Chipkrise und Lieferengpässe: Biden will komplette Chip-Lieferkette in den USA

Der US-Präsident will die Chip-Produktion aus Asien in die USA holen. Dafür will IBM 20 Milliarden Dollar investieren im Bundesstaat New York.

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Chip auf Platine

(Bild: cherezoff / Shutterstock.com)

Von
  • Frank Schräer
  • mit Material der dpa

US-Präsident Joe Biden hat seine Entschlossenheit bekräftigt, die Chip-Produktion in großem Stil aus Asien in die USA zu holen. "Die Lieferkette wird hier beginnen und hier enden", verkündete Biden am Donnerstag bei einem Auftritt in einem Werk des Computerkonzerns IBM in Poughkeepsie im Bundesstaat New York.

Biden verwies unter anderem darauf, dass die globalen Halbleiter-Engpässe etwa auch die in Amerika hergestellten Autos teurer gemacht hätten. "Wir müssen diese Chips hier in Amerika herstellen", sagte er. Die Verlegung der Chipfertigung werde nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der nationalen Sicherheit zugutekommen.

Bidens Regierung hatte dafür im Juli den US Chips Act für milliardenschwere Halbleiterförderungen durchgebracht. Das Gesetz soll den Ausbau der Chip-Produktion in den USA etwa durch Subventionen beschleunigen. Danach kündigten unter anderem die Branchenschwergewichte Intel und Qualcomm hohe Investitionen in den USA an.

Vor wenigen Tagen hat Speicherchiphersteller Micron angekündigt, 100 Milliarden US-Dollar im Bundesstaat New York zu investieren. Eine riesige Chipfabrik soll ab 2023 nördlich von Syracuse entstehen. Nun sicherte auch IBM Investitionen von 20 Milliarden Dollar in der Region in den kommenden zehn Jahren zu.

Die globale Chipfertigung konzentriert sich seit Jahrzehnten in Asien. Das gilt auch als Grund dafür, dass praktisch die gesamte Verbraucher-Elektronik dort produziert wird. Auch Europa versucht gerade, mithilfe von Subventionen die Chip-Produktion auf dem Kontinent attraktiver zu machen.

So plant Intel ein deutsches Mega-Halbleiterwerk in Magdeburg für 17 Milliarden Euro, das von Deutschland und der EU mit Fördergeldern unterstützt wird. Der erste Spatenstich soll im ersten Halbjahr 2023 erfolgen und die Chipfabrik dürfte mehr Strom verbrauchen als die ganze Stadt Magdeburg.

Aber auch Chipfabriken taiwanischer Chipauftragsfertiger sind in Europa nicht vom Tisch. Offenbar befinden sich die EU-Kommission und EU-Mitgliedsstaaten in entsprechenden Gesprächen mit den sogenannten Foundry-Anbietern Taiwans. Mögliche Kandidaten sind Weltmarktführer TSMC, der derzeit die fortschrittlichsten Halbleiterbauelemente in Serie produziert, und UMC, der Chips mit Strukturen von bis zu 22 Nanometern fertigt, wie sie in großer Stückzahl in Autos benötigt werden.

(fds)