Chip-Geheimnisse entwendet? Apple klagt gegen Start-Up und zwei Ex-Mitarbeiter

Apple wirft den Beklagten vor, dass sie anhand der Daten eigene Chips bauen wollen. Rivos habe gezielt Geheimnisträger rund um Apple Silicon abgeworben.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 37 Beiträge
Apple M1

(Bild: Apple)

Von
  • Malte Kirchner

Apple hat Klage gegen zwei ehemalige seiner Beschäftigten sowie das Start-Up-Unternehmen Rivos wegen des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen eingereicht. Die Beschuldigten sollen per AirDrop-Übertragung, mittels eines Time-Machine-Backups und auf anderen Wegen geheime Dokumente und Informationen über Apples Chips – darunter den A14 (iPhone/iPad) und den M1 (Mac) – entwendet haben, um damit bei ihrem neuen Arbeitgeber Rivos Konkurrenzprodukte zu entwickeln. Auch Informationen über bislang unveröffentlichte Chips seien entwendet worden.

Laut der Anklageschrift Apples, die in Kalifornien beim United States District Court in San Jose eingereicht wurde, habe Rivos seit Juni 2021 mehr als 40 Apple-Mitarbeiter abgeworben, um eigene Systems-on-a-chip (SoC) zu entwickeln. Dabei habe es Rivos gezielt auf Mitarbeiter Apples abgesehen, die Zugang zu geschützten Informationen hatten. Bei den meisten habe es sich um Chip-Designer gehandelt. Weitere Mitarbeiter seien laut Apple gerade dabei, zu Rivos zu wechseln.

Die beiden mitangeklagten ehemaligen Apple-Mitarbeiter Bhasi K. und Ricky W. waren 8 bzw. 14 Jahre für den IT-Konzern in Kalifornien tätig und haben damit große Teile der Entwicklung des Apple Silicons mit begleitet. Apples Angaben zufolge sei ein Jahrzehnt lang an den eigenen Chips gearbeitet worden. Für die Entwicklung habe das Unternehmen Milliarden US-Dollar investiert. Das Ergebnis der jahrelangen Arbeit wird von Experten als beeindruckend bewertet.

Bhasi K. soll auf einem USB-Stick geheime Dokumente Apples aus dem Unternehmen geschafft haben. Ricky W. soll mehrere hundert Gigabyte an Daten, darunter Diagramme der Chiparchitekturen, auf einer externen Festplatte und im Cloud-Speicherdienst Google Drive gespeichert haben. Weitere Beschäftigte sollen Dateien per AirDrop an ihre persönlichen Geräte übertragen haben. Einer habe sogar ein Time-Machine-Backup seines gesamten Arbeitscomputers auf einer externen Festplatte angelegt und mitgenommen.

Die Anklageschrift zeigt zugleich, wie weitreichend Apples Kontrollen von Mitarbeitern reichen, die Zugang zu geschützten Informationen haben. Detailliert werden Suchanfragen im Browser, der Anschluss externer Geräte, der Aufruf von Cloud-Speicherdiensten wie Google Drive und weitere Handlungen der früheren Mitarbeiter beschrieben, obwohl die Ex-Mitarbeiter laut Apple durch Löschaktionen versuchten, ihre Spuren zu verwischen.

Laut den Aussagen Apples seien die Mitarbeiter von Rivos angehalten worden, den verschlüsselten Messenger Signal anstelle von Apples eigenem Messenger iMessage zu nutzen. Allerdings scheint es einigen auch gelungen zu sein, ihre Handlungen zu verbergen, indem sie regelwidrig ihre Geräte komplett auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Dass Apple mitunter stark kontrolliert, wurde auch bereits am Beispiel von Taschenkontrollen in Apple Stores deutlich.

Bei Rivos handelt es sich um ein sogenanntes Stealth-Start-Up, das heißt, der Geschäftszweck bleibt für die Öffentlichkeit bislang verborgen. Im Internet ist nur eine Website zur Anwerbung von Personal zu finden. Laut Apple wurde das Unternehmen im Mai 2021 gegründet und hat seinen Sitz im US-Bundesstaat Delaware.

In der Vergangenheit gab es bereits etliche Fälle, in denen Apple wegen Geheimnisverrats gegen frühere Mitarbeiter vorging. So etwa im Falle von Simon L. im März 2021 oder gegen einen früheren Mitarbeiter, der Informationen aus Apples angeblichem Auto-Projekt weitergegeben haben soll.

Mehr von Mac & i Mehr von Mac & i

(mki)