Breitband für alle: Breton macht Dampf bei geplantem Satelliten-Internet der EU

Binnenmarktkommissar Thierry Breton will noch in diesem Jahr einen Vorschlag für den Aufbau eines europäischen Kommunikationssystems im All machen.

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(Bild: CG Alex/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Das noch frische Gedankenspiel in EU-Kreisen, ein eigenes Satelliten-Internet zu betreiben und dabei den Fokus auf einem besonders hohen Grad an Verfügbarkeit, Sicherheit und Widerstandsfähigkeit zu legen, soll rasch Formen annehmen. "Mein Ziel ist es, schnell voranzukommen", betonte EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton am Dienstag auf der 13. Europäischen Weltraumkonferenz. Deshalb hält er es für angebracht, dass die Brüsseler Regierungsinstitution noch in diesem Jahr dem EU-Parlament und dem Ministerrat einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, "damit wir konkret handeln können".

Ziel der Infrastruktur soll es laut Breton sein, den "toten Zonen" in Form von weißen Flecken auf der Karte der Internetversorgung ein Ende zu setzen und "jedem Zugang zu Hochgeschwindigkeits-Breitband zu ermöglichen". Eine ehrgeizige Vorgabe bei geschätzt fünf Millionen EU-Haushalten ohne Netz. Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX will mit den angelaufenen öffentlichen Tests für ein vergleichbares Großprojekt Kunden in den USA und Nordeuropa mit rund 900 Satelliten Geschwindigkeiten von 50 bis 150 MBit/s anbieten. Bei Probeläufen im Sommer war beim Download zwischen 29 und 61 MBit/s sowie beim Upload bei 4,5 bis 17 MBit/s Schluss.

Auch die digitale Souveränität ist für Breton ein Grund, die Initiative schleunigst voranzutreiben. Europa soll ihm zufolge beim Satelliten-Internet "autonom" werden und eine Abhängigkeit etwa von Starlink oder der britisch-indischen Alternative OneWeb vermeiden. Es gelte, "den Kontinent verbunden zu halten, was auch immer passiert", also auch bei "massiven Angriffen" auf das Netz. Zudem solle das Projekt Europa "in das Quantenzeitalter" katapultieren, indem die Kommunikation per Quantenverschlüsselung sichergestellt werde.

Die Kommission gab Ende 2020 für 7,1 Millionen Euro eine Machbarkeitsstudie bei einem Industriekonsortium in Auftrag. Dieses soll binnen eines Jahres die Erwartungen potenzieller Nutzer und die Anforderungen an die Mission ausloten. Breton machte nun aber klar, dass er erste Ergebnisse schon im April erwarte.

Dies ist kein "Business as usual"-Raumfahrtprojekt, unterstrich der Franzose. "Es ist breiter angelegt. Es wird sich auf die Industrie aus verschiedenen Sektoren stützen müssen. Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen, auch in Bezug auf die Finanzierung". Dabei sollten "alle möglichen Quellen" mobilisiert werden wie etwa der EU-Haushalt, die Mitgliedstaaten, die Europäische Weltraumorganisation ESA und die Privatwirtschaft.

Technisch gesehen stellt sich Breton vor, dass das Projekt erdnahe Umlaufbahnen mit einer Höhe bis zu 2000 Kilometer mit anderen kombiniert bis hin zu Satelliten im geostationären Orbit (35.786 Kilometer Höhe). Es solle bestehende Infrastrukturen ergänzen, also etwa das Signal der GPS-Alternative Galileo verbessern oder beim Netzwerk Copernicus Datenrelais-Kapazitäten für Echtzeit-Missionen zur Verfügung zu stellen. Gefragt seien auch zusätzliche Sensoren im All, um die Weltraumüberwachung zu verbessern.

Bei Galileo habe es 20 Jahre gebraucht von der Konzeption bis zum ersten betriebsfertigen Dienst, gab Jean-Marc Nasr von Airbus Space Systems zu bedenken. So lange dürfe es diesmal nicht dauern. Das Netzwerk müsse spätestens Anfang 2030 einsetzbar sein, um international noch eine Rolle spielen zu können. Riadh Cammoun vom französisch-italienischen Satellitenhersteller Thales Alenia Space erinnerte daran, dass neben Geld und einer Strategie auch Frequenzen für die vorgesehene Konstellation nötig seien. Der Kommission zufolge laufen dazu bereits Verhandlungen mit der zuständigen Internationalen Fernmeldeunion (ITU).

Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, kündigte derweil an, er wolle Gutschein-Programm auflegen, damit rund 200.000 Haushalte hierzulande ohne schnelles Internet kurzfristig während der Corona-Krise etwa Satellitenkapazitäten nutzen könnten. Der CSU-Politiker bezeichnete dies gegenüber der Funke-Mediengruppe als Überbrückungshilfe für Randlagen, bis auch dort geförderte Festnetzprojekte umgesetzt seien. Abgedeckt würden mit je 500 Euro die Kosten für die Installation eines Satellitenanschlusses. Die grüne Medienpolitikerin Margit Stumpp kritisierte dies als populistische Schnapsidee und Eingeständnis des Regierungsversagens.

(mho)