Bundesregierung: Smartphones sollen sieben Jahre lang Updates erhalten

Bei der Regulierung von Smartphones verfolgt die Bundesregierung noch ehrgeizigere Ziele als die EU-Kommission. Gegenwind kommt von den Herstellern.

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(Bild: Tada Images/shutterstock.com)

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  • Christian Wölbert

Die Bundesregierung will sich in Verhandlungen mit der EU-Kommission für strenge Umweltregeln für Smartphones und Tablets einsetzen. Ersatzteile und Sicherheitsupdates sollten sieben Jahre lang verfügbar sein, erklärte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums auf Anfrage von c't. Außerdem sollten die Ersatzteile "zu einem angemessenen Preis" zur Verfügung gestellt werden.

Mit diesen Forderungen geht die Bundesregierung über die vor Kurzem bekannt gewordenen Vorschläge der EU-Kommission hinaus. Die Kommission plant eine Update- und Ersatzteilpflicht für fünf Jahre, Tablet-Ersatzteile sollen sechs Jahre lang verfügbar sein. Außerdem will sie die Hersteller zwingen, die Preise der Ersatzteile zu veröffentlichen und danach nicht mehr zu erhöhen – Vorgaben zur Höhe der Preise plant sie aber nicht.

Auch bei der Frage, wie schnell die Ersatzteile geliefert werden müssen, will die Bundesregierung sich für strengere Regeln einsetzen. Die Kommission plant aktuell eine maximale Lieferdauer von fünf Werktagen. Dieser Punkt werde "zu diskutieren sein", erklärte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Eine lange Reparaturdauer könne dazu führen, dass Kunden sich eher für einen Austausch statt für eine Reparatur entscheiden.

Grundsätzlich unterstützt die Bundesregierung den Vorstoß der Kommission, Ökodesign-Regeln, ein Energielabel sowie einen Reparierbarkeits-Index für Smartphones und Tablets einzuführen. Es sei richtig, die "Zuverlässigkeit und Reparierbarkeit der Geräte zu erhöhen", sagte die Sprecherin. Denn die Produktion der Geräte mache den größten Teil der Treibhausgas-Emissionen aus, und beim Recycling könne nur ein Teil der Rohstoffe zurückgewonnen werden.

Aus Sicht des Industrieverbands Digitaleurope, der Hersteller wie Apple, Samsung und Huawei vertritt, gehen die Vorschläge der Kommission hingegen viel zu weit. Er schlägt in einem Positionspapier vor, dass die Hersteller Sicherheitsupdates für drei Jahre liefern und Funktionsupdates für zwei Jahre.

Auch die Ersatzteilpflicht geht dem Verband zu weit: Hersteller sollten nur Displays und Akkus liefern müssen; andere Teile wie Kameras, Mikrofone, Lautsprecher und Konnektoren würden nur selten ausfallen.

Die Mindestanforderungen an die Lebensdauer von Akkus hält Digitaleurope für zu ehrgeizig, weil nur wenige Zulieferer Modelle liefern könnten, die nach 1000 Ladezyklen noch mindestens 80 Prozent Kapazität aufweisen. Der Verband schlägt deshalb eine Übergangsphase mit einer Anforderung von nur 800 Zyklen vor. Das Energielabel lehnt er komplett ab: Die Hersteller bemühten sich ohnehin um eine möglichst hohe Energieeffizienz.

Samsung wollte die einzelnen Pläne der Kommission auf Anfrage von c't nicht kommentieren, äußerte sich aber allgemein zu dem Thema Nachhaltigkeit: Man arbeite fortlaufend daran, eine längere Nutzungsdauer von Smartphones zu ermöglichen. "Während die durchschnittliche Erstnutzungsdauer 2015 rund 21 Monate betrug, konnten wir diese 2020 auf durchschnittlich 29 Monate erhöhen", sagte eine Samsung-Sprecherin. Apple ließ eine Anfrage von c't zu dem Thema unbeantwortet.

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(cwo)