Bundesregierung: Open-RAN-Technik kann 5G-Ausbau beflügeln

Virtualisierte Systeme in einem Open Radio Access Network haben laut der Exekutive das Potenzial, einen Beitrag zur Sicherheit von Mobilfunknetzen zu leisten.

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(Bild: KPhrom/Shutterstock.com)

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  • Stefan Krempl

Die Open-RAN-Technik besitzt das Potenzial, "einen positiven Beitrag zum Ausbau und der Sicherheit der öffentlichen Mobilfunknetze" zu leisten. Diese Auffassung vertritt die Bundesregierung in einer jetzt veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. Dies schließe 5G und insbesondere sogenannte Campus-Netze ein. Bei einem solchen Open Radio Access Network kommen virtualisierte Systeme zum Einsatz, bei denen ein Betreiber für einen technischen Wechsel letztlich nur die Software erneuern muss.

Die Liberalen hatten in ihrer Sondierung auf Berichte verwiesen, wonach der Mobilfunkanbieter 1&1 gemeinsam mit dem japanischen Online-Händler Rakuten in Deutschland das erste voll virtualisierte 5G-Netz auf Basis von Open RAN außerhalb Japans aufbauen will. Diese Technik verspreche schnellere und preiswertere Realisierungsmöglichkeiten, "da bisherige Hardwarefunktionen durch eine Software simuliert werden können". Zudem sind solche Netze aus Sicht der FDP-Fraktion im Gegensatz zu anderen 5G-Verfahren technologieoffen und damit nicht abhängig von nur einem Produzenten der Hardware-Bausteine wie etwa Huawei.

Laut Bundesregierung verspricht die Open-RAN-Technik "verschiedene Vorteile durch höhere Flexibilität mittels offener Schnittstellen". Sie könnte dazu dienen, "den Auf- und Ausbau zu beschleunigen, nachhaltiger zu gestalten und die nötigen Investitions- und Betriebskosten zu senken". Durch die mögliche Diversifikation der Hersteller im Funkzugangsnetz seien die Geschwindigkeit und die Kosten für Ausbau und Betrieb insbesondere abhängig von den verwendeten Komponenten. Der Gewinn weiterer Erkenntnisse "ist auch ein Ziel laufender Fördermaßnahmen".

Mit insgesamt zwei Milliarden Euro aus dem Konjunktur- und Zukunftspaket vom Juni 2020 will die Exekutive nach eigenen Angaben durch Fördermöglichkeiten die Innovationskraft deutscher und europäischer Unternehmen bei den mobilen Kommunikationstechnologien 5G und 6G stärken Entstehen soll ein einschlägiges Ökosystem, "damit zukunftsweisende Technologien wie Open-RAN künftig verstärkt auch in Deutschland und Europa entwickelt werden".

Im März hatte die Bundesregierung ebenfalls auf FDP-Anfrage hin aber bereits einräumen müssen, dass sie von über 55 prinzipiell bereitgestellten Millionen Euro für Forschung, Entwicklung und Ausbau von 5G erst knapp 20 Prozent ausgezahlt habe. Vor allem das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI) hinkte damals hinterher.

Jetzt erklärte die Regierung, dass im Haushaltsjahr 2021 erstmals 200 Millionen Euro direkt und "Verpflichtungsermächtigungen" in Höhe von 500 Millionen Euro zur Verfügung stünden, um Kommunikationstechnologien allgemein zu fördern. Davon seien bis Ende September 114 Millionen Euro bewilligt worden. Der Stand der Auszahlungen werde noch ermittelt.

Auch andere Mobilfunkbetreiber wie Vodafone verfolgen zunehmend einen Open-RAN-Ansatz und wollen sich so mehr Optionen etwa für den Austausch von Kernelementen im Netz offen halten. Der Düsseldorfer Konzern geht davon aus, dass damit auch "die Diversität der Hersteller wieder sehr stark steigen wird".

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Die Aufgabe, offene Standards für Mobilfunknetze und Basisstationen wie Open RAN zu erarbeiten und anzuwenden, weist die Exekutive in erster Linie den "betroffenen Wirtschaftsakteuren" zu. Eventuelle legislative Maßnahmen müsse die neue Bundesregierung planen. Auswirkungen der Markterschließung der Open-RAN-Technik sieht das federführende BMVI auf die künftige Vergabe von Mobilfunkfrequenzen zunächst nicht. Einschlägige Entscheidungen der Bundesnetzagentur unterlägen dem Grundsatz der Technologieneutralität.

Die Regierung hatte im März noch ausgeführt, dass bei der Spezifizierung von Open RAN der O-RAN Alliance und dem Telecom Infra Project (TIP) eine Schlüsselrolle zukämen. Mittlerweile seien eine Vielzahl von Firmen aus der gesamten Wertschöpfungskette der Informations- und Kommunikationstechnik in diversen Arbeitsgruppen dieser beiden Organisationen tätig, "um die Vision von OpenRAN voranzutreiben und neue Geschäftsmodelle zu erschließen".

Neben Standards arbeiten die Gremien dem BMVI zufolge etwa an einem Referenzdesign für universell einsetzbare White-Box-Hardware sowie Software für einzelne RAN-Komponenten. Dazu sei eine einschlägige Entwickler-Community bei der Linux Foundation eingerichtet. Die Bundesnetzagentur werde sich dafür starkmachen, die bereits in der O-RAN Alliance erstellten Spezifikationen für offene Schnittstellen auch vom europäischen Normungsinstitut ETSI anerkennen und so aufwerten zu lassen.

(olb)