Brennstoffzelle: E-Zweisitzer soll Pendeln klimaverträglicher machen

Das DLR hat den Prototyp eines "Safe Light Regional Vehicle" vorgestellt, das in einem futuristischen Zweisitzer Leichtbau mit Hybridantrieb verknüpft.

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(Bild: DLR (CC-BY 3.0))

Von
  • Stefan Krempl

Mit einem futuristisch gestalteten Kleinfahrzeug will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Mobilitätswende beflügeln. Die Forschungsinstitution hat einen Prototyp für ein "Safe Light Regional Vehicle" (SLRV) entwickelt und vorgestellt, dessen Karosserie aufgrund von Sandwichbauweise nur rund 90 Kilogramm auf die Waage bringt. Zu dem neuartigen Leichtbauansatz komme "ein hocheffizienter Brennstoffzellenantrieb", was "eine ressourcenschonende sichere Mobilität" ermögliche.

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Seine Erstfahrt absolvierte der Zweisitzer am Donnerstag. Seine Karosserie ist 3,8 Meter lang und niedrig gehalten, um einen möglichst geringen Luftwiderstand zu erreichen. Das eingesetzte Material besteht aus einer metallenen Decklage mit Aluminium und einem Kunststoffschaum im Inneren. Das vordere und das hintere Teil des SLRV sind aus Sandwichplatten zusammengesetzt, die als Crashzonen dienen sollen. Dort ist auch ein Großteil der Fahrzeugtechnik untergebracht.

Die Fahrgastzelle besteht aus einer Wanne mit einer aufgesetzten Ringstruktur. Sie soll die Kräfte aufnehmen, die während der Fahrt auf das Auto wirken, und die Insassen bei einem Aufprall schützen. Bisher kommen Strukturen aus Sandwich-Materialien laut dem DLR noch nicht in der Serienfertigung von Fahrzeugen vor. Es gehe daher bei der Projektstudie auch darum, das Potenzial dieses Verfahrens aufzuzeigen sowie die zugehörigen Fertigungstechnologien zu optimieren.

Um möglichst wenig Energie zu verbrauchen, setzen die DLR-Wissenschaftler neben dem Leichtgewicht auf einen Hybridantrieb. Für den Antriebsstrang haben sie eine kleine Brennstoffzelle, die aus Wasserstoff Strom mit 8,5 Kilowatt Dauerleistung macht, mit einer Batterie verbunden. Diese liefert zum Beschleunigen zusätzliche 25 Kilowatt Leistung.

Diese Kombination wiegt dem DLR zufolge weniger als herkömmliche Batteriesysteme, sorgt für eine Reichweite von rund 400 Kilometern und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde. Mit an Bord zwischen den beiden Sitzen ist ein 39 Liter fassender Drucktank, der 1,6 Kilogramm Wasserstoff bei 700 Bar speichern kann. Die Abwärme der Brennstoffzelle nutzt das SLRV zum Heizen des Innenraums. Zusätzlich wirkt sich die gute Wärmeisolierung der Sandwich-Karosserie im Winter positiv auf den Energieverbrauch der Klimaanlage aus.

Sa­fe Light Re­gio­nal Ve­hic­le (SL­RV) (4 Bilder)

Fron­t­an­sicht des SL­RV (Bild: DLR (CC-BY 3.0) )

Mit insgesamt 450 Kilogramm sieht das DLR den Zweisitzer als vollwertiges vierrädriges Leichtelektromobil in der L7e-Klasse an, in der derzeit in Europa nur der Renault Twizy in Großserie gefertigt wird. Besonders gut geeignet sei der kleine Flitzer als Pendlerauto, als Zubringer im öffentlichen Nahverkehr oder als Car-Sharing-Fahrzeug vor allem in urbanen Randgebieten oder im außerstädtischen Bereich, wobei ihm seine schnelle Wasserstoffbetankung zugute komme. Er könne den öffentlichen Nahverkehr ergänzen oder als Zweitwagen genutzt werden.

Die Anschaffungskosten schätzt das SLRV-Team zurzeit auf rund 15.000 Euro. Bei einer Laufleistung von 300.000 Kilometern ergebe sich so bei einer Nutzungsdauer von zehn Jahren ein Preis von etwa zehn Cent pro Kilometer. Tjark Siefkes, Vizedirektor des DLR-Instituts für Fahrzeugkonzepte, spricht von einem "greifbarer Baustein einer Technologieplattform für lokal emissionsfreie, leise und individuelle Mobilität". Wann das E-Mobil auf den Markt kommen könnte und ob bereits Partner an einer Serienfertigung Interesse haben, verriet er nicht.

(bme)