Chipmangel: Canon verkauft Tonerkartuschen ohne Identifikationschips

Eine Knappheit kleiner Chips veranlasst Canon, die ungeliebten Sicherheitssysteme in Imagerunner-Druckern über Bord zu werfen und "Interim-Toner" zu verkaufen.

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(Bild: Canon)

Von
  • Mark Mantel

Canon kann laut eigenen Angaben nicht mehr genügend Halbleiterbauelemente beschaffen, um alle Tonerkartuschen mit den leider üblichen Identifikationschips zu bestücken, die den Einsatz von billigerem Ersatztoner erschweren sollen. Solche Identifikationschips bestehen beispielsweise aus einem einfachen Mikrocontroller mit integriertem nichtflüchtigem Speicher, der bei vielen Herstellern auch den Füllstand der Tonerkartusche beziehungsweise Tintenpatrone protokolliert.

Kartuschen für Dutzende Multifunktionsdrucker (MFP) aus der Büro-Baureihe Imagerunner verkauft Canon aufgrund des Mangels vorübergehend ohne Elektronik. Weil Canons Drucker die sogenannten Interim-Toner somit nicht als Originalzubehör erkennen, erklärt der Hersteller selbst, wie man entsprechende Warnungen umgeht. Im Normalfall genügt ein einziger Tastendruck, um die Meldungen auszublenden.

Die Interim-Toner zeigen, dass der weltweite Chipmangel längst nicht mehr nur PC-Hardware und Konsolen betrifft. Gerade Kleinbauteile, die mit alter Fertigungstechniken eigentlich nur einige Cent kosten, sind heutzutage knapp und daher teuer.

Canon gibt mit der Ankündigung eine Anleitung an die Hand, wie man alternativ günstigere Kartuschen von Drittherstellern verwenden könnte. Für Canon bleibt gegenüber günstigeren Konkurrenzprodukten somit nur das Versprechen, eine bessere Druckqualität zu liefern – der Inhalt der Interim-Toner zu den normalen Kartuschen bleibt schließlich identisch.

Ohne Elektronikkomponenten melden die Kartuschen zudem nicht ihren Füllstand an die Drucker. Folglich kann die Füllanzeige schlagartig von 100 auf 0 Prozent springen. In einem solchen Fall empfiehlt Canon den Austausch eines Interim-Toners. Im Zweifel können Nutzerinnen und Nutzer aber auch warten, bis es zu Aussetzern auf Ausdrucken kommt. Bei Laserdruckern stellt das kein Problem dar.

Automatische Nachbestellungen von Kartuschen in Büros funktioniert ohne die Füllanzeige bestenfalls nur noch eingeschränkt. Im Zweifelsfall sollte man also Ersatz für einen kurzfristigen Austausch lagern.

(mma)