Breitband: Gigabit in ländlichen Regionen nur für 20 Prozent verfügbar

Laut neuem Breitbandatlas haben insgesamt 59 Prozent der Haushalte Zugang zu superschnellem Internet mit 1 GBit/s. In den Großstädten sind es über 90 Prozent.

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(Bild: ChiccoDodiFC/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Die digitale Kluft zwischen Stadt und Land ist gerade im Bereich von Hochgeschwindigkeitsanschlüssen mit über 1 GBit/s noch groß. So sind im ländlichen Raum entsprechende Bandbreiten deutschlandweit im Durchschnitt in 20 Prozent der Haushalte verfügbar, im städtischen dagegen in 77 Prozent. Die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin warten sogar mit einer Gigabit-Verfügbarkeit auf, die zwischen 96 und 92 Prozent der Haushalte liegt.

Weit abgeschlagen sind laut dem am Freitag veröffentlichten neuen Breitbandatlas dagegen die östlichen Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einer Gigabitquote von 19 beziehungsweise 28 Prozent. In Sachsen können auch nur 45 Prozent der Haushalte eine solchen schnellen Internetanschluss buchen, in Mecklenburg-Vorpommern 50 Prozent.

Deutlich besser sieht es bei der Verfügbarkeit von Bandbreiten im Bereich über 100 Mbit/s aus, wo die kupferbasierten Technologien DSL und VDSL noch eine deutlich größere Rolle spielen. Auf entsprechende Anschlüsse können Bewohner ländlicher Gegenden in 66 Prozent der Heime zugreifen, im halbstädtischen Raum sind es 83 Prozent, in Städten direkt 96 Prozent. Mit Bandbreiten um die 16 MBit/s werden dann auch 93 Prozent der Haushalte auf dem Land bedient.

Den Atlas mit Stand Ende 2020 hat das Breitbandbüro des Bundes Atene Kom im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur erstellt. Dafür haben die Experten die Verfügbarkeit je Technologie und Bandbreite in Anteilen an der gesamten Anzahl an Haushalten, Firmen in Gewerbegebieten, sowie Schulen und Krankenhäusern in der jeweiligen Rasterzelle mit einer Größe von 250 x 250 Metern berechnet.

Insgesamt steht dem Surfen mit Gigabitgeschwindigkeit in ganz Deutschland in 59 Prozent der Haushalten prinzipiell nichts entgegen. 67 Prozent erhalten 400 MBit/s, 89 Prozent 100 MBit/s. Für Anschlüsse über 1 GBit/s stehen für 15 Prozent Glasfaser parat, für 53 Prozent ausgebaute Kabelanschlüsse. In Gewerbegebieten können 47 Prozent der Unternehmen auf 1 GBit/s und mehr zugreifen. Die Verfügbarkeit für Krankenhäuser liegt bei 42, die für Schulen bei 37 Prozent.

Der Bundesminister für digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, unterstreicht die positiven Aspekte des Berichts: "Gigabit für alle - wir sind auf Kurs", gibt der CSU-Politiker als Motto aus. Im vergangenen Jahr seien täglich fast 20.000 Haushalte mit Gigabit-Netz dazugekommen, insgesamt also gut 6,6 Millionen Haushalte mehr als 2019: "Das ist ein Mega-Erfolg!"

Auch wenn nach Jahren der staatlichen Breitbandförderung inzwischen mehr Bagger rollen, hinke Deutschland bei Glasfaseranschlüssen bis zur Wohnung oder zum Gebäude schon im EU-Vergleich weit hinterher, beklagte dagegen Béla Waldhauser, Sprecher der Allianz zur Stärkung Digitaler Infrastrukturen des eco-Verbands der Internetwirtschaft, am Mittwoch. Es seien nur vier Prozent der Häuser angebunden, was einer "Katastrophe" gleichkomme.

"Nach dem Grundgesetz ist der Ausbau der Kommunikationsnetze in Deutschland privatwirtschaftlich organisiert", betont das Verkehrsministerium. "Der Staat darf nur dann eingreifen, wenn die Unternehmen beispielsweise aufgrund sehr geringer Wirtschaftlichkeit nicht ausbauen." Insbesondere in ländlichen Regionen unterstütze der Bund dann das Leitungsbuddeln über das Förderprogramm Breitbandausbau. Von den dafür aktuell verfügbaren rund 12 Milliarden Euro seien rund 8,2 Milliarden in über 2150 Projekten gebunden, mit denen etwa 2,6 Millionen Anschlüsse entstehen könnten. Kritiker verweisen indes auf schleppende Genehmigungsverfahren und einen zähen Mittelabfluss.

(bme)