Brennstoffzellen-Lkw: 140 Wasserstoff-Tankstellen reichen

Die Forscher am Fraunhofer ISI haben ausgerechnet, wie viel Tankstellen nötig wären, wenn alle schweren Lkw mit Wasserstoff betrieben würden.

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(Bild: monticello/Shutterstock.com)

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  • Andreas Wilkens

Wie viele Wasserstofftankstellen sind in der Bundesrepublik im Jahr 2050 nötig, damit der mit Brennstoffzellen angetriebene Güterverkehr auf der Straße komplett und lückenlos versorgt wird? Diese Frage hat sich das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI gestellt und mit "140" beantwortet. Die Kosten dafür würden sich auf jährlich rund 9 Milliarden Euro belaufen.

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Der Straßengüterverkehr in Deutschland stößt jährlich etwa 50 Megatonnen CO2 aus, für die Hälfte davon sind die etwa 250.000 schweren Lkw mit einem Gewicht über 26 Tonnen verantwortlich. In ihrer Modellrechnung gehen die Wissenschaftler davon aus, dass diese Lkw komplett durch Brennstoffzellen-Lkw ersetzt werden. Daraus würde sich ein jährlicher Bedarf von 1,3 Millionen Tonnen Wasserstoff ergeben.

Bundesweit gebe es zwar bereits 84 Tankstellen für die 507 in Deutschland zugelassenen Brennstoffzellen-Pkw, "die meisten davon eignen sich jedoch nicht oder nur bedingt für Lkw, da sie weder die benötigten Mengen noch eine zügige Betankung sicherstellen können", heißt es in einem Arbeitspapier des Fraunhofer ISI . Zudem seien die meisten Wasserstoff-Tankstellen im Süden und Westen gelegen.

Das mögliche Wasserstoff-Tankstellennetz haben die Forscher auf Basis eines wissenschaftlichen Simulationsmodells untersucht. Die Stationen werden relativ gleichmäßig über das Autobahnnetz verteilt, weiterhin ist eine Konzentration entlang der Transitrouten sowie in Industrieregionen erkennbar.

Fraunhofer ISI: 140 Wasserstoff-Tankstellen reichen (6 Bilder)

(Bild: Fraunhofer ISI)

"Bereits bis 2030 sollen die Emissionen von Lkw laut EU-Vorgaben um 30 Prozent gegenüber 2019 sinken. Um die dafür hilfreiche Nutzung von Brennstoffzellen-Lkw zu ermöglichen, müssen wir schon früh viele Tankstellen aufbauen", erläutert Prof. Dr. Martin Wietschel, der am Fraunhofer ISI das Competence Center Energietechnologien und Energiesysteme leitet. "Für knapp 50.000 Fahrzeuge im Jahr 2030 braucht es bereits 70 teilweise kleinere Wasserstofftankstellen zur räumlichen Abdeckung."

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Zur Gewinnung des Wasserstoffs betont Fraunhofer ISI neben einer zentralen Erzeugung und dessen Transport zu den Tankstellen die Option, den Wasserstoff mit Elektrolyseuren direkt an Tankstellen zu erzeugen. Die Elektrolyseure sowie die Wasserstoffspeicher sollten überdimensioniert sein. So sei die Wasserstofferzeugung günstiger, zudem könnten die Lkw-Tankstellen aufgrund ihrer Größe und ihres hohen Stromverbrauchs von etwa 65 Terawattstunden pro Jahr die fluktuierenden erneuerbaren Energien in das Energiesystem integrieren und es so entlasten. "Diese Flexibilisierung spart etwa eine Milliarde Euro pro Jahr", erläutert Fraunhofer ISI.

(anw)