Britische Wettbewerbshüter wollen Google und Facebook einschränken

Die Dominanz der großen IT-Konzerne auf dem Werbemarkt beunruhigt die britischen Aufsichtsbehörden. Um das zu ändern, fordern sie neue Gesetze.

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Britische Wettbewerbshüter wollen Google und Facebook einschränken

(Bild: PixieMe/Shutterstock.com)

Von
  • Torsten Kleinz
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Mit einem umfassenden Report über den Werbemarkt hat die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CWA) die Vorherrschaft von Google und Facebook auf dem Markt für Online-Werbung kritisiert. Als Ergebnis einer einjährigen Analyse fordern die Marktwächter die Einrichtung eines neuen Aufsichts-Regimes und die Schaffung neuer Gesetze zur Einschränkung der Daten-Dominanz der IT-Konzerne.

Laut Erhebung der Behörde umfasst der Markt der Online-Werbung im Vereinten Königreich ein Volumen von 14 Milliarden Pfund im Jahr 2019 – umgerechnet 500 Pfund pro Haushalt. 80 Prozent davon landen in den Taschen der großen zwei IT-Konzerne: Google dominiert mit mehr als 90 Prozent Marktanteil den Markt für Suchmaschinenwerbung, während Facebook mehr als die Hälfte der Umsätze für Display-Werbung vereinnahmen kann.

Diese gewaltige Marktkonzentration ist für die Wettbewerbshüter ein Zeichen für ein Versagen des Marktes. Die durch die große Marktmacht erzielten Einnahmen schlügen sich auf der einen Seite auf die Preise von Waren und Dienstleistungen aus. Auf der anderen Seite könnten andere Unternehmen nicht mehr in fairer Weise mit den IT-Konzernen konkurrieren.

Zwar seien die Digital-Konzerne erfolgreich geworden, weil sie bessere Produkte als die Konkurrenz angeboten hätten – ihre erreichte Stellung behindere aber mittlerweile Innovation und Wettbewerb. So habe Google alleine im Jahr 2019 zirka 1,2 Milliarden Pfund dafür gezahlt, um als Standard-Suchmaschine in Mobilgeräten und Browsern eingebunden zu werden – insbesondere Apple profitierte von den Zahlungen. CMA-Chef Andrea Coscelli fasst die Ergebnisse drastisch zusammen: "Wenn die Marktmacht dieser Firmen nicht eingeschränkt wird, sind sowohl die Bürger als auch die Gewerbetreibenden die Verlierer."

Doch mit den aktuellen Gesetzen und Kompetenzen ist nach der Analyse an dem jetzigen Zustand nichts zu ändern. Stattdessen soll die Regierung neue Gesetze erlassen, die sich insbesondere auf die IT-Konzerne mit strategischer Marktmacht richten und ihnen Sonderauflagen machen. Insbesondere soll Google reputablen Konkurrenten Zugang zu den eigenen Daten gewähren, mit der der Konzern seine Werbeausspielungen optimiert. Facebook soll hingegen zur Auflage gemacht werden, die Interoperabilität mit anderen Sozialen Netzwerken und Instant Messengern herzustellen.

Bei der Erstellung der Analyse arbeitete die CWA mit der britischen Datenschutzbehörde ICO zusammen, die bereits im vergangenen Jahr die aktuelle Praxis in der programmatischen Werbung als Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung bezeichnet hatte. Doch der regulatorische Vorstoß endete im Nichts. Angesichts von Brexit und Corona-Krise haben die Datenschützer jeden Versuch aufgegeben, tatsächlich harte Einschnitte bei dem florierenden Datenhandel durchsetzen zu wollen.

Im Bericht der CWA wird die weitgehend unbeschränkte Datenweitergabe sogar als Heilmittel gegen die kritisierte Marktdominanz gesehen. Zusammen mit der ICO und dem Kommunikations-Aufsichtsbehörde OfCom will die CWA nun an einer noch gründlicheren Untersuchung arbeiten, die einen neuen regulatorischen Rahmen schaffen soll, der vor allem die Begünstigung des Wettbewerbs als Ziel haben soll. Dazu haben die drei Aufsichtsbehörden eine gemeinsame Taskforce gebildet.

Da die Probleme jedoch nicht auf Großbritannien beschränkt seien, erhoffen sich die Regulatoren eine internationale Vorreiterrolle zu spielen. Dabei kommen sie auch dem Deutschen Bundeskartellamt entgegen, das mit ähnlichem Ansatz die Macht von IT-Konzernen beschneiden will. Die deutschen Kartellwächter hatten erst in der vergangenen Woche einen Prozess vor dem Bundesgerichtshof gewonnen, um die Datenzusammenführung bei Facebook einzuschränken.

(axk)