxis flott geladen werden können. Die Luftfahrtbehörden müssen Vorschriften anpassen und Ausnahmegenehmigungen erteilen.

Parallel wird Boeing die Öffentlichkeit davon überzeugen müssen, dass das zukünftige Angebot leistbar und sicher ist. Zudem müssen Kommunen zur Unterstützung des neuen Verkehrs bewogen werden. Nebenbei würden neue Berufe entstehen, für die einschlägige Ausbildungsprogramme auszuarbeiten wären.

Der Weg ist weit. Boeing hat eine Kurzfassung sowie eine 64 Seiten starke Langfassung seines Betriebskonzepts veröffentlicht und bittet ausdrücklich um Feedback.

(ds)