Bruchlandung während der EM: Polizei ermittelt nach Greenpeace-Aktion

Ein Greenpeace-Aktivist musste kurz vor dem EM-Spiel Deutschland gegen Frankreich im Stadion notlanden und verletzte dabei Menschen. Er protestierte gegen VW.

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Greenpeace will erreichen, dass Volkswagen so schnell wie möglich keine Verbrenner-Autos mehr herstellt. Die aktuelle Aktion war lebensgefährlich.

(Bild: dpa)

Update
Von
  • Andreas Wilkens

Ursprünglich sollte ein Gleitschirmsegler am Dienstagabend über dem Spielfeld der Münchner EM-Arena kurz vor dem Fußballspiel Deutschland gegen Frankreich im Auftrag von Greenpeace einen großen Latexball fallen lassen. Die Aktion, die sich gegen Volkswagens Produktpolitik richten sollte, misslang, der Flieger geriet an der Stahlseilkonstruktion des Stadiondaches ins Trudeln und vermied nur knapp einen Absturz in die Zuschauerränge. Der Pilot musste auf dem Rasen notlanden.

Bei der Aktion wurden zwei Männer verletzt. Sie wurden vom Rettungsdienst medizinisch versorgt, ein Notarzt musste sie nicht akut versorgen, teilte die Müncher Polizei mit. Der Gleitschirm-Pilot wurde verhaftet. Die Polizei ermittele nun wegen verschiedener Delikten nach dem Strafgesetzbuch und dem Luftverkehrsgesetz.

"Wir bitten die beiden Verletzten aufrichtig und nachdrücklich um Entschuldigung und hoffen, dass es ihnen schnell wieder besser geht. Auch bei den Spielern und Zuschauer:innen möchten wir uns für die Schrecksekunde entschuldigen", erklärte Greenpeace. Nach einem Ausfall des Elektromotor-Antriebshebels habe der Gleitschirm-Pilot auf dem Rasen der Arena notlanden müssen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat Konsequenzen angekündigt. "Das wird genau behandelt, das sind klare Verstöße", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Das ist kein Kavaliersdelikt."

Das Unternehmen Volkswagen, das Sponsor der deutschen Männerfußballnationalmannschaft ist, hat die missglückte Aktion scharf kritisiert. "Mit der heutigen Protestaktion hat Greenpeace Leib und Leben unbeteiligter Zuschauer und Fans eines Fußballspiels in Gefahr gebracht", hieß es in einem Statement. Das sei nicht akzeptabel. Volkswagen sei offen für den kritischen und konstruktiven Dialog in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit.

Vor Kurzem hatte sich Volkswagen nach einer anderen Greenpeace-Aktion, die sich gegen den Konzern richtete, noch milde gezeigt. Dabei hatten die Umweltaktivisten im Verladehafen Emden hunderte Schlüssel von VW-Autos geklaut und auf die Zugspitze verfrachtet.

Update 16.6.21, 14.36: Die Polizei hat nach Darstellung des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) bewusst nicht auf den Gleitschirmflieger geschossen. Sie habe aufgrund der Beschriftung 'Greenpeace' davon abgesehen, dass Scharfschützen hier eingegriffen haben, sagte er laut Medienberichten. Wenn die Polizei zu der Einschätzung gekommen wäre, dass es sich um einen Terroranschlag handeln könnte, dann hätte der Flieger die Aktion möglicherweise mit seinem Leben bezahlen müssen.

(anw)