Brexit vertreibt Intel: Chip-Fabrik in Großbritannien ist kein Thema mehr

Für Milliardeninvestitionen in neue Halbleiterwerke konzentriert sich Intel auf die EU. Intel darf aus 70 vorgeschlagenen Standorten in 10 EU-Ländern wählen.

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Intel-Standort Leixlip in Irland mit der Fab 24; im Hintergrund Bauarbeiten an der Fab 34.

Intel-Standort Leixlip in Irland mit der Fab 24; im Hintergrund Bauarbeiten an der Fab 34.

(Bild: Intel)

Von
  • Frank Schräer

Vor dem Brexit war Großbritannien möglicher Standort für eine neue Intel-Fabrik. Nach dem Austritt aus der Europäischen Union ist solch eine Investition auf der Insel aber kein Thema mehr, bestätigt Intel-Chef Pat Gelsinger. Stattdessen fokussiert sich der Marktführer bei Computer-Prozessoren auf eine neue Chip-Fabrik in der EU – mithilfe entsprechender Fördermittel der EU und der einzelnen Länder.

Im Gespräch mit der BBC erklärte Gelsinger, dass Intel mit neuen und ausgebauten Halbleiterwerken seinen Produktion steigern möchte, da der weltweite Chip-Mangel der Automobilbranche und anderen Wirtschaftszweigen stark zusetzt. Die Chip-Krise zeige, dass die USA und Europa bei der Chip-Fertigung zu abhängig von Asien seien.

In den nächsten zehn Jahren könnte Intel bis zu 85 Milliarden Euro in europäische Chipfertigung investieren, solange die staatlichen Förderungen stimmen. Gleichzeitig sollen die bisherigen Halbleiterwerke in den USA ausgebaut werden. So erweitert Intel seine Fertigungsstätten in Arizona von vier auf sechs Chip-Fabriken und investiert dort 20 Milliarden Dollar.

Als Standort eines neuen Halbleiterwerkes hätte Intel Großbritannien definitiv in Betracht gezogen, aber der Brexit hat alles geändert. "Ich habe keine Ahnung, ob wir in Großbritannien einen besseren Standort gefunden hätten", sagte Gelsinger. "Aber wir haben jetzt etwa 70 Vorschläge für Standorte in ganz Europa aus vielleicht zehn verschiedenen Ländern. Wir hoffen, dass wir uns noch in diesem Jahr auf einen Standort und die Unterstützung durch die EU einigen können."

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Derzeit produzieren die USA rund zwölf Prozent aller Computerchips weltweit, wohingegen Samsung in Korea und die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) zusammen für 70 Prozent aller Chips verantwortlich zeichnen. Gegen dieses Ungleichgewicht sucht Intel nach Fördermitteln amerikanischer und europäischer Regierungen, die wiederum ihre Nationalen Sicherheiten durch Chips aus Asien bedroht sehen.

Die Halbleiterproduktion ist in Asien immer noch günstiger, und die dortigen Konkurrenten bauen ihre Fertigungskapazitäten durch Milliardeninvestitionen ebenfalls aus, um für die weiter steigende Nachfrage gewappnet zu sein. Intel erwartet keine schnelle Stabilisierung des Chip-Mangels.

Laut Gelsinger arbeiten Intel und die gesamte Branche "wie verrückt" daran, dem Chip-Mangel beizukommen, aber es wird noch dauern. Im Laufe des nächsten Jahres soll es inkrementell besser werden, doch sei es unwahrscheinlich, dass sich die Situation vor 2023 stabilisieren werde.

(fds)