Brexit verteuert Roaming, vor allem für Briten

Vor dem Brexit versprochen, nach dem Brexit gebrochen: Zwei britische Mobilfunk-Netzbetreiber schaffen das EU-Roaming ab. Das wird teuer.

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Union Jack weht über Wiese

Der Union Jack repräsentiert die Union Englands, Schottlands und Irlands. Wales wird nicht repräsentiert, da es schon vor der Gründung des Vereinigten Königreichs mit England verbunden war.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

Der Brexit hat Auswirkungen auf Mobilfunk-Roaming, zu Lasten reisender Verbraucher. Seit Februar 2020 sind Großbritannien und Nordirland nicht mehr Teil der Europäischen Union, womit auch die EU-Roamingregulierung dort nicht mehr greift. Allerdings hatten die britischen Mobilfunk-Netzbetreiber vor dem Ausscheiden des Landes aus der EU ("Brexit") versprochen, auch nachher nichts am EU-Roaming zu ändern. Zwei der vier britischen Netzbetreiber, EE und Vodafone, brechen dieses Versprechen bereits nach weniger als zwei Jahren.

EE-Kunden müssen bei Reisen in die EU oder nach Island, Liechtenstein oder Norwegen ab Jahreswechsel Roaminggebühren zahlen, sofern sie nach dem 6. Juli einen aktuellen Tarif gewählt haben. Bei Vodafone UK beginnt die Verrechnung fünf Tage später zu Epiphanias. Betroffen sind vorerst Kunden mit Rechnungslegung ("postpaid"), die nach dem 10. August einen neuen Tarif wählen.

Beide Netzbetreiber verrechnen Roaming in Form von Tages- oder Wochenpauschalen. Irlandreisende sind bis auf Weiteres nicht von der Preiserhöhung betroffen. Die Mitbewerber O2 und Three haben bislang keine Preiserhöhung beim Roaming in der EU angekündigt.

Wie es in umgekehrter Richtung aussieht, also bei Reisen mit EU-SIM-Karten nach Großbritannien oder Nordirland, ist uneinheitlich. Weil die EU-Regulierung nicht mehr greift, kann sich die Situation jederzeit ändern. Vodafones deutsche Webseite verspricht, dass "Großbritannien auch nach dem Austritt aus der Europäischen Union Teil der EU-Roaming-Zone bleibt. Du nutzt Deinen Tarif dort ohne Zusatzkosten wie zu Hause in Deutschland."

Telefónica Germany (O2) hält sich ihre Optionen offen und schreibt, dass "für Großbritannien trotz Ausscheidens aus der EU bis zum 31.12.2021 weiterhin nur der Preis gemäß Zone 1 (EU-reguliert) abgerechnet wird (Verlängerung vorbehalten)." Ähnlich die Deutsche Telekom: "Vorerst wird Großbritannien weiterhin wie ein EU-Land behandelt."

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Der österreichische Marktführer A1 verrechnet schon jetzt Roaminggebühren. Anders Mitbewerber Magenta Austria: Die Österreich-Tochter der Deutschen Telekom verspricht auf ihrer Webseite, dass sich nichts ändere. Der chinesische Netzbetreiber Drei (Hutchison Drei Austria) hält es wie O2 und die Telekom in Deutschland: Drei behält sich die "Zuordnung von Großbritannien (inkl. Nordirland) zur Zone 1" ausdrücklich vor, hat den Schritt aber bislang nicht gesetzt.

Der Wegfall der EU-Regulierung in Bezug auf Großbritannien und Nordirland betrifft nicht bloß die Endkundenpreise, sondern auch die Einkaufspreise der Netzbetreiber für Roaming in fremden Netzen. Mangels EU-Regulierung können die Großhandelspreise nun frei gestaltet werden. Ob und welchen Einfluss das auf die Roaming-Verträge hat, ist nicht öffentlich bekannt.

Für britische Netzbetreiber sind die Auswirkungen theoretisch viel weitreichender als für EU-Netzbetreiber. Für Erstere ist die EU-Regulierung komplett weggefallen, für Letztere nur in Bezug auf Großbritannien und Nordirland. Praktisch ist die Lage noch etwas komplexer: Die meisten Netzbetreiber haben entweder Konzerngesellschaften in mehreren anderen Ländern oder sind sonst Teil einer Einkaufsgruppe. Daher ist es von außen nicht einfach, die realen Auswirkungen auf die Einkaufspreise abzuschätzen.

Schwer nachvollziehbar ist, das ausgerechnet Vodafone das vor dem Brexit gegebene Versprechen bricht: Der Konzern betreibt Mobilfunk-Netze unter anderem in Deutschland, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Rumänien, Spanien, Tschechien und Ungarn – der größte Teil des EU-Roamings britischer Kunden bleibt also im eigenen Haus. Selbst wenn sich die Roaming-Einkaufspreise für Vodafone UK geändert haben sollten, flösse das Geld nur von einer Konzerntasche in die andere. Bald wird mehr Geld von britischen Vodafone-Kunden in die Konzerntaschen fließen.

(ds)