Chip-Inflation: Apple will TSMC-Preiserhöhung nicht zahlen

Apples einziger SoC-Fertiger würde gerne mehr Geld für seine Produkte sehen. Doch da will der Konzern einem Bericht zufolge nicht mitspielen.

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Wafer bei TSMC in Taiwan.

(Bild: Taiwan Semiconductor Manufacturing Co., Ltd.)

Von
  • Ben Schwan

Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, Limited, kurz TSMC, ist wichtig für Apple: Bei dem taiwanischen Chipauftragsfertiger laufen alle Systems-on-Chip (SoCs) für iPhone, iPad und Mac vom Band (Ausnahme: der bei Intel verbliebene Mac Pro). Umgekehrt macht TSMC mit Abstand den meisten Umsatz mit Apple. Entsprechend eng aneinander gekettet sind die beiden Unternehmen. Und nun gibt es einem Bericht zufolge Streit: TSMC gelingt es offenbar nicht, seine gestiegenen Kosten an Apple weiterzugeben.

Der taiwanische Foundry-Gigant würde von seinem größten Kunden gerne ab dem kommenden Jahr zwischen 6 und 9 Prozent mehr vereinnahmen – je nach verwendetem Prozess. Allerdings scheint diese Erhöhung mittlerweile bereits auf 3 bis 6 Prozent heruntergehandelt worden zu sein. Doch auch diese Erhöhung ist Apple offenbar zu viel, wie das in Taipeh erscheinende Wirtschaftsblatt Economic Daily News berichtet. Apple macht offenbar unter anderem geltend, dass man ohnehin schon rund 20 Prozent mehr zahle als bei konkurrierenden Chipauftragsfertigern. Samsung wäre zurzeit die einzige mögliche Alternative, hinkt in Sachen Performance und Effizienz aber hinter TSMC her.

TSMC schreibt in seinem Geschäftsbericht von 2021, dass der größte Kunde einen Umsatzanteil von 26 Prozent, also fast 14,8 Milliarden US-Dollar hatte – dieser Kunde wird als Apple gehandelt. Die Firma hat in den vergangenen Jahren immer mehr seiner Prozessorendesigns an das Unternehmen vergeben. In allen Hardware-Produkten vom iPhone bis zur Apple Watch läuft nun Apple Silicon – SoCs wie M1, M2 oder A15 stammen allesamt von TSMC. Wichtigster Standort ist Taiwan, auch wenn TSMC unter anderem in den Vereinigten Staaten eine große neue Fertigung plant. Taiwan wiederum litt in letzter Zeit unter frisch aufgeflammten geopolitischen Spannungen.

TSMC soll zuletzt 100 Milliarden US-Dollar für neue Fertigungsprozesse veranschlagt haben – einer der Gründe, warum man die Preise anziehen möchte. Hinzu kommen höhere Material- und Logistikkosten, auch in Taiwan herrscht Inflation. Doch Apple will die Weitergabe der Preiserhöhungen nicht akzeptieren. Wer von beiden Partnern als erster "umfällt", bleibt dabei unklar: TSMC merkt bereits, dass es insgesamt weniger Nachfrage nach seinen Produkten gibt, weshalb man Kunden unbedingt halten will; Apple wiederum bekommt es mit möglicherweise geringeren iPhone-Verkäufen zu tun, kann aber nicht einfach von TSMC zu einer anderen Foundry wechseln.

Apple soll den gesamten Markt beobachten und geht offenbar davon aus, dass die Preiserhöhungen bei TSMC aufgrund einer sich entspannenden Lieferkettensituation nicht (mehr) gerechtfertigt sind. Diese hielten seit Beginn der COVID-Krise Anfang 2020 an und verschärften sich zwischenzeitlich auch 2022 nochmals, da China frische Lockdowns veranlasste. Durch die inflationsgetriebene Nachfrageflaute verbesserte sich die Situation allerdings nun. Apple soll es weiterhin deutlich besser als anderen Smartphone-Herstellern gehen; der Gesamtmarkt schrumpft in diesem Jahr angeblich um bis zu 6,5 Prozent.

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(bsc)