CentOS 8.2: RHEL-Klon schließt mit neuer Version zu seinem Vorbild auf

Als Basis für die neue Version 8.2.2004 der kostenlosen Linux-Distribution CentOS Linux dient das Ende April 2020 veröffentlichte Red Hat Enterprise Linux 8.2.

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CentOS 8.2.2004 ist fertig: Innerhalb von weniger als 50 Tagen hat das Entwicklerteam aus den Quellcode-Paketen des kommerziellen Red Hat Enterprise Linux (RHEL) 8.2 die neueste Version des kostenlosen Nachbaus geschaffen. Nachdem das erste CentOS der 8er-Versionsreihe erst mehr als vier Monate nach Red Hat Enterprise Linux der gleichen Version erschienen war, haben sich die zeitlichen Abstände zwischen RHEL- und CentOS-Veröffentlichungen somit auf rund zwei Monate eingependelt.

Wie immer verhält sich die kostenlos verfügbare Linux-Distribution wie Red Hat Enterprise Linux und ist dazu binär-kompatibel. Die Release Notes zu CentOS 8.2.2004 verweisen bezüglich der Neuerungen deshalb in weiten Teilen einfach auf jene von RHEL 8.2.

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Um einen vollkommen identischen Klon handelt es sich indes nicht. Unterschiede zeigen sich nicht nur im Design – in den CentOS-Paketen fehlen stets die markenrechtlich geschützten Grafiken von IBM/Red Hat –, sondern auch im Funktionsumfang. So fehlen Features wie etwa das Live-Patching für laufende Systeme ohne Neustart (Kpatch), die ein kostenpflichtiges Red-Hat-Abonnement voraussetzen. Auch sind die optionalen Sicherheits-Policies für CentOS einfach Kopien jener Policy-Sets von Red Hat Enterprise Linux 8.2, ohne Zertifizierung durch das CentOS-Projekt.

Einblicke in CentOS 8.2 (4 Bilder)

Neuinstallation von CentOS 8.2.2004 über den Installer "Anaconda": Ingesamt gibt es drei ISO-Images in verschiedenen Größen. Eine minimale Variante installiert alle Pakete über die Internetverbindung.
(Bild: Screenshot)

Abweichungen zeigen sich aber auch in der Update-Politik: Im Falle der letzten CentOS-Version blieben Aktualisierungen in der letzten Phase vor Fertigstellung der nächsten Version teils bis zu mehreren Wochen aus. Die CentOS-Entwickler verweisen in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit, das optionale Continuous-Release-Repository zu aktivieren, um Updates früher zu erhalten. Dieses Repository liefert neue Pakete nach einigen grundlegenden Tests schneller aus als die regulären Quellen.

Zudem gibt es mit CentOS Stream seit September 2019 auch eine Ausgabe der Distribution, die sich wie ein Rolling Release verhält. Mit der nachträglichen Installation des Pakets "centos-release-stream" können Administratoren auch ein CentOS 8.2 zu CentOS Stream machen und dann aus generell neueren Paketquellen schöpfen. Der Preis ist eine weitere Entfernung vom RHEL-Code.

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Die Neuerungen in CentOS 8.2 bestehen im Wesentlichen in Produktpflege. Der verwendete Kernel 4.18 hat nun volle Unterstützung für die zweite Version der Control Groups (Cgroups v2), die der Zuweisung von Systemressourcen wie Speicher und Rechenzeit an Prozesse dienen. Control Groups sind für das Prozessmanagement von Systemd, Container-Runtimes wie LXC und Docker, aber auch für die Virtualisierung von Gastsystemen mittels Libvirt essentiell.

Weil einige prominente Container-Tools wie Docker und Kubernetes keine Cgroups v2 unterstützen, bleibt dieses Feature zunächst deaktiviert und wartet noch auf seine Aktivierung mit dem Kernel-Boot-Parameter "systemd.unified_cgroup_hierarchy=1".

Um die Kontrolle von Containern geht es auch dem neuen Tool "Udica": Es dient zur Analyse von Container-Prozessen, um für diese maßgeschneiderte SELinux-Richtlinien als zusätzliche Absicherung zu erstellen.

Für schwer arbeitende Server mit hoher I/O-Last bietet der Logical Volume Manager 2 (LVM2) die Möglichkeit, langsame Festplatten um einen Cache auf einer schnellen SSD zu ergänzen. Dieser kann nun gezielt als Schreibcache eingerichtet werden. Neue Treiber sind für die GPU von Intels Ice-Lake-CPU sowie für die Nvidia-Chips der TU116-Familie und für AMD Navi 10 enthalten.

Weitere Highlights finden sich in Form eines kurzen Überblicks in den Release Notes von RHEL 8.2.

Ein bereits installiertes CentOS 8.1911 lässt sich einfach mit dem Paketmanager "dnf" auf die neuste Version bringen. Ein Bug-Report zur neuen CentOS-Version weist allerdings darauf hin, dass ein Distributionsupdate zunächst ohne das Paket "microcode" stattfinden sollte, um Systemhänger zu vermeiden.

CentOS bekommt in der Versionsserie 8 noch bis Mai 2029 Aktualisierungen. Außer für die x86-Plattform (64-Bit) gibt es CentOS für 64-Bit-ARM (aarch64) und für IBMs PowerPC-Plattform (ppc64el).

Auf den Download-Servern liegt CentOS 8.2.2004 in drei Varianten bereit: Als ISO-Datei mit allen Paketen und über 7 GByte Umfang, als Installer in DVD-Größe und als minimaler Netzwerk-Installer, der sämtliche Pakete über eine Internetverbindung installiert. (ovw)