CRUMB: spielerisch Elektronik in 3D bauen

CRUMB ist ein Elektroniksimulator in 3D. So können ohne großen materiellen und finanziellen Aufwand die Grundlagen der Elektronik erforscht werden.

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CRUMB Beispielprojekt mit ROM und Display

(Bild: crumbsim.com)

Von
  • Carsten Wartmann

CRUMB is not a game: Obwohl auf Steam unter Spiele/Simulationen gelistet, fehlt jegliche von Spielen übliche Game-Loop. Tatsächlich ist CRUMB eher ein Konkurrent für Elektroniksimulationen oder Maker-Tools wie Fritzing. Die Entwicklung der Schaltungen findet komplett auf Breadboards statt. Alles ist in 3D und realistisch gerendert, wenn auch nicht fotorealistisch. Bisher gab es CRUMB nur für iOS und Android in den jeweiligen Stores, nun kommt es mit Steam auf den Desktop. Entwickelt mit Unity sind auch Versionen für Linux und Mac in Aussicht gestellt.

Das Spiel kostet aktuell unter 10 Euro auf Steam und der Download ist aufgrund der wenigen 100 Megabyte Größe schnell erledigt. Ebenso schnell ist es installiert und gestartet. In der Menüleiste von CRUMB findet man schon spannende Bauteile, in Untermenüs verstecken sich teils noch lange Listen weiterer Variationen. Über den Startdialog findet man die übliche Auswahl, um mit einer leeren Werkbank, dem Laden von Designs von der lokalen Festplatte oder aus der Cloud zu beginnen. Der Cloud-Button ist aber aktuell noch ausgegraut, zum Glück gibt es aber die Build-in-Examples, die zu ein paar Demos führen.

In den Demos gibt es dann ein paar Beispiele über Widerstände, Kondensatoren, Spulen, Zener-Dioden, Transistoren, Displays, Sound, Digitale-Logik bis zu einem Pong-Spiel das auf einem simulierten Arduino mit grafischem Display läuft. Wow. Der Arduino ist noch in der Beta-Phase, die üblichen Hello-World-Sachen funktionieren aber; und, wie man an dem Pong sieht, auch komplexere Dinge. Bei eigenen Experimenten mit dem Arduino als Kern sollte man öfters mal den Reset-Knopf am Arduino betätigen, bevor man anderweitig auf Fehlersuche geht: Im Gegensatz zu der realen Hardware läuft das Programm im Arduino nicht automatisch an, nachdem die Spannung bereitgestellt wurde oder man etwas am Design geändert hat.

Neue Bauteile und Verbindungen zu erstellen verläuft problemlos, das Einrasten auf das Breadboard wird deutlich dargestellt, so das man auch aus ungewohnten Perspektiven zum Ziel kommt. Die 3D-Ansicht kann in ein paar Aspekten konfiguriert werden, was sowohl die Darstellung als auch die Umschaltung von perspektivischer und orthogonaler Ansicht betrifft. Beim Hinzufügen von Teilen wird man, wie etwa bei dem Labornetzteil, bis zum Anschluss der Teile geführt, hier würde sicher dem fortgeschrittenen Anwender lieber sein, dass er erst platziert und später die Verbindungen herstellen kann: Zu oft vergisst man sonst den kleinen grünen Checkmark zu bestätigen und das mühsam platzierte Teil verschwindet wieder in der virtuellen Bastelkiste.

Die Umschaltung per Icons zwischen den Funktionen Selektieren, Interagieren und dem virtuellen Oszilloskop ist recht anstrengend und fehlerträchtig, per Tastatur würde das viel schneller gehen. Kabel kann man mit der rechten Maustaste um die Ecke legen, eine nachträgliche Änderung, wenn der Verbinder erst einmal gelegt ist, z. B. per ziehen mit der Maus ist im Moment nicht möglich. Das Undo hilft hier nur begrenzt. Die elektrische Simulation wird übrigens intern mit der etablierten SPICE-Engine durchgeführt, welche der Kern vieler Schaltungssimulationen und Leiterplatten-Software ist. In der aktuell getesteten Version crasht das Programm auf vielen Rechnern, wenn man versucht, die Simulationsparameter zu ändern.

Es gibt noch genug Fehler und sicher werden noch viele Teile fehlen, die man so gern mal ausprobieren würde, das ganze macht aber schon mächtig Spaß. Das Forum wird aber nicht müde, diese Fehler und Verbesserungsvorschläge an den Entwickler (ja den Einen) weiterzugeben.

Schade ist, das man in der aktuellen Version keinen Schaltplan herausbekommt, der es doch viel einfacher machen würde, seine Designs in die Realität oder auf eine Platine zu bekommen.

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(caw)