Chipmangel: Warnung vor gefälschten Halbleiter-Bauelementen

Wirtschaftlicher Druck könnten vor allem kleinere Unternehmen dazu bewegen, minderwertige oder gefälschte Elektronikkomponenten einzukaufen.

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(Bild: HomeArt/Shutterstock.com)

Von
  • Mark Mantel

Der weltweite Mangel von Halbleiterbausteinen soll die Bereitschaft von Unternehmen steigern, minderwertige Elektronikkomponenten in ihren Produkten einzubauen. In einer Zeit, in der es oftmals viele Monate dauert, an geeignete Chips zu kommen, könnten Betrüger mit kurzfristigen Angeboten ein lukratives Geschäft wittern.

Unter anderem in der Automobilindustrie hat der Chipmangel schon für stillgelegte Produktionslinien gesorgt. Die kleinen Bauteile sind heutzutage für allerlei Gebrauchsgegenstände notwendig: von der Ansteuerung einer Mikrowelle bis hin zur Ansteuerung der Assistenzsysteme eines Autos. Die Coronavirus-Pandemie ließ den Bedarf nach Chips explodieren, unter anderem durch die hohe Nachfrage nach Desktop-PCs und Notebooks für die Arbeit zu Hause. Da Chipauftragsfertiger wie TSMC und Samsung nicht hinterherkommen, müssen Hersteller teils ein Jahr lang auf Neubestellungen warten.

Die Webseite ZDNet hat mit Forschern und Analysten aus der Halbleiterbranche gesprochen, laut denen die Bereitschaft zum Kauf minderwertiger Halbleiter-Bauelemente weiter ansteigt, je länger die Lieferschwierigkeiten andauern. Großabnehmer seien kaum betroffen, dafür aber kleinere Firmen, die nicht direkt bei Chipfertigern bestellen. Dort hieße die Entscheidung womöglich: Komponenten aus dubioser Quelle verwenden oder die Produktion stilllegen und auf wichtige Einnahmen verzichten.

Michael Pecht, Professor für Maschinenbau an der Universität von Maryland, glaubt, dass es in der Wirtschaft kaum ein Bewusstsein für die Bedeutung geeigneter Halbleiterbausteine gibt. Normalerweise werden Komponenten ausführlich getestet und für den Einsatz in bestimmten Produkten zertifiziert – im Falle von Autos trifft das beispielsweise auf jeden einzelnen Power-Management-Controller (PMIC) zu. Der Prozess könnte infolge des Chipmangels gelockert oder sogar komplett umgangen werden.

Betrüger setzen insbesondere auf zwei Methoden: Zum einen bauen sie benötigte Komponenten nach, zum anderen bereiten sie Elektroschrott auf, um diesen als neu zu verkaufen. Das beginnt beim Kondensator, dessen Aufschrift abgeschliffen und anschließend neu aufgetragen wird. Oftmals gelangt die Ware über Distributoren in den Zwischenhandel. "Was sich zu gut anhört, um wahr zu sein, ist zu gut, um wahr zu sein", sagte Steve Calabria von der Independent Distributors of Electronics Association (IDEA).

Entsprechende Halbleiter-Bauelemente könnten zwar unmittelbar funktionieren, aber schneller verschleißen und so vermehrt für Ausfälle sorgen. Insbesondere im Gesundheitswesen, beim Militär oder bei Fortbewegungsmitteln wäre das fatal. Datenbanken wie ERAI verfolgen Lieferrouten von Elektroschrott, um Betrügern das Geschäft zu vermiesen, und schulen Unternehmen, Fälschungen zu erkennen. Röntgenbilder etwa gewähren Einblick in die Hardware hinter (Schutz-)Gehäusen.

(mma)