Brasilien verhandelt mit SpaceX, um Starlink-Internet in den Amazonas zu bringen

SpaceX soll nach dem Willen von Brasiliens Regierung Satelliteninternet im Amazonas-Regenwald bereitstellen und bei der Aufdeckung illegaler Abholzung helfen.

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Der Amazonas-Urwald hat nicht nur durch Abholzung und Palmöl-Plantagen erhebiche ökologische Probleme

(Bild: BATMANV / shutterstock.com)

Von
  • Andreas Knobloch

Die brasilianischen Behörden und SpaceX-Chef Elon Musk verhandeln über ein Abkommen, wonach das US-Raumfahrt- und Telekommunikationsunternehmen Satelliteninternet im Amazonas-Regenwald bereitstellen und bei der Aufdeckung illegaler Abholzung helfen soll. Das teilte die brasilianische Regierung in dieser Woche mit.

Brasiliens Kommunikationsminister Fábio Faria besprach am Montag in Austin, Texas, mit dem Musk eine mögliche Partnerschaft. In deren Rahmen soll SpaceX seinen Satelliten-Internetdienst Starlink für Schulen und Gesundheitszentren in ländlichen Gebieten sowie für indigene Reservate und andere abgelegene Gegenden bereitstellen. Die Satelliten könnten zudem bei der Erkennung von Verwüstungen im größten Regenwald der Erde helfen, erklärte das Kommunikationsministerium.

"Wir arbeiten daran, diese wichtige Partnerschaft zwischen der brasilianischen Regierung und dem Unternehmen SpaceX zu schließen. Wir wollen die von ihnen [SpaceX, Anm.] entwickelte Technologie mit dem Programm Wi-Fi Brazil des Kommunikationsministeriums kombinieren. Unser Ziel ist es, Internet in ländliche und abgelegene Gebiete zu bringen sowie illegale Brände und die Abholzung des Amazonaswaldes einzudämmen", sagte Faria nach dem Treffen. Er freue sich sehr auf die Partnerschaft mit Starlink und SpaceX, so der Minister.

Für Elon Musk ist die Bereitstellung von Internet für "die Menschen in Brasilien, die die größten Schwierigkeiten haben, sich zu verbinden" eine Gelegenheit, die gefeiert werden sollte. "Wir freuen uns darauf, auch den weniger gut vernetzten Menschen Anschlussmöglichkeiten bieten zu können" und dabei zu helfen, "den Erhalt des Amazonas zu sichern", betonte der Tesla-Gründer und SpaceX-Chef. Ein Sprecher der brasilianischen Regierung erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass es sich bei dem Treffen um eine "erste Annäherung" gehandelt habe und dass es noch keinen Termin für die Unterzeichnung eines Abkommens gebe.

Das Treffen zwischen Faria und Musk findet zu einem Zeitpunkt statt, da die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro versucht, der internationalen Kritik entgegenzuwirken, sie leiste mit ihren Aktivitäten zur Förderung des Bergbaus in geschützten Gebieten einem starken Anstieg der Abholzung im für die Eindämmung des Klimawandels so wichtigen Amazonasgebiet Vorschub. Seit dem Amtsantritt des rechtsextremen Präsidenten im Jahr 2019 hat die Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet stark zugenommen, wie Satellitenbilder zeigen.

In Brasilien haben rund 40 Millionen Menschen (19 Prozent der Bevölkerung) keinen Zugang zum Internet. Das SpaceX-Projekt Starlink zum Aufbau eines zusammenhängenden Internet-Netzwerks mit Tausenden von Satelliten, das Verbrauchern überall auf der Welt Hochgeschwindigkeits-Internet liefern soll, könnte auch entlegene Gebiete wie den Amazonas einschließen.

Starlink hat bereits über 90.000 Kunden in 12 Staaten. Allein im Monat Juli hat SpaceX nach eigenen Angaben rund 20.000 zusätzliche Antennen angeschlossen. Elon Musk will sogar 500.000 Starlink-Kunden bis Mitte 2022 erreichen. Anfang August kaufte SpaceX das Nanosatelliten-Unternehmen Swarm.

(akn)