Chinas Rover Zhurong: Landung auf dem Mars womöglich Freitagnacht

Die Landung des Rovers ist der riskanteste Teil der Mission Tianwen-1. Einiges deutet darauf hin, dass es nun soweit ist, aber die Verantwortlichen schweigen.

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Künstlerische Darstellung von Zhurong

(Bild: China National Space Administration)

Von
  • Martin Holland

Chinas erster Versuch, einen Rover auf dem Mars zu landen, steht wohl unmittelbar bevor. Zwar hat Chinas Weltraumbehörde seit der Taufe des Rovers auf den Namen Zhurong keine Informationen mehr veröffentlicht, aber die Hinweise auf einen baldigen Landungsversuch verdichten sich. So gibt es mehrere Berichte unter Berufung auf chinesische Zeitungen, ungenannte Offizielle oder Beobachter des chinesischen Raumfahrtprogramms, die von einer Landung um 01:11 MESZ in der Nacht zum Samstag sprechen. Das passt zu Beobachtungen und würde China nach der Landung viel Zeit für direkten Funkkontakt geben, erklärt der Kieler Amateurastronom Edgar Kaiser auf Twitter.

Für China ist die geplante Landung ein Meilenstein. Sollte sie gelingen, wäre dem Reich der Mitte mit der ersten Marssonde gelungen, wofür die US-Weltraumagentur NASA Jahrzehnte gebraucht hat. Die hatte 1965 mit Mariner 4 die erste Sonde am Mars vorbeigeschickt, 1971 schwenkte der Orbiter Mariner 9 als erster in eine Umlaufbahn ein und 1997 landete mit Sojourner der erste NASA-Rover auf dem Roten Planeten. Die Mission Tianwen-1 umfasst nun Chinas erste Sonde zum Mars, den ersten Lander und den ersten Rover. Zwar habe hier die Ingenieursarbeit im Vordergrund gestanden, zitiert das US-Magazin Nature Experten, trotzdem hoffe man auch auf wissenschaftliche Erkenntnisse.

Tianwen-1 ist im Februar am Mars angekommen, von den notorisch geheimniskrämerischen Verantwortlichen in Chinas Raumfahrtprogramm war seitdem aber nicht viel zu hören. Vor wenigen Wochen war der Rover offiziell auf den Namen "Zhurong" (祝融) getauft worden, nach dem Gott des Feuers in der chinesischen Mythologie. Ihn nun zu landen, ist die größte Herausforderung der gesamten Mission. Viele Missionen sind daran gescheitert, nicht zuletzt die Landeeinheit Beagle 2 der Europäischen Weltraumagentur ESA. Mit diesem Risiko wird nun oft die Verschwiegenheit der Verantwortlichen in China erklärt. Selbst im Reich der Mitte ist der Rover offenbar kein großes Thema. Selbst wenn die Landung klappt, könnte es dauern, bis Details dazu öffentlich werden.

Laut Nature wird Zhurong bei seinem Landeversuch zuerst von einem Fallschirm abgebremst, bevor Bremsraketen den letzten Schwung abfangen sollen. Ähnlich wie der NASA-Rover Perseverance soll er dann etwas über dem Boden schweben, um eine geeignete Landestelle zu finden. Aufgrund der viel zu langen Signallaufzeit muss er das alles automatisch erledigen. Stattfinden soll das alles im Süden der Tiefebene Utopia Planitia. Nach einigen Tagen soll dann der sechsrädrige Rover losfahren, er soll mindestens drei Monate unterwegs sein. Ausgestattet ist er demnach mit sechs Instrumenten, zwei Kameras sollen Fotos machen. Suchen soll der Rover demnach unter anderem nach Spuren eines möglichen Permafrostbodens.

(mho)