Braunkohlekraftwerk Deuben nach 85 Jahren abgeschaltet

Das bis dahin älteste aktive Braunkohlekraftwerk Deutschlands ist vom Netz gegangen. Wirtschaftliche Gründe und der Kohleausstieg waren ausschlaggebend.

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(Bild: MIBRAG, Jakob Richter)

Von
  • Andreas Wilkens

Das Braunkohlekraftwerk Deuben im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt ist am heutigen Dienstag vom Netz gegangen. Es wird nach 85 Jahren stillgelegt und war damit das älteste aktive Braunkohlekraftwerk in Deutschland. Am 6. Dezember fuhr der letzte Kohlezug aus dem Tagebau Profen ein. Mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tagschicht verfolgten die letzte Fahrt.

1936 nahm der Standort als Kraft-Wärme-Verbund mit Kraftwerk, Brikettfabrik und Schwelerei schrittweise seinen Betrieb auf. Das Kraftwerk Deuben lieferte Strom für die Tagebaue Profen und Vereinigtes Schleenhain; zuletzt verfügte es mit seinen fünf Dampfkesseln über eine installierte Leistung von 300 MW thermisch.

Die bis 2018 in Deuben produzierten Briketts gingen an private Haushalte, seit 1993 Braunkohlenstaub an Industriekunden. In seinem ersten Jahr erzeugte das Kraftwerk Deuben rund 8300 MWh Elektroenergie. Mit 616.188 MWh erreichte es im Jahr 2000 die höchste Produktion.

Der 2020 beschlossene Ausstieg aus der Kohleverstromung und wirtschaftliche Gründe hätten dazu geführt, dass sich die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (MIBRAG) mit dem Kraftwerk Deuben an der zweiten Runde des Auktionsverfahrens für die vorzeitige Stilllegung von Kraftwerkskapazitäten beteiligte, heißt es in einer Mitteilung. Während die älteren Beschäftigten über sozialverträgliche Regelungen das Unternehmen verlassen, bekommen die jüngeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an anderen MIBRAG-Standorten neue Arbeit.

Bundestag und Bundesrat hatten 2020 beschlossen, dass die Kohleverstromung bis 2038 beendet wird. Die künftige Regierungskoalition hat in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, den Kohleausstieg "idealerweise" auf 2030 vorzuziehen.

Braunkohle wird zumeist in großen Kraftwerken verstromt, die in relativer Nähe der Braunkohletagebaue liegen. In Deutschland gibt es drei Braunkohlereviere: im Rheinland, in der Lausitz und in Mitteldeutschland. Für Steinkohleanlagen und Braunkohle-Kleinanlagen ist vorgesehen, die Leistung durch Ausschreibungsverfahren schrittweise zu reduzieren. Auf die von der Bundesnetzagentur durchgeführten Ausschreibungen können sich Anlagenbetreiber mit einem Gebot bewerben, das einen Geldbetrag pro Megawatt (MW) reduzierter Leistung enthält. Bisher wurden drei der sieben vorgesehenen Ausschreibungen durchgeführt, Deuben beteiligte sich an der zweiten Runde.

(anw)