China verteufelt Online-Gaming: Tencents Aktienkurs fällt

Staatsmedien sprechen von "Opium für den Geist" und "elektronischen Drogen". Tencent reagiert auf die Obrigkeit mit Einschränkungen für jugendliche Spieler.

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Chinesisches Propagandaposter mit einer Frau, einem Mann und einem Mädchen

"Die Nation muss erneuert werden, kleine Mäuler müssen kontrolliert werden." Chinesisches Propagandaposter, zirka 1970, für die damalige Ein-Kind-Politik

(Bild: Beijing Centre for Communication and Education for Family Planning)

Von
  • Frank Schräer

Eine zur staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur gehörende Zeitung hat Online-Spiele heftig kritisiert und sie als schädlich für die Entwicklung von Kindern dargestellt. Daraufhin hat der Aktienkurs des führenden chinesischen Technik- und Spielekonzerns Tencent deutlich nachgegeben. Tencent musste Einschränkungen für Kinder und jugendliche Spieler in einem ihrer populärsten Online-Spiele ankündigen.

Die chinesische Economic Information Daily erklärte am Dienstag in einem mittlerweile wieder zurückgezogenen Artikel, dass Gaming negative Auswirkungen auf Kinder habe. Die Gesellschaft müsse die Schäden durch Online-Spiele erkennen, die oft als "Opium für den Geist" und "elektronische Drogen" bezeichnet würden. Spielsucht sei ein wachsendes Problem und würde die Kinder vom Lernen abhalten und Entfremdung fördern.

Die zur staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua gehörende Zeitung verlangt deshalb strengere Regulierung. Spieleplattformen sollten mehr Sozialverantwortung zeigen, statt allein Profiten nachzujagen. Außerdem sollten Sanktionen der Aufsichtsbehörden kräftiger ausfallen, Spielsucht solle durch entsprechende Maßnahmen der Spielefirmen eingedämmt werden.

Obwohl der Artikel mittlerweile wieder gelöscht wurde, hat Tencent, einer der größten Spiele-Publisher und Technikkonzerne Chinas, neue Regeln angekündigt. Im Spiel "Honor of Kings", das zum Genre "Multiplayer Online Battle Arena" (MOBA) gehört, werden stärkere Einschränkungen umgesetzt als die staatlichen Regeln es vorschreiben.

Jugendliche Spieler dürfen nach einem Bericht des Wall Street Journal an Werktagen maximal eine Stunde spielen, aber zwei Stunden am Wochenende und an Feiertagen. Kinder unter zwölf Jahren sollen darüber hinaus keine Käufe mehr im Spiel tätigen können. Staatliche Regeln lassen laut CTV News 90 Minuten Spiel an Werktagen und drei Stunden am Wochenende und Feiertagen zu. Spieler unter 18 Jahren dürfen keine Online-Spiele zwischen 22 und 8 Uhr nutzen.

Kürzlich hat Tencent ein Gesichtserkennungssystem eingeführt, um zu verhindern, dass Kinder spätabends oder nachts spielen. "Honor of Kings" ist das erste Spiel mit diesen strikten Regeln und zählte Ende 2020 über 100 Millionen aktive Spieler täglich. Eine internationale Version des Spiels ist als "Arena of Valor" bekannt.

Tencents Aktienkurs ist nach Bekanntwerden des chinesischen Artikels um über zehn Prozent an der Börse in Hongkong gefallen. Die Aktie erholte sich im Laufe des gestrigen Tages allerdings etwas, sodass sich der Verlust auf sechs Prozent beschränkte. Damit fiel der Kurs auf das Jahrestief, das er schon letzte Woche innehatte, nachdem eine führende Repräsentantin der kommunistischen Partei Chinas die Videospielsucht zur höchsten Priorität der Behörden erklärt hat.

Nebeneffekt des gefallenen Aktienkurses ist, dass Tencent nicht mehr das Unternehmen mit dem höchstens Börsenwert in Asien ist. Diesen Platz hält nach Angaben der Taiwan News nun der taiwanische Chip-Fertiger TSMC, dessen Kurs zuletzt um weniger als ein Prozent gestiegen ist.

(fds)