CD-Datenbanken: freedb ist tot, es leben die Alternativen!

Fast anderthalb Jahrzehnte organisierte Magix den Betrieb der freien CD-Datenbank freedb. Nun hat der Softwarehersteller leise den Stecker gezogen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 247 Beiträge

(Bild: Ripitya/Shutterstock.com)

Von

Schluss, aus, vorbei: Die fast 20 Jahre lang populäre CD-Datenbank freedb ist Geschichte – die zweite Krise des Projekts war die letzte. Auf der Webseite von freedb wurde das Ende schon für März 2020 angekündet. Bis Anfang Juni waren der Dienst und der Netzauftritt aber noch verfügbar – nun fand die Beisetzung in aller Stille statt.

Hintergrund: Mit CD-, DVD- oder Blu-ray-Computerlaufwerken und geeigneter Software kann man Musik von Audio-CDs auf die PC-Festplatte transferieren. So können Nutzer die eigene Musiksammlung für heimische DLNA-Clients verfügbar machen und im Smartphone/MP3-Player/Autoradio spielen.

Feierabend: Die ersten Hinweise zur Abschaltung der freedb-Datenbank platzierte Magix Anfang Dezember auf der Webseite. Aktuell führt die URL kommentarlos zur Magix-Seite.

(Bild: Waybackmachine.com)

Allerdings bringen nur die wenigen mit CD-Text versehenen Musikscheiben ab Werk brauchbare Metadaten mit, also Angaben zu Album-/Liedtitel und Interpret. Ansonsten muss der Musik-Ripper diese Informationen von Hand eintippen – mühsam und fehlerträchtig. Da Audio-CDs aber Massenprodukte sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich irgendjemand auf der Welt die Arbeit schon mal machte – warum also nicht die Daten in einer Internet-Datenbank speichern und Interessierten zur Verfügung stellen?

Das war der Ansatz der 1998 gegründeten Firma CDDB (Compact Disc Database). Nach Verkauf an die längst untergegangene Hi-Fi-Marke Escient, Umbenennung in "Gracenote" und Änderung der Lizenzbedingungen gründete sich 2001 die freie Alternative namens "freedb". Die wurde sehr schnell sehr viel populärer als Gracenote.

2006 knirschte es aber zwischen dem damaligen Betreiber und den Entwicklern – einer von ihnen verkündete in Netzforen, mit einer überarbeiteten Version der Datenbank Geld verdienen zu wollen. Das Ende vom Lied: Man trennte sich im Streit, Magix übernahm das Projekt mit dem Versprechen, die Daten weiterhin allen Nutzern kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Jetzt also zieht Magix nach rund 14 Jahren den Stecker. Viele freedb-Nutzer werden erst kürzlich bemerkt haben, dass der Dienst nicht mehr verfügbar ist. Denn Ripper-Software wie das unter Windows konkurrenzlos präzise Exact Audio Copy (EAC) oder MP3Tag, das die von CD extrahierten Audiodateien komfortabel mit Metadaten versieht und sie editierbar bereitstellt, greifen nicht auf die freedb-Webseite zu, sondern gehen direkt über eigene Schnittstellen auf die Datenbank – die auf der Webseite platzierten Hinweise aufs geplante Ende erreichten die Nutzer schlicht nicht.

heise online hat erstmals am 15. Mai bei Magix nach den Motiven gefragt – die Antwort ließ auf sich warten. Schriftlich teilte eine Sprecherin schließlich mit: "Softwareprojekte, wie ein derartiger Online-Dienst, müssen stets den rechtlichen Änderungen und dem technischen Fortschritt der Zeit gerecht werden und entsprechend regelmäßig überarbeitet werden. Ab einem gewissen Zeitpunkt sind diese Änderungen so groß, dass es unwirtschaftlich erscheint, diese Änderungen durchzuführen."

Um welche Summen es sich handelt, ob die Zugriffszahlen im Streaming-Zeitalter nicht mehr attraktiv genug waren oder Magix aus anderen Gründen kein Interesse mehr an dem Projekt hat, wollte das Unternehmen nicht verraten. Dass es an den Serverkosten liegen könnte, schließt Andre Wiethoff, der Entwickler von Exact Audio Copy, aus: "Jede Abfrage bedeutet ein Volumen von etwa fünf Kilobyte, eine Million Abfragen entsprechen also dem Inhalt einer DVD“, sagte Wiethoff heise online. Jeder Netflix-Nutzer dürfte an einem Abend im Heimkino mehr Daten konsumieren.

Die aktuellen Versionen von EAC und MP3Tag greifen ab Werk alternativ auf den Dienst Musicbrainz zu, MP3Tag auch auf Discogs oder Amazon. In älteren Versionen von EAC lässt sich bis auf Weiteres die Datenbank des kommerziellen Rippers dbpoweramp eintragen, indem man im entsprechenden Untermenü "http://freedb.dbpoweramp.com:80/~cddb/cddb.cgi" als Server eingibt.

Seit 2017 existiert mit GNUDB eine weitere Alternative. In MP3Tag reicht es, unter den Optionen für freedb die vorhandene Serveradresse "freedb.freedb.org" durch "gnudb.gnudb.org" zu ersetzen – der Zugriff klappt wie gewohnt. Auch per Browser zeigt GnuDB die Disc-Daten an.

In ältere Versionen von Exact Audio Copy trägt man unter den freedb-Einstellungen "http://gnudb.gnudb.org:80/~cddb/cddb.cgi" als Server ein und fügt in der EAC-Startmenü- oder Desktop-Verknüpfung hinter dem vorhandenen Programmbefehl " -HTTP1.1" an. Alternative: EAC per Kommandozeile mit dem Zusatz " -HTTP1.1" starten. In kommenden EAC-Versionen will Wiethoff die Zugangsmöglichkeiten gleich implementieren.

Wer seine eigene Musiksammlung pflegen will, muss also auch in Zukunft nur im Ausnahmefall sämtliche Metadaten von Hand tippen. Magix hat sich beim Hinschied von freedb aber nicht mit Ruhm bekleckert: Wenn Aufwand oder Kosten für die weitere Pflege zu groß geworden wären, hätten wohl alle Nutzer von freedb dafür Verständnis gehabt – schließlich finanzierten die Berliner 14 Jahre lang die für Anwender kostenlose Datenbank. Aber die Bude kommentarlos dichtzumachen ist ein bisschen schofel – etwas mehr als ein Armenbegräbnis hätte der Dienst verdient.

(dahe)