Britischer Wettbewerbshüter nimmt Giphy-Übernahme durch Facebook nicht hin

Einen wichtigen Schritt, um den Kauf Giphys durch Facebook zu stoppen, setzt die Behörde CMA. Facebook hat einen innovativen Konkurrenten weggekauft.

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Facebook-Konzern erreicht 2 Milliarden User und höchsten Quartalsgewinn

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

Facebook könnte GIF-Verteiler Giphy wieder verkaufen müssen. Das strebt die britische Wettbewerbsbehörde CMA (Competition and Markets Authority – CMA) an. Sie hat die Übernahme eingehend untersucht und kommt zu dem Schluss, dass sie den Wettbewerb zwischen sozialen Netzwerken gefährde. Außerdem habe Facebook sich mit dem Kauf eines aufstrebenden Konkurrenten auf dem Werbe- sowie dem User-Tracking-Markt entledigt.

Vor dem Kauf durch Facebook hatte Giphy in den USA eine neue Werbeform etabliert: Unternehmen konnten ihre Marken über Giphy in animierten Bildern (GIF) verbreiten. Wirtschaftlich betrachtet ist Giphy auch ein Web-Tracking-Betreiber. Die lustigen animierten GIF dienen als Tracking Beacons. Im Mai 2020 hat Facebook den Kauf der GIF-Plattform Giphy mitgeteilt. Die CMA hat Facebook damals vorläufig untersagt, die Geschäfte Giphys zu übernehmen. Die beiden Unternehmen müssen dort nach wie vor getrennt arbeiten.

Wie die CMA inzwischen herausgefunden hat, wollte Giphy damals sein Werbeangebot auf andere Länder, darunter Großbritannien, ausdehnen. Das hätte einen neuen Anbieter auf den britischen Online-Werbemarkt gebracht, der Facebooks Marktanteil gefährdet hätte. Während bei Online-Reklame rund um Suchmaschinen Google dominiert, hat Facebook 50 Prozent Marktanteil der britischen Display-Werbung im Internet.

Diese Marktmacht alleine bereitet der CMA schon länger Sorgen. Facebook hat diese Sorgen noch befeuert, in dem es Giphys Werbeangebot in den USA sofort nach dem im Mai 2020 beschlossenen Kauf eingestellt hat. Facebook hat die vorläufige Untersagung der Fusion vor Gericht bekämpft – vergeblich. Im Mai kritisierte der zuständige britische Richter Facebook dafür, sich nicht ordnungsgemäß mit der CMA befasst zu haben und anschließend untätig gewesen zu sein. Der Konzern habe sich sogar geweigert, die Fragen der CMA zu beantworten.

Da verwundert es nicht, dass die Behörde nun Nägel mit Köpfen machen möchte. Am Donnerstag hat sie die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlicht. Das provisorische Ergebnis: Die Übernahme schädigt den Wettbewerb zwischen sozialen Netzwerken, was eine Rückabwicklung erforderlich machen könnte. Schließlich könnte Facebook als Giphy-Eigentümer seinen Mitbewerbern jederzeit schaden, in dem es den Zugang zu den animierten Bildern kappt.

Nun gewährt die CMA jedermann die Möglichkeit, zu den Erkenntnissen und möglichen Abhilfen Stellung zu nehmen. Am 6. Oktober soll dann ein Endbericht erscheinen. Nach Angaben der CMA untersuchen auch Wettbewerbsbehörden in anderen Ländern die Giphy-Übernahme. In der Vergangenheit hat sich Facebook wiederholt aufstrebende Konkurrenten gekauft, darunter 2014 WhatsApp und 2012 Instagram.

(ds)