China im Verdacht: Australien Ziel groß angelegter Hackerangriffe

Australiens Premier hat Institutionen in seinem Land vor einem anhaltenden Cyberangriff gewarnt. Selbst mit dem Finger auf China zeigen will er nicht.

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(Bild: Skorzewiak/Shutterstock.com/heise online)

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In Australien sind staatliche Stellen und private Unternehmen aktuell das Ziel eines großangelegten Cyberangriffs, hinter dem lediglich ein ausländischer Staat stecken könne. Das gab Premierminister Scott Morrison am Freitag bekannt, wollte aber nicht sagen, wen seine Regierung in Verdacht hat. Hochrangige Offizielle bestätigten dem Nachrichtensender ABC gegenüber aber, dass die Behörden China hinter den Attacken vermuten. Die hätten nicht erst jetzt begonnen, ergänzte Morrison und erklärte, die Institutionen im Visier müssten ihre Abwehr verstärken.

Die Angriffe richten sich gegen eine ganze Reihe von Sektoren, neben Regierungsstellen auch auf die Industrie, politische Organisationen, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie kritische Infrastrukturen, zitiert ABC. Bislang gebe es keinen Hinweis auf einen großen Erfolg der Angreifer, sagte Morrison demnach. Aber weil die Attacken böswillig seien, habe man sich entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Labor-Chef Anthony Albanese unterstützte als Oppositionsführer im Parlament den Schritt. Er sei ausführlich informiert worden und in dieser Angelegenheit gebe es keinerlei Differenzen zwischen Opposition und Regierung.

Australiens Nachrichtendienst ASD (Australian Signals Directorate) hat für die angesprochenen Institutionen Informationen über die Taktiken, Techniken und Abläufe der Angreifer veröffentlicht. Geführt werden die Angriffe dort unter dem Codenamen "Copy-paste compromises", weil die Hacker stark auf Software und Werkzeuge setzen würden, die fast eins zu eins aus Open-Source-Quellen kopiert würden, wie es da heißt. Zwar gebe es keine einzelne Strategie zur Gegenwehr, aber einen grundsätzlichen Schutz könne man herstellen.

Die Sicherheitsbehörden Australiens arbeiteten außerdem eng mit Verbündeten zusammen, um das Problem zu bewältigen, insbesondere mit den Partnern der Geheimdienst-Allianz "Five Eyes", so Morrison. Dazu gehören neben Australien die USA, Großbritannien, Kanada und Neuseeland. Morrison hatte nach eigenen Angaben am Donnerstagabend mit seinem britischen Amtskollegen Boris Johnson unter anderem über die Cyberangriffe gesprochen.

Australien und auch andere westliche Staaten haben China in der Vergangenheit immer wieder beschuldigt, hinter groß angelegten Cyberangriffen zu stecken. Morrison sagte nun noch: "Es gibt nicht allzu viele staatliche Akteure, die über diese Fähigkeiten verfügen."

(mho)