Chef der bemannten NASA-Raumfahrt soll Boeing unlauter informiert haben

Wenige Tage vor dem ersten bemannten SpaceX-Start war Douglas Loverro sensationell zurückgetreten. Nun ist der Grund dafür durchgesickert.

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Gebäude mit Boeing-Werbung am Kap Canaveral in Florida

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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Mitte Mai ist Douglas Loverro, bis dahin Leiter der bemannten Raumfahrt der NASA, überraschend zurückgetreten. Der Zeitpunkt war brisant: In der darauf folgenden Woche hätte er mit der Wiederaufnahme von Astronautenflügen von US-Boden aus den größten Erfolg seiner NASA-Karriere feiern können. Nun wurde bekannt, warum Loverro gehen musste: Er soll Boeing interne Informationen für eine laufende Ausschreibung zugesteckt haben.

Mehrere Unternehmen, darunter Boeing, hatten sich um einen Großauftrag der NASA für Mondlandevehikel beworben. Schließlich will Donald Trump, dass die USA noch in seiner etwaigen 2. Amtszeit zum Mond zurückkehren. Doch Boeing versuchte, bereits eingereichte Unterlagen nach abgelaufener Frist nachzubessern. Weil das Ersuchen Boeings auffallend spezifisch ein NASA-intern diskutiertes Problem betraf, schrillten bei der Raumfahrtagentur die Alarmglocken.

Der Verdacht, Boeing habe Insider-Informationen aus der NASA bezogen und versuche diese auszunutzen, löste eine Untersuchung des NASA-Rechnungshofes aus. Wie die Washington Post berichtet, führte die Spur zu einem Gespräch zwischen Loverro und Boeings Raumfahrtchef Jim Chilton. Daraufhin wurde Loverro, NASAs Leiter der bemannten Raumfahrt, kurz vor dem ersten US-Start zum Rücktritt gezwungen.

Der Mann hat seinen Fehler eingestanden. Er habe das Mondlandeprogramm Artemis beschleunigen wollen, bot Loverro im Mai als Erklärung für sein Verhalten an. Die noch laufende Untersuchung soll unter anderem klären, ob die Informationsweitergabe rechtswidrig war. Für die Auftragsvergabe selbst war Loverro laut NASA nicht zuständig.

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Bezüglich Boeing ist die zu klärende Frage, ob der Versuch, die Information auszunutzen, rechtswidrig war. Den Bieterwettbewerb hat Boeing übrigens nicht gewonnen. Der größte Auftrag im Wert von 579 Millionen US-Dollar ist Ende April an ein Konsortium unter der Führung von Jeff Bezos Firma Blue Origin ergangen. Mitbewerber Dynetics erhält einen Vertrag über 253 Millionen Dollar, SpaceX winken 135 Millionen Dollar. Die Verträge laufen bis Februar. Danach wird die NASA entscheiden, mit welchen oder welchem der Unternehmen sie das Projekt weiterführt.

(ds)