China geht gegen Bitcoin-Farmen vor

Lange war es nicht mehr so einfach, Bitcoin zu schürfen. Grund dafür ist ein von der chinesischen Regierung verhängtes Verbot von Bitcoin-Mining-Farmen.

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(Bild: Wit Olszewski / Shutterstock.com)

Von
  • André Kramer
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Anfang Juli hat das Bitcoin-Netzwerk den Schwierigkeitsgrad zum Finden neuer Hashwerte für die Blockchain um 28 Prozent nach unten korrigiert. Der Grund: China geht hart gegen Bitcoin-Miner vor. In einer Provinz nach der anderen müssen die Mining-Farmen schließen. Das wiederum hat Auswirkungen auf das gesamte Bitcoin-Gefüge, denn ohne die chinesischen Server fehlt ein großes Stück Rechenkapazität. Das Mining ist unterdessen lukrativer. Wie lange diese Periode anhält, hängt davon ab, wie schnell die nun landlosen Miner neue Standorte erschließen.

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China hat den Bitcoin schon eine Weile im Visier. Das liest sich zunächst paradox, denn laut der Universität Cambridge wurden in China zuletzt etwa zwei Drittel der weltweiten Bitcoins geschürft. Das dürfte aber sehr bald Geschichte sein. Bereits im Jahr 2017 hat die chinesische Regierung den Handel mit Kryptowährungen verboten. Kryptobörsen sind ebenfalls untersagt, weshalb beispielsweise Binance seinen Hauptsitz nicht mehr in Shanghai, sondern auf Malta hat.

Zum dritten Mal in Folge hat das Bitcoin-Netzwerk die „Difficulty“ nach unten korrigiert. Der Kurs sank am 26. Juni auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar.

(Bild: Glassnode.com)

Nun sind auch die Mining-Farmer dran: Chinesische Behörden haben angeordnet, Serverfarmen zu schließen, die dem Bitcoin-Mining dienen. Allein in der südchinesischen Provinz Sichuan gingen Ende Juni 26 Serverfarmen vom Netz. Insgesamt stehen 90 Prozent der Mining-Kapazitäten in China vor dem Aus. Die Miner dürften ihre Serverfarmen über kurz oder lang in andere asiatische Länder, nach Russland oder in die USA verlagern. Noch ist es aber nicht soweit.

Die chinesische Regierung treibt an, dass sie Kryptowährungen wie den Bitcoin nicht regulieren kann. Wenn Millionen Chinesen ihre Ersparnisse aufgrund der volatilen Bitcoin-Kurse verspielen, ist die politische Stabilität in Gefahr. Auch dass die Vermögenden über Kryptowährungen ihr Geld außer Landes schaffen, liegt nicht im Interesse der Führung in Peking. Parallel zum Vorgehen gegen den Bitcoin arbeitet die chinesische Regierung an einer eigenen digitalen Variante der Landeswährung Yuan.

Nach einem lange anhalten Boom des Bitcoins ist die Bitcoin-Hashrate durch das chinesische Mining-Verbot kurzzeitig um etwa die Hälfte eingebrochen. Zwischenzeitlich schürften die verbliebenen Miner unter erschwerten Bedingungen. Ende Juni lag der Abstand zwischen zwei Transaktionen bei etwa 25 Minuten, deutlich über der angestrebten Dauer von zehn Minuten. In der Konsequenz hat das Netzwerk die sogenannte Difficulty angepasst. Das geschieht zwar automatisch nach jeweils 2016 Blöcken etwa alle zwei Wochen, aber dieses Mal sank die Difficulty um einen Rekordwert von 28 Prozent.

Jüngst wurde die Difficulty bereits zweimal nach unten korrigiert: um rund 16 und um 5 Prozent. Wenn die Miner an neuen Standorten wieder ans Netz gehen, dürfte sie aber wieder steigen.

Der Bitcoin-Kurs fiel zunächst. Das Vertrauen in das Kryptogeld wankt. Wenn die Schürfer nach neuen Standorten suchen, ihre Serverfarmen verlagern müssen, dafür Geld brauchen und vermehrt ihre Bitcoin-Reserven locker machen, steigt außerdem das Angebot an BTC. Als die Serverfarmen in Sichuan schließen mussten, erreichte der Kurs mit rund 26.500 Euro den tiefsten Stand seit Anfang Februar. Die verbliebenen Miner hielten in der Folge einen größeren Anteil am Kuchen und machten mehr Umsatz. Zuletzt stieg der Kurs wieder leicht um etwa 2000 Euro.

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Der Finanzmathematiker Nassim Taleb, einst ein Bitcoin-Befürworter, schätzte den Wert der Kryptowährung jüngst in einem Paper mit dem Titel "Bitcoin, Currencies, and Bubbles" als geringer ein, als der aktuelle Kurs verspricht: nämlich bei null. Bitcoin sei überhaupt keine Währung, als Zahlungsmittel nutzlos und als Wertaufbewahrungsmittel weniger beständig als Alternativen wie Aktien oder Edelmetalle. Gold und Silber bräuchten keine Pflege zur Werterhaltung. Digitale Währungen behielten ihren Wert hingegen nur über ein dauerhaftes Interesse an ihnen. Das besteht aber noch.

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(akr)