CentOS: Version 8 weicht CentOS Stream

Red Hat läutet das Ende regulärer CentOS-Ausgaben ein: Ende 2021 wird Version 8 eingestellt. Dann übernimmt CentOS Stream nach dem Rolling-Release-Prinzip.

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(Bild: Public Domain / CentOS (Collage von David Wolski))

Von
  • David Wolski

Die Versionsserie 8.x des freien RHEL-Klons CentOS wird Ende 2021 eingestellt. Stattdessen geht es dann mit CentOS Stream weiter, einer bereits seit September 2019 verfügbaren Variante der Linux-Distribution, die wie ein "Rolling Release" stetige Updates und damit frischere Pakete als Red Hat Enterprise Linux (RHEL) erhält.

Vollständig kompatibel zum Vorbild RHEL ist CentOS dann allerdings nicht mehr, es wird sich ab diesem Zeitpunkt zu einer Art Vorbote für die jeweils kommende RHEL-Version entwickeln. Auf einem installierten System wird von CentOS 8 zu Stream über eine Umstellung der Repositories gewechselt. Allerdings stehen für Stream auch eigene, etwa in einmonatigen Abständen aktualisierte Installationsmedien bereit.

CentOS speist sich seit 2004 aus den frei verfügbaren RHEL-Quellpaketen. RHEL selbst ist nur über ein Abo für Entwickler oder zahlende Kunden verfügbar. Bislang folgte auf eine neue RHEL- stets einige Monate später eine CentOS-Version. Diese brachte jeweils dieselben Neuerungen und Softwareversionen wie die RHEL-Version mit, verzichtete aber auf die markenrechtlich geschützten Inhalte und zertifizierten Sicherheitspolicies von Red Hat/IBM, unter deren Ägide seit sieben Jahren auch die Entwicklung des zuvor unabhängigen CentOS steht. Mit dieser Vorgehensweise ist laut einer Ankündigung im CentOS-Blog nun Schluss.

Unangetastet bleibt allerdings die CentOS-Versionsserie 7.x, die bis zum regulären Supportende im Juni 2024 weiter Updates erhält. Cent OS 7.9 wird somit die letzte Ausgabe sein, die aus den RHEL-Quellen entsteht. Viele Unternehmen haben in Erwartung einer langen Lebensspanne auf CentOS 7 gesetzt. Daher wollen die CentOS-Entwickler die Distribution nicht vorzeitig einstellen. Auch sei es gar nicht möglich, eine Ausgabe der Version 7 auf CentOS Stream zu bringen, da die Versionsunterschiede zu groß seien.

CentOS-Gründer Greg Kurtzer kündigte derweil allerdings einen neuen RHEL-Klon namens Rocky an und registrierte auch schon die passende Domain rockylinux.org. Interessierte Mitstreiter sammeln sich derzeit im IRC-Netzwerk von Freenode in den Channels #rockylinux und #rockylinux-devel.

Kurtzer war zuletzt kein festes Mitglied im Entwicklerteam mehr und stattdessen mit Projekten zu Kubernetes und High-Performance-Computing beschäftigt. Der von ihm geplante Klon soll, wie bisher CentOS, wieder der Veröffentlichungsfrequenz von Red Hat Enterprise Linux folgen. Dessen Quellen werden auch weiterhin veröffentlicht, um die Auflagen der GNU General Public License zu erfüllen.

Der Name "Rockylinux" ist eine Hommage an den verstorbenen CentOS-Mitgründer und einstigen Maintainer Rocky McGough.

(ovw)