CES 2022: "Zurück zur Normalität"?

Der Veranstalter der CES wirbt aktuell in Europa für seine Messe, die nach der Corona-Zwangspause wieder in Las Vegas stattfinden soll.

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Hurra, endlich ist's wieder wie früher: Die CES will zurück zur Normalität.

(Bild: c't / nij)

Von
  • Nico Jurran

Mit dem Versprechen einer wieder "normalen" CES trommelt der US-Verband der Elektronikbranche auf seiner Europatournee für seine Flaggschiffmesse. Doch wer sich in der Branche umhört, trifft bei Firmenvertretern und Journalisten auf eine eher abwartende Haltung. Große Aussteller halten sich die Option einer Teilnahme offen, könnten aber auch noch abspringen. Derzeit sieht es so aus, dass deutlich weniger Aussteller zur CES kommen als noch 2020.

Mit zwei Veranstaltungen in Amsterdam und Paris gibt die Consumer Technology Association (CTA) einen Ausblick auf die Themen und Trends der CES 2022, die nach der rein virtuellen CES 2021 im kommenden Jahr wieder in Las Vegas stattfinden soll, vom 5. bis 8. Januar 2022, mit zwei Tagen für die Medien davor.

Doch viele Aussteller und Medienvertreter üben sich noch in Zurückhaltung. Vertreter des US-Unternehmens Roku sprachen unlängst von einer Henne-Ei-Situation: Journalisten warten ab, dass sich genug Aussteller anmelden, um die Reise rechtfertigen zu können. Firmen wollen wiederum erst Standfläche buchen, wenn sicher ist, dass genug Pressevertreter und Fachpublikum vor Ort sein wird. Die CES ist eine Fachmesse, Endkunden haben keinen Zutritt.

CTA-Chef Gary Shapiro nutzt aktuell die europäischen "CES Unveiled" in Amsterdam (am vergangenen Donnerstag) und Paris (am morgigen Dienstag), um für die Messe die Werbetrommel zu rühren. Die Losung ist dabei klar: "Zurück zur Normalität." Tatsächlich wird sich die CES 2022 aber nicht im üblichen Rahmen bewegen: Kurz vor Ausbruch der globalen Pandemie zählte die CES 2020 noch fast 4500 Aussteller, zur CES 2022 kommen nach aktuellen Zahlen wohl nur rund 1500 Aussteller. Vor allem aber ist es vonseiten der großen Firmen noch recht still. Die CTA selbst warb auf der CES Unveiled in Amsterdam offen mit dem Automobilkonzern GM, dessen Chefin Mary Barra im Januar wieder eine Keynote halten soll.

Im Gespräch mit c’t erklärte Gary Shapiro, dass unter anderem LG, Samsung und Sony nach aktuellem Stand wieder mit dabei sein werden. "Nach aktuellem Stand" deshalb, weil die Unternehmen ihre Zahlungen für die Teilnahme in mehreren Raten leisten und jedes Mal die Möglichkeit haben, noch abzuspringen. Bislang seien alle genannten Unternehmen noch an Bord, bekräftigte Shapiro, er kann aber nicht ausschließen, dass es noch Rückzieher gibt. In früheren Mitteilungen hatte die CTA noch Stammgäste wie Daimler, Intel, Lenovo, und Qualcomm genannt, ebenso als Debütanten Caterpillar und das Raumfahrtunternehmen Sierra Space.

Diese Trends hat die CTA für die kommende CES 2022 ausgemacht.

(Bild: nij/c't)

Mit den verbliebenen Ausstellern wird die Fläche des Las Vegas Convention Centers (LVCC) nicht wie üblich zu bespielen sein – ein Punkt, der auch und vor allem durch die kürzlich eingeweihte West Hall sichtbar werden dürfte. Da es in der 130.000 Quadratmeter großen Neubau um E-Mobilität gehen soll, dürften GMs neue E-Trucks direkt in der West Hall präsentiert werden und nicht auf einem Parkplatz vor der Tür. Abzuwarten bleibt auch, inwieweit die CES im Januar den Ausstellungsbereich "Sands Expo" am Venetian-Hotel nutzen wird. Dort befand sich in den vergangenen Jahren der Start-up-Bereich "Eureka Park".

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Shapiro machte in Amsterdam nicht nur klar, dass es “Eureka Park” auch auf der CES 2022 wieder geben wird. Aus seinen und den Äußerungen anderer CTA-Vertreter ließ sich sogar schließen, dass man im Januar diesen Bereich verstärkt in den Vordergrund rücken will – nach dem Motto "Unter diesen Firmen befindet sich vielleicht ein neues Microsoft, Facebook oder Tesla". Zugleich hob CTA-Forschungschef Steve Koenig hervor, das enorm viel amerikanisches Wagniskapital mittlerweile auch an europäische Startups fließen würden – ein Wink mit dem Zaunpfahl an jungen hiesigen Unternehmen, dass sich der CES-Auftritt auch in dieser Hinsicht lohnen könnte.

Dazu passt, dass auf der CES Unveiled in Amsterdam eine ganze Reihe niederländische Start-ups ihre Projekte präsentieren. 70 Unternehmen aus den Niederlanden sollen auch im Januar in Las Vegas als Aussteller dabei sein.

Die Lockerung der Einreisebeschränkungen durch die US-Regierung ist zweifellos der wichtigste Schritt auf den Weg zur CES 2022. So dürfen ab dem 8. November gegen Corona Geimpfte wieder in die USA einreisen. Neben einer Impfbescheinigung ist dabei ein negativer Corona-Test notwendig. Akzeptiert werden sollen alle von der US-Arzneimittelbehörde FDA und der Weltgesundheitsorganisation WHO zugelassenen Impfstoffe.

Gegenüber c’t äußerten in den vergangenen Wochen indes mehrere Vertreter asiatischer Unternehmen, dass ihnen weniger die Bedingungen für die Einreise in die USA Sorgen bereiten würden, als mögliche Verschärfungen der Einreisebedingungen ihrer Heimatländer. Müssten in der Folge etliche Mitarbeiter nach der Rückkehr erst einmal Tage oder gar Wochen in Quarantäne verbringen, wäre dies eine Katastrophe.

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Das größte Problem für potenzielle Aussteller könnte wiederum (auch) mit Corona zusammenhängen, lässt sich aber nicht einfach durch eine Regelung beseitigen: der akute Chipmangel. Er sorgt unter anderem beispielsweise dafür, dass Yamahas aktuelle AV-Receiver-Riege momentan nirgendwo zu bekommen ist – und das, nachdem die zur CES 2020 präsentierten Geräte erst vor einigen Monaten überhaupt auf den Markt gekommen sind. Etlichen anderen Herstellern geht es ähnlich, eine Entspannung der Lage ist derzeit nicht in Sicht. Da stellt sich die Frage, welches Interesse die betroffenen Firmen haben sollten, in nicht einmal drei Monaten bereits Nachfolgemodelle zu präsentieren.

Hinweis: Der Autor war auf Einladung der CTA in Amsterdam. Die CTA hat die Kosten für Reise und Unterkunft übernommen. (nij)