Chaos bei Twitter: Mastodon wächst wieder schneller, über 7 Millionen Accounts

Während Angestellte von Twitter reihenweise kündigen oder gekündigt werden, profitiert Mastodon weiter von dem Chaos. Das Netzwerk wächst noch etwas schneller.

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(Bild: T. Schneider/Shutterstock.com)

Der dezentrale Kurzmitteilungsdienst Mastodon wächst seit der jüngsten Massenentlassung bei Twitter noch einmal merklich schneller und hat jetzt mehr als 7,3 Millionen Accounts. Damit profitiert die Twitter-Alternative weiter vom Chaos beim großen Vorbild, wo am Wochenende auch der umstrittene Account des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump wieder freigegeben wurde. Kamen bis Freitag im Schnitt rund 1000 Nutzer und Nutzerinnen pro Stunde neu dazu, schnellte die Zahl am Freitag auf kontinuierlich über 10.000 in die Höhe und pendelte sich danach auf etwa 4000 ein. Verbunden war das Wachstum wie bei den vorherigen Wellen mit langen Wartezeiten auf den größten Instanzen, auf denen die Last erneut zu merken war.

Zwar hat die Twitter-Alternative in der Vergangenheit immer wieder starken Zustrom erlebt, wenn es bei Twitter nicht so richtig lief, aber das aktuelle Ausmaß ist beispiellos für den Dienst. Hatte Mastodon-Gründer Eugen Rochko noch am 7. November geschrieben, dass erstmals mehr als eine Million aktive Nutzer und Nutzerinnen verzeichnet wurden, sind es 12 Tage später schon über zwei Millionen. Rochko bedankt sich bei allen Verantwortlichen der Instanzen, die die Wellen auffangen würden. Laut einer automatisierten Übersicht über die Nutzungszahlen von Mastodon, wachsen die zuletzt um fast 10 % pro Woche.

Mastodon wird seit 2016 entwickelt, anfangs vor allem aus Frust darüber, dass die großen sozialen Netzwerke Entscheidungen über die Funktionsweise ohne Beteiligung der Nutzer und Nutzerinnen treffen. Anders als Twitter, Facebook & Co. handelt es sich um eine dezentrale Plattform, die nicht von einem Anbieter bereitgestellt wird. Stattdessen handelt es sich um offene Protokolle, die Server werden von unterschiedlichen Personen und Organisationen bereitgestellt, bei der Finanzierung gibt es unterschiedliche Modelle. Die größte Instanz heißt mastodon.social und wird von Rochko selbst betrieben. Der bekommt für seine Arbeit inzwischen fast 30.000 Euro monatlich über die Plattform Patreon gespendet, das Geld wandert aber freilich vor allem in den Betrieb seiner Instanz und darf nicht als Gehalt angesehen werden. Für neue Nutzer und Nutzerinnen empfiehlt es sich, eine kleinere Instanz auszuwählen, die ächzen merklich weniger unter dem Ansturm.

Während der Zustrom zu Mastodon diesmal nicht auf Nutzer und Nutzerinnen aus Deutschland beschränkt ist, sind hierzulande bereits immer mehr Behörden und staatliche Stellen in dem Netzwerk vertreten. Auf einer Instanz, die vom Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) für die Öffentlichkeitsarbeit betrieben wird, gibt es 64 Profile. Vertreten ist unter anderem das Bundesinnenministerium, das Bundeswirtschaftsministerium, das Auswärtige Amt, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Solche und weitere Accounts, "deren Inhalte dem Gemeinwohl dienen", werden gegenwärtig nach Kategorien unterteilt auch von Freiwilligen auf mastodir.de zusammengetragen. Auch heise online ist auf Mastodon vertreten.

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(mho)